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Währung, die

Während Bitcoins ihre virtuelle Berg- und Talfahrt fortsetzen, fällt mir vor der nächsten Reise meine Traveller Geldbörse in die Hände. Bunte Scheine und Münzen. Zeichen verschiedener Währungen, Erinnerungen an lustige Rechenspiele, Umtauschmillionärs-Highs, Zurücktauschverluste und anderes Nachdenken über den Wert der Währung…

Once apon a time – war das Geldtauschen, je nachdem, wohin die Reise ging, einer der aufregendsten Parts der Reisevorbereitung. Dollar, Pesos, Yen, alles so exotisch. Die Versuche, sich vor Ort mit dem Umtauschkurs vertraut zu machen und ein Gefühl für das Geldausgeben zu gewinnen, häufig von Verlusten geprägt. Oder zumindest von lustigen Überraschungen. Allein in Italien. Wie absurd, sich bei allem Wissen um den Umrechnungskurs als Lire-Millionäre trotzdem von wundersamen Nullen blenden zu lassen. Auch in anderen Ländern wurde das Portemonnaie rasch dick. Und ein volles Portemonnaie macht ’nen aufrechten Gang und ne dicke Hose.

Dann kam der Euro. Zumindest in einigen Ländern Europas. Keine Lire-Millionäre mehr. 14 Länder waren von Beginn an dabei, darunter auch Monaco, San Marino und Vatikanstadt. Bis 2015 (Litauen) kamen neun weitere dazu. Andere – gerade wohlhabende europäische Länder halten sich bis heute hübsch raus aus der Nummer. Auch 16 Jahre nach der Einführung des Euro als Bargeld wird er genauso geliebt wie gehasst. Ich kenne Leute, die rechnen wirklich immer noch im Kopfe um auf D-Mark.

Die Zukunft ist bereits da. Sie ist nur ungleichmäßig verteilt.

Aktuell kommt neue Bewegung in die Sache der europäischen Währung. Seit Great Britain unter der Brexit-Entscheidung wankt und schwankt, verliert das Britische Pfund an Wert. Banken planen ihren Abzug, in Frankfurt am Main reiben sich Geld-Jongleure schon die Hände heiß, entstehen neue Geschäftsmodelle, die sich an der Zielgruppe der „Bankenflüchtlinge“ orientieren. Die norwegische Krone thront indessen erhobenen Hauptes über allem, Öl müsste man haben. Oder Neutralität. Denn im besten Fall ist Franken kein Teil von Bayern, sondern eine unheimlich starke Währung.

Zwischen Disko und Dispo

In der Welt der Finanzen geht es gewohnt heftig zu. Schleichenden bis galoppierenden Inflationsszenarien und dem Wert(e)verfall menschlicher Arbeit stehen überall Kostensteigerungen im Bereich von Wohnen und Lebensmitteln gegenüber. Das alles ist echt bedrohlich für die betroffenen Bürger und Länder. In 42 Ländern weltweit gibt es aktuell Food Riots wegen gestiegener Lebensmittelpreise. Zum Teil aufgrund von klimabedingten Ernteausfällen, und immer öfter auch als Folge von Spekulationen auf Lebensmittel, Saatgut und Land. Im globalen Norden wird unterdessen fröhlich weiter gezockt, oszilliert virtuelles Spielgeld wie der Bitcoin zwischen Hype und Crash, und wir beobachten diese Entwicklung, als ginge sie uns nichts an.

Ich kann das Staunen ausländischer Besucher in Deutschland, wo in vielen Ladengeschäften und Restaurants nach wie vor keine EC-, geschweige denn Kreditkartenzahlung möglich ist, sehr gut nachvollziehen. Andere Länder, ich denke gerade an die Niederlande, Norwegen oder Schweden, sind da schon viel weiter. Als Reisende finde ich es selbst befreiend, nicht immer passendes Bargeld in der Tasche haben zu müssen.
Der Gedanke, dass sich all unsere Geldreserven in den nicht-stofflichen Bereichen verschieben könnten, finde ich gruselig. Wie kaufe und womit bezahle ich dann bei Stromausfall mein Essen?
Schade, dass die gute alte Tauschwirtschaft in komplexen Systemen und Fragen einer verlässlichen Währung an seine Grenzen kommen muss. Wen das Thema interessiert, dem sei die Lektüre von Yuval Noah Harari’s Kurze Geschichte der Menschheit empfohlen.

One world – one currency? Utopie Welt-Währung

Obwohl die Idee einer gemeinsamen, weltumspannenden Währung, also einer weltweit gültigen Währung, bereits seit den 1940er Jahren durch die Köpfe einiger Ökonomen spukt, ist sie bis heute nicht über den Status einer Utopie herausgewachsen. Für das gültige Währungssystem mit allen Wechselkursschwankungen, die das globale Ungleichgewicht zusätzlich befeuert, gibt es politisch und ökonomisch keine Lobby. Also bleibt alles beim alten Dilemma.

Nur Bares ist Wahres, Goldbarren passen nicht ins Handgepäck, mit Kruegerrand-Münzen kommt man ohne Umweg über Bank und Kontoeinzahlungen, respektive Umwandlungen auch nicht weit und was des einen bitter nötiges Bakshish ist des anderen Urlaubsschnäppchen. Das einzige was schlimmer ist als Geld? Kein Geld. Solange wie alle welches brauchen sollen. Und solange Geld die Welt regiert, ist es auch egal, in welcher Währung.


Currency von den Black Angels

Hypnotisch poetisch. Mit Glasperlen haben die frühen Expeditionsleiter und Einwanderer wie James Cook immerhin Eingeborene bezahlt, die waren auch so schön bunt und glitzerten verführerisch…. Die heutigen Glasperlen heißen Bitcoins und das Theater um die virtuelle Währung ist wieder eine ganz andere Geschichte.

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