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Roadtrip. Von Palenque nach Tulum im Bus

Der Roadtrip „Halbinsel Yucatán“ geht weiter. Mit Chichén Itzá, Mérida und Campeche haben wir für unser Empfinden schon viel gesehen. In diesem Teil der Reise machen wir einen Abstecher nach Chiapas in den Dschungel und fahren über Chetumal nach Tulum.

Um es gleich vorweg zu sagen, zwei Wochen reichen nicht aus, um die Halbinsel Yucatán in ihrer ganzen Pracht und Schönheit zu erkunden. Besser wären sicher drei oder vier Wochen. Wer ebenfalls nur zwei Wochen Zeit hat für diese Gegend sollte sich im Vorfeld überlegen, wie viel Kultur und wie viel Natur es sein soll.

Will ich actiongeladenes Reisefieber erleben oder lieber im langsamen Genießermodus unterwegs sein? TFMO – The Fear of Missing Out – hab ich nicht mehr. Denn egal, wo man ist, man ist ohnehin immer irgendwo nicht.

Mit Isla Holbox, Chichén Itzá, Mérida und Campeche haben der Mann und ich für unser Empfinden in zehn Tagen schon viel gesehen (s. Mexiko Roadtrip Teil 1). Mittlerweile bin ich ein großer Freund von Entdecken ohne Hektik. Na klar, will ich so viel von einem Land sehen wie möglich, aber es soll echt nicht in Stress ausarten. Eine Stadt erkunden, sei es auch nur die Innenstadt, schwupps, ist ein halber Tag weg. Kommt noch ein Museumsbesuch hinzu, vielleicht sogar ein zweiter, ist von dem Tag gerade noch das Abendessen übrig. Und das will ja auch mal zelebriert sein.


Von der Halbinsel Yucatán aus machen wir einen Abstecher nach Chiapas – in den Dschungel. Palenque muss man einfach gesehen haben. Und dank der komfortablen Busse übersteht man auch eine 8-stündige Nachtfahrt gut erholt.

So gut und günstig man auch ohne Mietwagen mit Überlandbussen reisen kann, die Fahrten dauern ihre Zeit. Speedbumps, hier „Topes“ genannt, sorgen dafür, dass man immer wieder abbremsen muss. Zum Rasen sind die meisten Straßen ohnehin zu schlecht. Mexiko ist mit 2 Millionen Quadratkilometern ein großes Land. Allein die geologisch faszinierende Halbinsel Yucatán (ich sage nur Asteroideneinschlag, Kalksteinlöcher, Cenotenring, und mehrere Meere) umfasst noch mal mehr als doppelt so viel Fläche wie der gleichnamige Bundesstaat Yucatán im Nordwesten (40.000qkm).

Palenque | Ein Abstecher in den Dschungel

Von Campeche aus geht die Fahrt weiter nach Palenque. Palenque ist streng genommen nicht mehr Teil der Halbinsel. Acht  bis neun Stunden soll die Fahrt dauern. Zum Glück gibt es einen Übernacht-Bus. Den Schlenker gönnen wir uns, schließlich wurde mir Palenque auch von meinem Sirenen&Heuler Mitautor Lorenz wärmstens empfohlen. In Palenque, munkelt der Hippie-Buschfunk auf dem Busbahnhof, gäbe es Orte, an denen man sein Omelette auf Wunsch auch mit psilopsybinhaltigen Pilzen serviert bekäme. Danke, vielleicht ein andermal. Ganz Sightseeing-Streber geht es für den Mann und mich nach einem café con torta direkt weiter zum Infopoint außerhalb des Busbahnhofs und buchen eine Tagestour.

Mach es wie die Äffchen, die zuhauf in den Bäumen turnen. Kletter auf einen Tempel und schau rüber zu den anderen.

Die archäologische Stätte von Palenque (was „Hof“ bedeutet“) liegt nämlich eine halbe Stunde Fahrt dschungeleinwärts. Palenque gehört zu den am frühesten erforschten Städten der Maya. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts berichteten die Einwohner des kleinen Dorfes Santo Domingo de Palenque am Rio Usumacinta den kolonialen Behörden von ihrer Entdeckung der Ruinenstätte. Auch die Wasserfälle wollen wir von Misol-Ha und Coral Azul sollen einen Besuch wert sein.

