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Meisterwerke aus der Galleria Palatina im Palazzo Pitti

Die Galleria Palatina in Florenz ist eine Gemäldesammlung der Superlative. In den prächtigen Planeten Sälen des Palazzo Pitti kannst Du Meisterwerke der größten Künstler aller Zeiten bewundern. Welche fantastischen Kunstwerke Du auf gar keinen Fall verpassen solltest, erfährst Du hier.

Der Palazzo Pitti liegt nicht direkt im Zentrum von Florenz sondern auf der anderen Seite des Arno im Stadtteil Oltrarno. Am besten kommst Du dorthin, wenn Du über die Ponte Vecchio spazierst, von dort geht es dann immer gerade aus, bis Du auf der linken Seite einen riesigen, strengen Steinkasten aus rustikalen Quadern siehst. Das ist Dein Ziel.

Eingerichtet wurde die Galleria Palatina vor über 200 Jahren in prächtigen Sälen des Palazzo Pitti, in dem damals Herzöge aus dem Hause Lothringen residierten. Sie holten über 500 Gemälde aus der Versenkung und hängten sie in goldverzierten Bilderrahmen vor prächtige Brokat-Tapeten.

Daran hat sich bis heute fast nichts geändert. Immer noch hängen die Bilder der Sammlung in sogenannter Petersburger Hängung – also mehrere Bilder in Reihen übereinander – bis unter die bemalten Decken der riesigen Räume. Mir gefällt’s. Denn so kann ich mir nicht nur tolle Meisterwerke anschauen, nebenbei erfahre ich auch noch, dass sich nicht nur der Geschmack sondern außerdem die Bilder ihre Bedeutung ändern.

Tür im Palazzo Pitti in Florenz mit der Aufschrift Sala di Marte.

Von Venus bis Saturn – Die Gemäldesammlung in den Planeten Sälen des Palazzo Pitti

Der größte Teil der Gemäldesammlung der Galleria Palatina ist in den Planeten-Sälen des Palazzo Pitti ausgestellt. In diesen Sälen wurde die Geschichte der Familie Medici mit jener der olympischen Götter und Helden der Vergangenheit verschmolzen. Im Mars Saal zum Beispiel zeigen die berühmten Deckengemälde von Pietro da Cortona, wie der Kriegsgott Mars einen Medici Prinz  in den Schrecken des Krieges unterrichtet. Im Saal des Saturns wird der Medici Fürst am Ende seines Lebens von Mars und der Klugheit in das Reich der Unsterblichen geführt. Saturn erwartet den Fürsten schon, um ihn mit dem verdienten Ruhm zu krönen.

Tolle Geschichten das, die heute ein bisschen überkandidelt klingen. Für die Künstler der Renaissance war Saturn aber nicht nur der Gott der Zeit. Er war auch das Symbol für Melancholie. Und Melancholie – heute würden wir sagen Depression – war einstmals der Quell größter Kunst. Vielleicht sind deswegen im Saturn Saal der Galleria Palatina allein 9 Bilder des Renaissance Künstlers Raffaels ausgestellt. Denn Raffael Sanzio war, als die Bildergalerie im Palazzo Pitti eingerichtet wurde, der gefeiertste Maler aller Zeiten. Tempi passati.

Mutter Maria mit dem Kind. Gemälde von Raffael Sanzio.

Madonna del Baldachino, Raffael Sanzio, 1507/08

Meisterwerke aus der Sammlung der Galleria Palatina

Die Galleria Palatina ist also vollgestopft mit großartigen Werken der großartigsten Künstler. Hier erfährst Du, welche Gemälde Du bei Deinem Besuch im Palazzo Pitti auf keinen Fall verpassen solltest. Informationen, wie Du Deinen Besuch am besten planst, um Warteschlangen zu vermeiden, und wie teuer die Palazzo Pitti Tickets sind, gibt’s am Ende des Beitrags. Jetzt geht es erst einmal zu den Kunstwerken in der Galleria Palatina.

