Alternativ shoppen in Lissabon

Alternativ shoppen in Lissabon

Heute gehen wir einkaufen! Wir waren für euch in einigen der ältesten Läden Lissabons unterwegs. Ihre Zahl schrumpft, leider, aber es gibt sie noch. Gleichzeitig erleben einheimische Designer-Labels eine Renaissance. Alternativ shoppen in Lissabon – eine Entdeckungsreise mit vielen Tipps.

Bacalhau! Typisch Portugal! Ist natürlich ein Klischee, aber eins, das stimmt. Deshalb starten wir unseren Rundgang in der Bacalhoaria Silva, gleich um die Ecke vom Rossio. Da liegt der Stockfisch in ganzen Stapeln herum. Bacalhau führt in Portugal jeder Supermarkt, aber diesen Laden gab’s schon zur Zeit der großen portugiesischen Seefahrer – sozusagen jedenfalls. Die alten Entdecker wären ohne Stockfisch nicht weit gekommen – er war ihre Hauptnahrung auf den langen Seereisen um die halbe Welt.

Aber Bacalhau ist nicht gleich Bacalhau, es gibt jede Menge verschiedene Sorten und noch viel mehr Rezepte. Die Bacalhoaria Silva pflegt diese Tradition, aber dankenswerterweise nicht im Stil der üblichen Souvenirläden, sondern weil es seit jeher ihr Geschäft ist. Zum Geschäft gehört auch die Manteigaria Silva gleich nebenan. Da hängen die Schinken von der Decke, dass uns das Wasser im Mund zusammenläuft. Wein, Portwein, Käse, Gebäck, Marmelade, Kaffee – alternativ shoppen in Lissabon heißt hier vor allem: in Spezialitäten schwelgen. Der Laden ist übrigens ziemlich klein und eng, wie das früher so war, und trotzdem eine der ersten Adressen für traditionelle Lebensmittel.

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So ging einkaufen früher

Apropos klein und eng: Achtet mal auf die Hauseingänge, wenn ihr durch Lissabons Altstadtviertel geht. Da sind manchmal Läden in den Treppenhäusern untergebracht. Leider sind sie fast alle verschwunden oder werden nicht mehr genutzt. Dieses Schildergeschäft ist noch in Betrieb, allerdings war gerade Mittagspause, deshalb steht niemand hinter dem Tresen.

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Casa dos Carimbos – Haus der Stempel

So ging einkaufen früher. Die kleinen Treppenhaus-Läden waren oft ein Nebenverdienst. Die Auswahl war begrenzt, aber günstig – niedrige Miete, kleine Preise. Heute lohnt sich das nicht mehr und die letzten Exemplare sind gar nicht leicht zu finden. Alternativ shoppen in Lissabon wäre aber unvollständig ohne diese Traditionslädchen. Die Casa dos Carimbos liegt rechterhand in der Rua Augusta in Richtung Praça do Comércio.

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Ordnung muss sein: No Smoking, auch wenn der Ladentisch fast im Freien liegt.

Alte Handwerkskunst, revitalisiert

Wir gehen bergauf zum Chiado, passieren die Igreja Da Nossa Senhora Da Encarnação und kommen zur Rua do Loreto. Im ersten Stock der Hausnummer 61 – der Eingang ist leicht zu verfehlen, er liegt direkt neben einer Bäckerei – eröffnete Rosa Pumar Ende 2009 ihre Retrosaria Rosa Pomar, zu deutsch: Kurzwarenhandlung. Der Laden ist wirklich schön und eine Fundgrube für alle, die gerne alternativ shoppen, aber auch er ist nicht groß. Wer dort eintritt, würde nicht vermuten, dass dieser Ort das Zentrum eines landesweiten Handwerknetzwerks ist.

Seit vielen Jahren setzt sich Rosa Pomar dafür ein, traditionelle portugiesische Handwerkstechniken und -produkte zu erforschen, zu erhalten, wiederzubeleben und zu vertreiben. Besonders Stoffe und Garne haben es ihr angetan. Sie ist ständig im ganzen Land unterwegs, besucht Schafbauern und Bandweber, recherchiert traditionelle Textildesigns, lernt neue beziehungsweise alte Verarbeitungstechniken kennen, spinnt und webt und strickt und sammelt so einen ungeheuren Schatz an Wissen an. Den gibt sie am Wochenende in Workshops weiter.

Als wir ihren Laden besuchen, ist sie gerade mal wieder nicht da, also sehen wir uns so ein bisschen um, während ihr Freund eifrig Päckchen packt. Die Retrosaria gibt’s nämlich auch im Internet, der Webshop ist sogar älter als das Ladenlokal und verschickt seine Ware in alle Welt.

