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Bamberg, Besuch bei Biergöttern

Bamberg, vor 1010 Jahren als fränkisches Bistum gegründet, ist eine Stadt der Superlative: super deutsch, super katholisch, super bierverliebt. Ob sich eine Reise auch im Winter lohnt und was man hier alles entdecken kann, haben wir für euch mal angetestet.

Eine Tagung in Bamberg. Bei Bamberg, um genauer zu sein. Wir sind untergebracht im Drei Kronen. Der Name ist Programm. Und es sind weit mehr als drei. Die Kronen begegnen mir überall. Zieren Wandvorsprünge in der Gaststube, Bilder an den Wänden, sind eingeprägt in Bett-Kopfteile, Holzschränke, Lampenschirme. Auch wir haben das ganze Haus okkupiert. Dann passt’s doch wieder.

Viele Zimmer sind, wie ich von den anderen Teilnehmenden höre, richtig schick eingerichtet. Mit zurückgenommen schmucker Ausstattung, verspielten Sternenhimmeln an der Decke, eine der Suiten hat sogar eine Badewanne mitten im Zimmer. Das Memmelsdorfer Traditionshaus mit eigener Brauerei (Schenkstatt und Brauort seit 1457) besitzt in jedem Fall genügend Selbstvertrauen, um auch eigenwillig ausgestattete Zimmer anzubieten.

In meinem Bad konkurrieren gleich vier verschiedene Fliesentypen um Aufmerksamkeit. Vorm Bad breiten sich ein blass-bunter Teppich aus, der – nach einer kecken Stufe mitten im Zimmer – in so Holzfußboden übergeht. Die Wände rauh verputzt und zart kotzgrün gestrichen. Amüsant, doch letztlich ist das Kosmetik. Das Essen ist fränkisch fein, das W-LAN kostenfrei und der Konferenzsaal großzügig und perfekt ausgestattet. Auch geschlafen habe ich in meinem bunten Reste-Zimmerchen ganz wunderbar. Alles eine Frage der Beleuchtung – und des fränkischen Bieres.

Bier ist der lebende Beweis dafür, dass Gott uns liebt und uns glücklich sehen will.

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Bamberg und Bier, das ist wie Sonne und Schein, wie Ernie und Bert, wie Himmel und Paradies. Ein Vergnügen, das hier immerhin zu einem jährlichen pro Kopf-Verzehr von 288 Liter führt. Uiuiui… Drink responsibly auf fränkisch.

Wow, und ich dachte immer, ich interessier’ mich nicht für Bier. Das stimmt wohl so nicht mehr. Die Helle Lotte ist mein Favorit. Untergärig perlt sie und schmeckt wunderbar süffig. Auch Holla die Bierfee, ein von der Braumeisterin erdachtes Ale-artiges Getränk, mundet famos. Leider kommt es in einer rosa Flasche. Meine Gendermarketing-Allergie stöhnt auf. Neben saisonalen Sorten wie zum Beispiel Melchior, das hier zum Tag der Heiligen drei (sic!) Könige gebraut wird, ist das Stöffla, ein Rauchhier, eine Instanz.

Rauchbier geht bei mir gar nicht. Im Mittelalter schmeckte, wenn ich das richtig mitgeschnitten habe, alles Bier rauchig. Die eingemaischte feuchte Getreidepampe musste vor der Weiterarbeitung getrocknet werden, das ging halt am besten mit Feuer und dabei entstand – na? Rauch! Auf der Führung durch die hauseigene Brauerei kann man noch viel mehr erfahren, über Feinheiten und Besonderheiten der gehobenen Braukunst. Und tüchtig verkostet wird dort natürlich auch.

Von dem Bamberger Baubooms im 17. Jahrhundert profitierten alle Gewerke. Hier: Türbeschlag nahe der Alten Hofhaltung am Domplatz.

Wie ein Schiff thront das Alte Rathaus in Bamberg auf der künstlichen Insel im Fluß und verbindet die Domstadt mit der Inselstadt. Es prägt die historische Innenstadt wie kein zweites, einst markierte es die Trennlinie zwischen der bischöflichen Berg- und der bürgerlichen Innenstadt.