Der Teil der Tempelanlage, der bereits archäologisch aufbereitet ist, ist fantastisch in Schluss. Wenn man sich vorstellt, wie gnadenlos der Dschungel drumherum, die überbordende Natur, sich immer wieder Raum greift.

Einige Tempel werden von Rekonstruktionen kleiner Vordächer geschmückt. Ein schattiges Plätzchen unter sengender Sonne.

Chiapas | Cascadas Misol Ha und Roberto Barrios

Mittlerweile ist es auch im Dschungel so warm, dass wir uns auf der anschließenden Tour zu den Wasserfällen dankbar abkühlen werden. Ein Besuch in Coral Azul bleibt uns verwehrt. Ein Streik wird von Weitläufigen Straßensperren begleitet. Unser Fahrer berichtet, das sei leider nicht nicht so selten. Die Arbeitslosigkeit hier, in Chiapas, relativ hoch, die Löhne schlecht. So kommen wir in den Genuss eines spontanen Alternativ-Programms. Und fahren zu den Cascadas Roberto Barrios südwestlich von Palenque.

In Misol-Ha klettern wir in Höhlen umher…

und erfrischen uns unter den Wasserfällen mit kühlendem Sprühnebel. [/caption]

In Misol-Ha geraten wir auf dem Rückweg in ein Fotoshooting. Die Crew war super entspannt und klettern immer wieder zu der Prinzessin im Schlamm, um ihren Rock zu drapieren. [/caption]

Die terrassenartigen Wasserfälle bei Roberto Barrios liegen versteckt am Ende der kleinen, gleichnamigen Gemeinde. Hier wird unter Guide unterstützt von Jugendlichen aus dem Ort. Und können wir auch endlich baden.

ADO | Stopover in Chetumal

Die Hauptstadt des Bundesstaates Quintana Roo, Chetumal, bleibt auf dieser Rundreise nur eine Zwischenstation nach Tulum. Die Fahrt durch die abendliche Stadt hat wenig Appetit gemacht auf mehr. Zu beeindruckt bin ich wohl noch durch die Atmosphäre in Mérida und Campeche. Zu gespannt schon auf Tulum und die Riviera Maya, von der ich schon so viel gehört habe.

Bei meiner nächsten Mexikoreise möchte ich die Bahía de Chetumal genauer in Augenschein nehmen und von der Meeresbucht des Karibischen Meeres südlich der Halbinsel Yucatán aus rüber nach Belize reisen. In diesem zentralamerikanischen Staat, hätte ich mal wieder englisch sprechen können. Das ehemalige British-Honduras erlangte erst 1981 Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Das ist noch gar nicht lange her, finde ich, während ich kurz im Pool verschwinde, bevor die Fahrt endlich weitergeht nach Tulum.

Niedliche Tankstellen-Tiere. Die sich, während wir „einmal vollmachen“, gern mit Nüsschen füttern lassen.

Hätte nicht gedacht, dass ich mal so Fan von Überlandbus-Reisen werde. Aber die mexikanischen Komfort-Kühlschränke mit ihrem perfekten Preis- Leistungsverhältnis haben es mir echt angetan. Wenn ihr auf putzige animierte Videos und Trailer steht, Youtube ist voll davon.

An den ADO-Bahnhöfen geht es ausnahmslos unaufgeregt und routiniert zu. Bereitwillig klettern wir in den nächsten Bus. Mittlerweile sind wir echte Profis. Reservieren uns gern Plätze in der vorderen Reihe und können die spanischen Filme, die über den Monitor flächendeckend auf die Reisenden einquäken, schon mitsprechen. In den Bussen selbst ist es komfortabel – und kalt. Ein rollender Kühlschrank, den niemand ohne flauschige Decken und Kapuzenpulli betritt. In den ganzen zwei Wochen kommt nur einmal schwer bewaffnete Polizei an Bord, um die Ausweise zu kontrollieren. Ich fühle mich sicher. Auch auf den Nachtfahrten. Und wünsche mir kein Mal, stattdessen mit Mietwagen unterwegs zu sein.

Auf unserem Halbinsel Yucatán Roadtrip der Riviera Maya entgegen. Viel Gegend, vereinzelt kleine Ortschaften.