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Ein paar Schritte die Straße hinunter, in Hausnummer 53, müsst ihr unbedingt einen Blick in die Kerzenhandlung werfen. Die Ladenfront ist nicht besonders auffällig, aber drinnen! Natürlich, da ist erst mal der Duft nach Wachs in allen Schattierungen und die elegante Holzvertäfelung mit den beleuchteten Wandschränken, in denen Kerzen aller Formen und Größen hängen, stehen oder liegen – alles sehr beeindruckend. Aber die eigentliche Sensation ist das Datum unter der üppigen goldenen Uhr. 1789 steht da. Das ist das Jahr, in dem die Pariser die Bastille stürmten und sich anschickten, die europäische Ordnung auf den Kopf zu stellen. Seit dieser Zeit werden hier, in der Rua do Loreto 53, Kerzen verkauft. Ohne Unterbrechung! Das ist mal wirklich alternativ shoppen in Lissabon! Leider durften wir drinnen nur ein einziges Foto machen. Ohne Blitz. Wie im Museum.

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So alt wie die Französische Revolution: Kerzenladen in der Rua do Loreto

Kaffee, Tee und Kuchen

Von ihren Weltreisen haben die Portugiesen natürlich auch Kaffee mitgebracht. Bica, den portugiesischen Espresso, gibt’s an jeder Ecke. Der Rohstoff, die Kaffeebohnen, kommt heute meistens aus dem Supermarkt. A Carioca ist einer der selten gewordenen Krämerläden, die bis heute ihren Umsatz vor allem mit Kaffee, Tee und Süßigkeiten machen. Ihr findet ihn in der Rua da Misericórdia, gleich nach der Abzweigung vom Largo Chiado auf der linken Seite.

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Zu Kaffee gehört Gebäck. Stilvoller als in der Pastelaria S. Roque könnt ihr das kaum bekommen. Dazu braucht ihr nur der Rua da Misericórdia bergauf zu folgen. Vielleicht macht ihr zwischendurch eine Pause am Jardim de S. Pedro de Alcãntara und genießt den Blick auf die Stadt und die gegenüberliegende Burg. Nach der nächsten Kurve – hier heißt die Straße mittlerweile Rua Dom Pedro V – seid ihr schon da. Die Bäckerei logiert im Eckhaus Nummer 57 und empfängt euch mit einer barocken Halbrotunde, die einer Kirche würdig wäre.

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Könnte auch eine Kirchenapsis sein. Ist aber eine Bäckerei.

Maurischer Handwerkspalast

Alternativ shoppen in Lissabon wäre nicht vollständig ohne den Concept Store Embaixada an der Praça do Príncipe Real. Der Platz gehört zu den schönsten Lissabons, ist bekannt für eine uralte, weit auslandende Zypresse und überdeckt eine schöne Zisterne, die auch zugänglich ist. Der Concept Store bietet aus den oberen Etagen einen schönen Blick auf die Parkanlage.

Embaixada – Botschaft – ist ein programmatischer Name. Der Ort versteht sich als Schaufenster zeitgenössischer portugiesischer Produkte. Design, Handwerk, Mode und Gastronomie made in Portugal bekommen hier eine in jeder Hinsicht einladende Plattform. Für den stilvollen Rahmen sorgt ein sorgfältig restaurierter neomaurischer Palast aus dem 19. Jahrhundert, um dessen fantastischen Innenhof die Besucher von einem Shop zum anderen kreisen.

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Die neomaurische Fassade der Embaixada beherrscht die Nordseite der Praça do Príncipe Real.

Früher war das Gebäude ein Wohnhaus mit mehreren Parteien. Jetzt haben es amerikanische Investoren gekauft und erstaunlicherweise kein Hotel oder Bürozentrum darin eingerichtet, sondern diesen Concept Store. Das ist toll, weil Portugal gerade im Fashion-Bereich viel zu bieten hat und hier an zentraler Stelle eine Bühne bekommt, während ansonsten überall in der Stadt die üblichen internationalen Modelabels die Szene beherrschen.

Bringt Zeit mit und werft auch einen Blick in den Garten. Dort steht ein altes, sehr heruntergekommenes Gebäude, das unter anderem dazu diente, die Kutschen der Hausgäste aufzunehmen. Im Garten, der eher die Ausmaße eines Parks hat, wird noch gearbeitet, aber ein Café ist schon da. Bei einer Tasse Kaffee lässt sich wunderbar darüber sinnieren, wie hier einst die Pferdekutschen unter Getrappel einfuhren, während drin im Haus die Party stieg.

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A Vida Portuguesa

Das portugiesische Leben: Auch dieses Label besinnt sich auf traditionelle portugiesische Produkte. Die Idee geht zurück auf die Journalistin Catarina Portas. Ähnlich wie Rosa Pomar und noch früher als diese begann sie, das Land abzusuchen nach alltäglichen Erzeugnissen, die immer schon und immer noch da waren. Daraus wurde schließlich die Marke A Vida Portuguesa. Die Philosophie dahinter: Dies sind unsere Produkte, da steckt unser Können und Einfallsreichtum drin, das ist unser Leben.

Markenzeichen ist die Tonschwalbe, die sich mittlerweile zu einem Exportschlager gemausert hat. 2007 eröffnete Catarina Portas den ersten Laden nahe dem Chiado, der war schon eine Einladung zum Stöbern und Staunen. Jetzt gibt es noch zwei weitere Filialen. Die schönste und größte ist die am Largo do Intendente Pina Manique 23. Wenn es für alternativ shoppen in Lissabon einen krönenden Abschluss braucht, dann diesen!

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