Die Galleria Palatina war nie als Museum geplant. Sie war vielmehr Teil der repräsentativen Räume einer Herrscher-Residenz. Als die Großherzöge von Toskana aus dem Haus Lothringen die Galerie einrichteten, war sie für die vermögenden Reisenden auf Grand Tour zwar an Wochentagen geöffnet, blieb aber Teil der der Residenz.  Erst 1919 hat der damalige italienische König Vittorio Emanuel den Palast und die dahinter liegenden barocken Giardini Boboli dem italienischen Staat geschenkt, der daraus ein Museum machte.

In der Galleria Palatina sind nicht so weltberühmten Kunstwerke wie die Primavera von Botticelli oder die Venus von Urbino aus der Hand des Meisters Tizian ausgestellt. Aber dafür gibt es tatsächlich Bilder zu entdecken, die vielleicht keine Kaffeebecher, Halstücher und Schreibheft schmücken und gerade deswegen anregen, darüber nachzudenken. Die großen Maler der Frührenaissance wie Botticelli und Fra Angelico suchst Du in der Galleria Palatina übrigens vergebens, denn die waren um 1800 als dieses Museum eingerichtet wurde völlig aus der Mode. Die wollte niemand sehen, der Großherzog nicht und die Reisenden schon gar nicht.

Aber so ist es auch heute noch. An manchen Bildern gehen die Museumsbesucher einfach ohne Interesse vorbei. Zum Beispiel an dem Schlafenden Amor von Caravaggio, denn dieser Cupido sieht aus wie ein häßliches und deformiertes Kleinkind.

Der schlafende Amor von Caravaggio in der Galleria Palatina.

Schlafender Amor, Michelangelo Merisi da Caravaggio, 1608

Caravaggio – Schlafender Amor

Der schlafende Liebesgott, hängt etwas unglücklich in einem kleinen Kabinett des Palazzo Pitti, noch bevor es mit den prächtigen Sälen der Galleria Palatina losgeht, darum wird er häufig übersehen. Vielleicht wird das Kunstwerk deswegen so verschämt versteckt, weil Amor so schrecklich unansehnlich daherkommt. Der aufgeblähte und dellige Körper des Knaben ist aber kein Ausdruck für das künstlerische Scheitern des genialen Malers Caravaggio. Vielmehr ist das Bild in einem sehr unglücklichen Zustand. Im Verlauf der Jahrhunderte wurde an vielen Stellen die Farbe von der Oberfläche abgerieben, darum scheint heute der dunkle Malgrund durch. Dessen schwarze Schatten führen zu den teigigen Deformationen, die den Knabenkörpers so kränklich aussehen lassen. Die schwarze Grundierung seiner Bilder nutzte Caravaggio eigentlich, um die Lichter kräftig leuchten zu lassen. Die geschwungenen Flügel sind ein schönes Beispiel für das geheimnisvolle Bildleuchten, das der Maler in seine Bilder hinein zu zaubern verstand.

Das malerischen Können Caravaggios beweist das entspannte Gesicht des Liebesgottes mit dem leicht geöffneten Mund und den klitzekleinen Zähnen. Der kleine Amor schläft hingebungsvoll und hält Pfeil und Bogen in der erschlafften Hand. An dem Flügel im Vordergrund lässt sich erkennen, wie sorgfältig und sensibel Caravaggio malen konnte. Dieser Kontrast zwischen gammeligem Knabenkörper und detailreichem Flügel lässt erahnen, dass auch Bilder altern und welken. Vergisst sich leicht. Gerade bei den aufwändig restaurierten und prächtig leuchtenden, alterslos erscheinenden Meisterwerken, in vielen Museen.