Tulum, Herzstück der Riviera Maya

Wir passieren einige Orte, die nur durch ihre Hauptstraßen und den jeweiligen Busbahnhof zusammengehalten werden. Fast vier Stunden dauert die Fahrt von Chetumal nach Tulum. Komisch, wir hatten eher mit zwei gerechnet. Auch Tulum wird von einer Hauptstraße durchschnitten. Der Busbahnhof liegt gleich am Ortseingang, umzingelt von Hostels. Backpacker’s Downtown. Wir haben über ein Online-Portal im Uolis Nah gebucht. Das heißt auf Maya: Rundes Haus. Und das ist es dann auch.

Ein eckenloses 1-Raum-Appartment mit Pantry-Küche, großem Bad und kleinem Pool gleich vor der Tür. Sogar Fahrräder gibt es für Gäste inklusive. Das Uolis Nahh liegt nämlich ca. 2 km vom Strand weg. Wir radeln als erstes zu den Maya Ruinen, die hier ebenfalls malerisch am Strand liegen. Es ist Mittag, es ist knackvoll. Wieder reingefallen. Das wissen wir doch eigentlich schon seit Chichen Itzá und Palenque besser.

Wer die archäologische Stätte am Strand von Tulum in Ruhe erleben will, muss früher aufstehen. Der erste Versuch wird einvernehmlich abgebrochen. Ab an den benachbarten Strand, Badepause. Gefolgt von einer zünftigen Ananas-Margaritapause auf einer Schaukel an der Bar. So geht das hier. Am nächsten Morgen stehen wir so früh auf, dass im Uolis Nah noch nicht einmal das Frühstück fertig ist. Egal. Wir wollen die Archäologische Stätte erleben, bevor hier wie jeden Tag ab 10h, spätestens 11h, Busladungen im Dutzend ausgekippt werden. Das Morgenlicht und die Stimmung entfalten einen Sog.

Die Tempelanlage von Tulum zur Tagesmitte…

… und gleich nach dem Öffnen, Frühmorgens.

Die Tempelanlage von Tulum. Die Leih-Fahrräder unserer Unterkunft warten geduldig draußen vorm Eingang.

Wer will, muss die Tempelanlage in Tulum nicht einmal verlassen, um ins kühlende Nass zu hüpfen. Die Strände der Riviera Maya sind bilderbuchschön. Türkises Wasser vor blondem Sand, gern auch an Felsen und Grünzeug in Dialog mit Iguanas.

Tulum ist definitiv kein Ort, sondern eine Resort Stadt.Das südliche Eingangstor zur Riviera Maya. Fancy Hotels mit fancy Restaurants am türkisfarbenen Karibikstrand. Margarita-Happy Hour bereits zur Mittagszeit, alles kostet hier im Schnitt ein Drittel mehr als im übrigen Yucatán. Bis auf ein Mahl im Pop up Restaurant des dänischen Cuisine-Tempels NOMA. Da hätte man mit Steuer und Trinkgeld gut 700 Euro loswerden können. Für alle, die sich jetzt gerade überlegen ihr Urlaubsbudget hier auf den Kopf zu hauen – der kulinarische Zirkus ist mittlerweile weitergezogen. Nach Bolivien.

In 14 Tagen haben der Mann und ich uns einen Überblick verschafft. Bevor er von Cancun aus zurück nach Deutschland gereist ist und ich weiter nach Puerto Escondido, Oaxaca und Mexiko Stadt. Haben lieber einige Spots richtig genossen als sich von dem Gedanken treiben zu lassen, bei der ersten Tour durch Yucatán alles sehen zu müssen. Es gibt 1.000 Gründe wiederzukehren. Auch wenn die Drogenkartelle sich hier leider auch schon breit machen und ihre typische Infrastruktur geschaffen haben, wie uns ein Einheimischer freimütig erzählte. Der größte offizielle Arbeitgeber ist nach wie vor der Tourismus. Die Arbeitslosenquote ist in Quintana Roo, das vor 40 Jahren noch kaum erschlossen war, mittlerweile am geringsten. Allerdings auch auf Kosten der Löhne, die bewegen sich im unteren Drittel des mexikanische Durchschnitts. Auch unser Herbergsvati arbeitet nebenbei noch als DJ in einer hippen Strandbar.

Die ganze Route im Überblick

Cancun | Isla Holbox  (3 Tage) -> Chichén Itzá  (1 Tag) -> Mérida (3 Tage) Campeche  (3 Tage) Palenque -> 1 Tag Chetumal -> (1 Nacht) ->  Tulum (3 Tage) | Cancun.

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