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Chillen (Verb)

Man tut es oder man tut es nicht. Oder andere sagen, man solle es mal (wieder) tun. Manche sprechen das Verb, das sich die deutsche Jugendsprache frech, wie sie ist, einfach aus dem Englischen (to chill = sich entspannen) abgeleitet hat, auch „schillen“ aus.
Ich muss zum Beispiel beim Wort chillen immer an Chinchilla denken. Nicht, dass ich zu den possierlichen Tierchen eine besondere Beziehung hätte oder Pelze trage. Die Bedeutung von „ to chill“ leitet sich ja aus dem Nomen chill ab, was soviel wie „Frost“ oder „Kälte“ heißt.

Chillen heißt also immer auch Systeme runterfahren, sich abkühlen, oder, in der Sprache passionierter Pferdemädchen, den eigenen inneren Gaul trockenreiten. Zumindest, wenn man Reisen und Urlauben nicht als Synonyme begreift, sondern Reisen mit intensivem Erleben und Ortserkundungen mit häufigen Ortswechseln verknüpft, und Urlaub eher mit Erholung vom Alltag, vorzugsweise an einem Ort.

Zum Kontemplieren – oder neudeutsch „Chillen“ muss man / frau nicht in einer Tonne liegen. Bei Sonnenuntergang auf einem Felsen sitzen geht auch wunderbar.

Reisende nehmen nach unserer Definition also in kurzer Zeit eine Menge Eindrücke auf, werfen sich ins Unbekannte und gehen dabei auch mal an ihre Grenzen. Dafür muss man keine Extremsportarten ausüben, manchmal reicht der Versuch, in einem Land, dessen Sprache man nicht spricht, etwas zu essen zu bestellen oder das richtige Ticket zu erstehen oder in einem Land, dessen Schriftzeichen man gar nicht lesen kann, ohne Navi und vor Einbruch der Dunkelheit mit einem Mietwagen aus den Bergen zurück in die Zivilisation zu finden.

Wer viel in sich aufnimmt, hat auch dementsprechend auch viel zu verdauen. Ehrgeizige Reiseblogger verstoffwechseln Eindrücke, indem sie sich am Ende eines langen, ereignisreichen Tages durch Hunderte von Bildern wühlt, auf der Suche nach den Motiven, die seine Erlebnisse am besten illustrieren. Und aus Speicherkartenplatz-Hygienegründen vielleicht auch.

Fast jeder mir bekannte Reiseschriftsteller fertigt Notizen an, solange die gemachten, gelebten Erfahrungen noch frisch sind. Das ist der aktive Teil der Erholung, der hat mit Chillen noch nicht viel zu tun. Optimalerweise folgt der aktiven Entspannungsphase des Durchkämmens noch eine Phase des Chillens, in der man Löcher in Luft guckt oder geistig austritt, in dem man einfach nichts Sinnvolles macht, bevor man selig sabbernd in die Kissen sinkt.

Um sich am nächsten Tag durch neue Erlebnisse wieder so aufzuheizen, dass man sein Gemüt anschließend eine Runde abkühlen, pardon, Runter-Chillen will.

Die Hängematte ist ein schöner Ort zum Chillen. Wenn auch weitaus nicht der einzige.

Beliebte Orte zum Chillen (Auswahl)

Fensterbänke
Jede Art von Bänken
Erker
Deiche
Hängematten
Hochsitze
Badehandtücher
Klappliegen
Massagesessel (ab 65+)

Chillen und Coffee gehen prächtig zusammen. Geht aber auch mit Tee.