Künstlerwettstreit in Florenz

Caravaggio hat den Schlafende Amor 1608 – nach seiner Flucht aus Rom – auf Malta im Auftrag des nicht nur an Schwert und Gebet sondern auch an Kunst interessierten Malteser Ritters, Francesco dell’Antella gemalt. In seiner Heimatstadt Florenz war er Mitglied der Accademia del Disegno und mit den Nachkommen des berühmten Bildhauers Michelangelo Buonarottis bekannt. Dell’Antella schickte dieses Bild nach Florenz und veranstaltete einen Dichterwettbewerb, um den schlafenden Cupido zu preisen. Sybille Ebert-Schifferer meint, dass dieser Schlafende Amor  es Caravaggio ermöglichte, mit seinem Namensvetter Buonarotti in einen Wettstreit zu treten. Denn „wie jeder Kunstkenner in Florenz wusste, hatte Michelangelo Buonarotti als junger Bildhauer einen Schlafenden Amor hergestellt, der zu seinem größten Triumph als echt antike Skulptur verkauft wurde.“

Wenn dem so war, dann ist davon auszugehen, dass Caravaggio in diesen Wettstreit sicherlich kein Werk geschickt hat, das es mit der Meisterschaft eines Buonarotti nicht hätte aufnehmen können. Auch das nächste Gemälde aus der Sammlung der Galleria Palatina hat einen eher zweifelhaften Ruf.

Die drei Lebensalter, Gemälde von Giorgione in der Galleria Palatina.

Die Drei Lebensalter, Giorgione (zugeschrieben) um 1500, Saturnsaal der Galleria Palatina im Palazzo Pitti

Giorgione – Die drei Lebensalter in der Galleria Palatina

Auf dem prächtigen geschnitzten Rahmen wird als Maler dieses Bildes Giorgione und als Titel Die drei Lebensalter angegeben. Aber ob Giorgione, dieser für seine stimmungsvolle und duftige Malerei berühmte Maler aus dem Veneto wirklich der Autor dieses Werkes ist, ist unter Kunsthistorikern stark umstritten. Auch der Titel ist eine spätere Erfindung, die allerdings zum Bildinhalt passt. Denn das Bild zeigt tatsächlich drei Männer vom Teenager bis zum Greis, die die drei Lebensalter repräsentieren könnten.

Aber da die drei Männer sich um ein Notenblatt versammelt haben, das der Teenager hält, könnte dieses Bild auch die Musikstunde heißen. Manche Interpreten gehen sogar so weit, anzunehmen, dass Bild sei das Porträt eines einzigen Mannes an drei biografischen Stationen seines Lebens. Aber aus welcher Perspektive wird das Bild dann gemalt? Blickt ein alter Mann zurück in die Vergangenheit oder schauen jungen Männer in die welke Zukunft, die sie erwartet?

Die Darstellung der Noten könnte darüber hinaus einen metaphysischen Sinn enthalten. Denn die Musik ist eine Metapher für die Harmonie, in der sich das menschliche Leben entwickeln soll. Der zeigende Gestus des jungen Mannes hebt die Bedeutung des Notenblattes für den Bildsinn deutlich hervor, aber der zweifelnde Blick, den der alte Mann aus dem Bild heraus an die Betrachter*in richtet, scheint diese Hoffnung auf ein Leben in Harmonie Lügen zu strafen.

Genauso wie Caravaggio beim Schlafenden Amor arbeitet der Maler der Drei Lebensalter seine Figuren aus dem dunklen Malgrund heraus. Das Licht kommt von links und modelliert sanft die Gesichter, kräftige Farben lassen die Gewänder strahlen. Über alles hat der Maler Weichzeichner – ein sfumato inspiriert von der Malerei Leonardos – ausgegossen und insgesamt wird das Bild von einer ruhigen, fast meditativen Atmosphäre bestimmt. Ganz anders dagegen wirkt der Johannes der Täufer von Andrea del Sarto.

Johannes der Täufer von Andrea del Sarto im Palazzo Pitti in Florenz.