Bierparadies Bamberg

Die Brauereien-Dichte in und um Bamberg ist weltweit einzigartig. Ganze 77 Stück tummeln sich in der Region. Auf ihre gelebte Bierkultur sind sie Bamberger so stolz, dass es in der ganzen Stadt kein Bier von außerhalb zu kaufen gibt. Besteht ja auch wahrlich kein Grund zu. Die Auswahl ist auch so schon unglaublich. Da überrascht es wenig, dass der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in Bamberg bei 288 Liter pro Jahr liegt – im Gegensatz zu 100-120 Liter pro Jahr im Rest der Republik. Somit ist Bamberg ganz klar die Hauptstadt des Bieres.

Mit heiligem Ernst und – zumindest was die letzten 200 Jahre anbelangt – seriös aufgearbeitet: Die Geschichte vom Bamberger Bier in Wirt, äh Wort, und Buch.

Es soll ja Leute geben, die pilgern zu Fuß oder mit dem Fahrrad durch das deutsche Bier-Mekka. Der 13-Brauereien-Weg durch die als Fränkische Toskana vermarktete Gegend im Osten Bambergs gibt da durchaus was her. Die Route führt vom nordöstlich gelegenen Memmelsdorf über Litzendorf bis nach Strullendorf. In Anbetracht der Jahreszeit lassen wir die Wanderschuhe im Schrank und runden unsere Stippvisiten in die Bamberger Brautradition mit einem Stadtspaziergang in der alten Residenzstadt ab.

Malerische Sichtachsen trotz november-grauem Regenwetter. Hier auf dem Weg zum Bamberger Dom.

Bamberg im November | Ein Stadtspaziergang durch die Altstadt

Ein milder Novembertag in der kreisfreien oberfränkischen Stadt im Herzen der Metropolregion Nürnberg. Die sieben Hügel der christlichen Stadt, die 1007 als fränkische Kaiser- und Bischofstadt gegründet wurde, verstecken sich bei unserer Ankunft im Hochnebel. Die Altstadt liegt eingebettet zwischen den beiden Armen der Regnitz, deren rechter zum Main-Donau-Kanal ausgebaut wurde.

An der Regnitz regnet’s. Auch im verhaltenen Schimmer herbstlicher Grauschattierungen macht die Stadt echt was her. Die dichten schiefen Dächer, das Fachwerk, erinnern mich an die Marburger Oberstadt, in der ich während des Studiums wohnte. Unverdrossen erkunden wir die größte erhaltene Altstadt Deutschlands, die seit 1993 zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Stünden hier nicht vereinzelt Autos und Drahtesel herum, man könnte leicht aus der Zeit fallen.

Von der Inselstadt aus spazieren wir an den alten Gerberhäusern vorbei zum Pfahlplatz am unteren Kaulberg, über die untere Brücke, von wo aus wir das Alte Rathaus bestaunen, in die Domstadt, hoch zum Domberg. Fast jedes Haus steht hier unter Denkmalschutz. In der Altstadt eine Wohnung zu bekommen, ist fast unmöglich. „Wer hockt, der hockt“ heißt es hier, die Quadratmeterpreise spreizen sich zwischen fünf bis 12 Euro pro qm, je nach Sanierungsstand.

Natürlich wurden die alten Gerberhäuser direkt am Wasser gebaut. Die großen Balkone boten Platz zum Trocknen des Leders. Als gegenüber eine Residenz entstand, mussten die Gerber aus olfaktorischen Gründen weichen.

Heinrich und Kunigunde sind die heimlichen Stars des alten Bamberger Fundaments. Ohne Heinrichs Staatsstreiche und Kunigundes Handeln – nach seinem Tod leitete sie für kurze Zeit die Geschäfte – sähe Bamberg heute sicher ganz anders aus. Dass die Stadt als Bischofssitz und fränkische Residenzstadt des Kurfürsten im heiligen römischen Reich deutscher Nation von Beginn an über große Reichtümer verfügte, hat maßgeblich zum Erhalt der alten Bausubstanz beigetragen. Wie das? Man hat die vorbeiziehenden Kriegsherren bei jeder militärischen Auseinandersetzung einfach bezahlt, damit sie die Stadt verschonen und woanders kämpfen. Tja, wohl dem, der’s hat.

