Kirsten Kohlhaw

Kirsten Kohlhaw AutorinIch wuchs in einer Landschaft auf, in der andere Leute Urlaub machen, da ist die Chance, Fremden zu begegnen, vergleichsweise hoch. Die Urlauber kamen und gingen, wir blieben auf unserem Deich zurück.

Ob zuhause an der Küste Dithmarschens, bei den Campingtrips nach Dänemark und in die Niederlande oder bei unseren Familienreisen quer durch Deutschland: überall traf ich von Kindesbeinen an Menschen unterschiedlichster Herkunft und Bauart, mit denen ich bewegende Geschichten und Momente teilen durfte. Und den Spaß, der sich aus dem Universum möglicher gemeinsamer Interesse speist oder aus der Faszination über die Andersartigkeit des Gegenübers.

Meine ersten Brieffreundschaften habe ich gepflegt, da konnte ich noch gar nicht schreiben. Wir behalfen uns damals mit dem Austausch gedruckter Fotos und Zeichnungen oder baten unsere Erziehungsberechtigten zum Diktat. Ich hatte Glück, meine Eltern rückten bisweilen sogar teure Fernsprechminuten raus und karrten mich im zarten vorpubertären Alter einmal bis nach Süddeutschland, damit ich eine Urlaubsbekanntschaft in ihrer heimischen Umgebung erleben konnte.

Ab meinem 14. Lebensjahr war immer häufiger ich „die Fremde“, „der Besucher“ auf der Suche nach Abenteuer. Begab mich immer wieder in andere Lebensumstände, stellte immer wieder alles infrage, was mich umgab. Ich sammele weder Meilen noch Fähnchen auf dem Globus. Manches findet mich, anderes suche ich mir bewusst aus. 38 Länder habe ich bisher bereist, von Schweden über Tunesien bis nach Neuseeland und Australien, von Portugal über Chile bis in die USA. Von manchen träume ich fast täglich. In einige kehre ich wiederholt zurück, bei anderen reicht auch eine Postkarte als Erinnerung.

Das Wort Couchsurfing gab es bis vor wenigen Jahren noch nicht, und doch lebten wir schon damals diese spezielle Form von Verbundenheit, die unter Reisenden so charakteristisch ist, eine Art intensiver Parallelweltenpflege. Im Herzen verbunden: Immer. Durch die Anforderungen des Alltags bisweilen verloren, vergessen, versprengt und wiederentdeckt. Ja, auch das.

Unendliche Sommertage, das Gefühl von Freiheit, Leichtigkeit und Abenteuer prägt meine Reiseerinnerungen genau wie eine Großzügigkeit, die sich nur mit Gastfreundschaft beschreiben lässt. Das Wissen, dass man sich in der Heimat verloren und in der Fremde geborgen fühlen kann. Und umgekehrt. Oder auch ganz anders.

Denke ich an die bisherigen Reisen zurück, durchströmt mich Dankbarkeit. Zugleich spüre ich eine ungebrochene Neugierde auf noch unbekannte Orte und weitere Begegnungen. Denn jede einzelne macht mein Leben reicher. Über das, was ich auf Reisen erlebe, schreibe ich auf diesem Blog.

Hier kannst Du die Reiseberichte von Kirsten nachlesen!

Flattr this!