Johannes der Täufer, Andrea del Sarto um 1523, Jupiter Saal der Galleria Palatina

Andrea des Sarto – Johannes der Täufer

Johannes der Täufer ist der Schutzpatron von Florenz, deswegen sind Darstellungen des Heiligen in Florenz sehr verbreitet. Der Johannes in der Galleria Palatina wurde von Andrea del für den reichen florentiner Bankier Giovanni Benintendi gemalt, nicht um auf einem Altar in einer Kirche gezeigt zu werden, sondern um die Privatgemächer des Bankiers zu schmücken. Vielleicht erklärt diese private Nutzung des Bildes die sexy Ausstrahlung des wohlproportionierten Männerkörpers, der regelrecht leuchtet, und das Licht, das auf ihn fällt, zu reflektieren scheint. Dieses Licht fasziniert mich ungeheuerlich, deswegen ist dieses Bild eines meiner Highlights im Palazzo Pitti.

„Es war ein Mensch, von Gott gesandt, der hieß Johannes. Der kam zum Zeugnis, damit er von den Licht zeuge, auf das alle durch ihn glaubten. Er war nicht das Licht, sondern er sollte zeugen von dem Licht“ heißt es im Johannes Evangelium über den Täufer. „Er war nicht das Licht sondern er sollte zeugen von dem Licht“, vielleicht hat Andrea del Sarto das göttliche Licht so strahlend über Johannes ausgeschüttet, damit diese Zeugenschaft auf gar keinen Fall übersehen werden kann.

Es war ein Mensch von Gott gesandt

Johannes steht hinter einem Felsen, der ihn vom Betrachter trennt. Der dunkle Hintergrund ist völlig unbestimmt. Ein leuchtend roter Umhang, der von den Schultern des Heiligen hinab gleitet, umschmeichelt Johannes in dramatischen Falten. In seiner rechten Hand hält Johannes eine Schale, die er vielleicht für die Taufhandlung im Jordan nutzt. Mich irritiert ein wenig dieses Detail des Bandes, das durch eine Öse an der Schale gezogen ist, wahrscheinlich um sie an einer Wand aufzuhängen.

Andrea de Sarto hat in der Regel nach Modell gemalt. Vielleicht ist deswegen das Gesicht des Knaben so unglaublich lebendig und sein Blick, mit dem er den Betrachter mustert, so unglaublich intensiv. Doch in dem zauberhaft lockigen Haar ist die Anspielung auf den David von Michelangelo auf der Piazza della Signoria genauso wenig zu übersehen wie in dem muskulösen Körper. In der Maniera di Michelangelo zu malen, war laut Vasari, dem ersten Kunsthistoriker der Welt und Zeitgenossen Andrea del Sartos, die einzige Möglichkeit, Kunst zu produzieren. Daraus hat sich der Stilbegriff des Manierismus entwickelt. Die Sacra Conversazione von Rosso Fiorentino ist ein weiteres Paradebeispiel für den florentiner Manierismus in der Galleria Palatina.

Madonna mit Heiligen, Gemälde von Rosso Fiorentino in der Galleria Palatina.

Pala Dei, Rosso Fiorentino, 1522, Illias Saal in der Galleria Palatina

Rosso Fiorentino – La Pala Dei – Manierismus in der Galleria Palatina

Ich bin ein großer Fan von Rosso Fiorentino, der übrigens bei Andrea del Sarto in die Malerlehre gegangen ist. Ich mag die leuchtenden Farben seiner Gemälde aber ganz besonders mag ich seinen außerordentlich extravaganten Umgang mit den Gesichtern und Leibern der Heiligen. Außerordentlich eigenartig in der Pala Dei ist der lang gezogene und ausgetrocknete Körper des Heiligen Sebastian vorne links im Bild. Das lockige Haar und die sehnige Muskulatur des Heiligen und sogar die strahlende Haut erinnern an den Johannes von Andrea des Sarto und damit auch an Michelangelos David. Aber von dessen heldenhafter Pose ist nichts geblieben. Der ausgemergelte Leib wird nur durch den bohrenden Blick auf den Jesusknaben aufrecht erhalten.