Die Adamspforte des Bamberger Domes weist mehrere skulpturale Besonderheiten auf: Der Hl. Stephanus (hier neben dem Stifterpaar Kunigunde und Heinrich) zeigt Mimik – und lacht …

… und Adam und Eva (neben Petrus, hier mit Kreuz statt Schlüssel) ) sind die ersten lebensgroßen Aktfiguren seit der Antike.

Bamberger Bauboom | Unterm Krummstab lebt es sich gut

Ein weiterer Star ist Graf von Schönborn. Die mittelalterlichen Häuser mögen den 30-jährigen Krieg weitgehend überlebt haben, aber die Bevölkerung leidet stark. Statt vormals 12.000 Seelen leben nach 1648 nur noch 2.000 Menschen in Bamberg. Die vielen Barockbauten hat Bamberg dem Bauboom im 17. Jahrhundert zu verdanken. Der damalige Kurfürst von Mainz, Lothar Franz Graf von Schönborn, entwickelt das perfekte Anreizsystem, damit das Leben hier wieder blüht.

Die sogenannten „Wartesteine“ an der alten Residenz am Domplatz in Bamberg.

Steuervergünstigungen für jeden, der ein steinernes Haus baut. 20 Jahre für drei Geschosse, 10 Jahre für zwei Geschosse und sechs Jahre für jeden, der dieses schrecklich altmodische Fachwerk verputzt. Der Bauboom sorgt für ein barockes Wirtschaftswunder unter den Baugewerken. Die Rechnung geht auf. Der positive Effekt weitet sich auf alle weiteren Branchen aus, die Mensch so zum guten Leben braucht. Und er ist verantwortlich dafür, dass in Bamberg neben den mittelalterlichen Fachwerkbauten der barocke Baustil dominiert.

Die alte Hofhaltung mit ihrem offenen Fachwerk lässt erahnen, wie das mittelalterliche Bamberg ausgesehen hat. Im Sommer finden hier u.a. Theateraufführungen und anderes Kulturspektakel statt.

Als Bamberg 1803 an Bayern fiel, räumten die neuen Herrschenden zügig eine Großzahl der Kirchen leer und füllen mit den Reichtümern ihr Staatssäckel. Wofür die großen kühlen Bauten in jenen Jahren genutzt wurden? Viele als Gemüsespeicher, erfahre ich. Die Gärtnerstadt in Bamberg heißt nicht umsonst so. Neben Bier, Katholizismus und Architektur ist Bamberg auch bekannt für seine Gemüsequalität und Vielfalt, zu denen auch so Schätzchen wie der Slow Food Arche Passagier, das Bamberger Hörnla, gehören.

Infoteil | Tipps und Service rund um Bamberg

Bambärch (so der mittelalterliche Name) – Ich komme in jedem Fall wieder! Dann sichere ich mir im Drei Kronen in Memmelsdorf die Hochzeitssuite mit der Badewanne als krönendem ;-) Zimmermittelpunkt, erkunde die Fränkische Toscana rund um Bamberg mit dem Fahrrad und mache noch ein paar schöne Fotos bei Tageslicht und Sonnenschein.

Das Buch zum Bamberger Bier, anscheinend aktuell vergriffen und nicht über den regulären Buchhandel zu beziehen, erzählt und illustriert die Historie aller Bamberger Braustätten der letzten 200 Jahre.

Ihr könnt euch auch schauend mit fränkischer Bierkunst vollaufen lassen. In 2010 entstand ein Dokumentarfilm über die Bamberger Bierkultur: Bamberg – Ein Bekenntnis zum Bier.

Wer sich – im Gegensatz zu mir – ans Rauchbier wagen will: Aecht Schenkerla ist die historische Rauchbierbrauerei in Bamberg, in der Dominikerstraße.

Ihr wollt mehr über die adelige Historie erfahren und interessiert euch so richtig für barocke Prunkbauten? Dann auf nach Schloss Weissenborn in Pommersfelden, 20 Kilometer südlich von Bamberg.

Das Bamberger Hörnla ist eine alte fränkische Kartoffelsort. Mich begeistern Name, Form und Geschmack gleichermaßen. Unbedingt probieren!

Es ist November und an der Regnitz regnet’s. Selbst bei diesem Wetter blitzt die Schönheit der Stadt durch. Hier werde ich in jedem Fall nochmal im Frühling oder Sommer hin, zu einer Wanderung von Brauerei zu Brauerei.

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