Rosso Fiorentino konnte mit diesem raffinierten Stil in Florenz nicht punkten. Seine Bilder waren zu bizarr, seine Heiligen zu dämonisch, das schätze man nicht in Florenz. Deswegen emigrierte Rosso als Hofmaler an den Hof des französischen Königs nach Fontainebleau. Eines der großartigsten Gemälde von Rosso findest Du in den Uffizien.

Evolution eines Meisterwerks

Als Rossos Pala Dei, eine Art Sacra Conversazione, in die Galleria Palatina kam, passte das Bild nicht in den riesigen Bilderrahmen, deswegen wurde angestückt. Im Bild sind deutlich die Fugen zwischen dem Original und der Erweiterung zu sehen. Auch farblich unterscheiden sich die beiden Teile. Das Original ist leuchtender, die Anstückung wirkt eher dumpf. Rossos Meisterwerk war, bevor es um 1700 in den Palazzo Pitti kam, jahrhundertelang in der Kirche Santo Spirito ausgestellt. Dort hat der Ruß der Kerzen das Gemälde immer dumpfer werden lassen.

An dieser verrußten Oberfläche musste sich der Maler Niccolò Cassana orientierten, als er auf den Wunsch des Großherzogs Ferdinand das Bild mit gedämpften Farben auf die heutige Größe erweiterte. Bei einer Restaurierung erhielt das Gemälde Rossos seine leuchtende Farbigkeit zurück, während an den gedämpften Farben der Erweiterung nichts zu machen war.

Auch die sichtbare Fuge geht auf die Restaurierung zurück. Rosso Fiorentino und Niccolò Cassana malten auf Holz. Ein Material, das auf Temperatur und Feuchtigkeit reagiert. Die unterschiedliche Holzstruktur der beiden Teile erzeugte so starke Spannungen zwischen Original und Ergänzung, dass diese Rossos Gemälde zu beschädigen drohte. Deswegen werden beide Bildteile nun durch eine elastische Dehnungsfuge getrennt. Die Geschichte des Gemäldes wird sichtbar und das Original wird gerettet. Toll!

Auch das nächste Gemälde in der Galleria Palatina wurde einer aufwändigen Restaurierung unterzogen und vom Weingott Bacchus in den Zwerg Morgante zurückverwandelt. Weil das Bild so empfindlich ist, wird es in einem stoßgedämpften Kasten ausgestellt.

Bild des Zwerg Morgnate im Apollo Saal des Palazzo Pitti.

Agnolo Bronzino, Der Zwerg Morgante, 1553, Apollo Saal, im Hintergrund Mann mit den blauen Augen von Tizian

Porträt des Zwerg Morgante in der Galleria Palatina in Florenz.

Agnolo Bronzino, Doppelporträt des Zwerg Morgante, 1553

Der Zwerg Morgante porträtiert von Agnolo Bronzino

Das Porträt des Zwerg Morgante im Apollo Saal der Galleria Palatina ist eines der ungewöhnlichsten Porträts, die ich kenne. Der Hofkünstler Agnolo Bronzino hat dieses doppelseitige Porträt 1553 im Auftrag von  Cosimo de ‚Medici gemalt. In dessen Diensten stand nicht nur Bronzino sondern auch Morgante, als einer von 5 Hofzwergen, die den Hofstaat der Medici bereicherten. Morgantes lebensgroßes Porträt lässt sich heute im Palazzo Pitti betrachten. Jenen Räumlichkeiten also, in denen er damals seiner Arbeit als Hofnarr nachging und die höfische Gesellschaft in Florenz belustigte.

Dass Morgante ein lustiger, vielleicht sogar selbstironischer Charakter war, bezeugt der Künstlername, den sich der kleinwüchsige Braccio di Bartolo nach dem Giganten Morgante aus einem Ritterroman Luigi Pulcis auswählt. Pulci selber, der als Hauslehrer Lorenzo den Prächtigen unterrichtet hatte, war der Familie Medici eng verbunden. Als er 1484 in Padua starb wurde er als Ketzer irgendwo verscharrt, denn auf den Friedhof durfte er nicht. Vielleicht war es ja auch dieser Umstand der Unbotmäßigkeit Pulcis, den Braccio die Bartolo besonders faszinierend fand.

Ungewöhnlich an dem Porträt des Zwerg Morgante ist nicht nur, dass es den Dargestellten von vorne und von hinten zeigt. Ungewöhnlich ist auch, dass Morgante nackt ist. Denn ein flüchtiger Blick über die Bilder im Apollo Saal der Galleria Palatina belegt, dass Nacktheit hier eher Mangelware ist. Ganz nackt waren in der Malerei der damaligen Zeit eigentlich nur Adam und Eva beim Sündenfall oder verlotterte antike Gottheiten. Allerdings zeigten auch Skulpturen häufig nacktes Fleisch, nämlich dann, wenn sie sich an antiken Vorbildern orientierten.

Skulpturen lassen sich ebenso von vorne, von hinten und sogar von den Seiten betrachten. Agnolo Bronzino hat sich wahrscheinlich in der intellektuell aufgeheizten Atmosphäre des herzoglichen Hofes in Florenz zu dem Experiment verleiten lassen, die Malerei mit der Bildhauerei konkurrieren zu lassen, als er dieses doppelseitige Porträt malte. Ein beliebter Wettstreit zwischen den Künsten für das es sogar einen Namen gibt: Paragone. Caravaggio hat diesen Wettstreit der Künste mit seinem schlafenden Amor in der Galleria Palatina sogar mit der Vergangenheit ausgetragen.

Outing im Palazzo Pitti

Doch mit dem Wettstreit der Künste lässt sich nicht der gnadenlose Blick erklären, mit dem Bronzino den kleinwüchsigen Körper vermisst. Bronzino betont jedes körperliches Detail der Achondroplasie Morgantes, einer Erbkrankheit, die zu verlangsamten Wachstum der Extremitäten und damit zu Kleinwuchs führen kann. Der Oberkörper des Erkrankten entwickelt sich in der Regel ohne Einschränkungen aber mit einem vorgewölbtem Bauch. Am Kopf und im Gesicht von Morgante lassen sich ebenso Anzeichen der Achondroplasie erkennen, zum Beispiel die hohe Stirn und die eingefallene Nasenwurzel.

Welches perverse Vergnügen mag Cosimo de ‚Medici empfunden haben, als er das Porträt seines nackten Hofnarrs betrachtete. Cosimo selber ließ sich von Bronzino hochgeschlossen in Rüstung porträtieren, seine Ehefrau Eleonora von Toledo ebenso. Sie hatte sogar die strenge spanische Hofmode in Florenz etabliert, eine Kleiderordnung, die jedes Körperteil unter Stoff vor allzu neugierigen Blicken verbarg.

Die Nacktheit des Zwerg Morgante muss in der strengen Atmosphäre des Medici Hofes in Florenz bizarr und vulgär gewesen sein. Eine Art Freakshow vielleicht. Die Eule, die in dem Doppelporträt eine so prominente Rolle spielt, mag einen Hinweis auf den derben Streich liefern, den Cosimo seinem Hofnarren spielt. Denn die Eule als „unreiner“ Vogel galt im Florenz des 16. Jahrhunderts als ein Symbol für Sodomie erklärt Michael Rocke in seinem Buch Forbidden Friendships .

Das Geschlechtsteil Morgantes auf der vorderen Seite des Porträts von einem Schmetterling weg flattern zu lassen; das Gesäß auf der anderen Seite so prominent auszuleuchten und von einer Eule auf der Schulter Morgantes begutachten zu lassen, kann als ein zotiges Outing des Morgante gelesen werden. Was diese aufwändige Repräsentation der Homosexualität für die höfische Gesellschaft des 16. Jahrhunderts bedeutet, muss im Dunkeln bleiben. Da Morgante in den Giardini Boboli als Bacchus auf einer Schildkröte reitet und sogar auf dem Reiterdenkmal Cosimos auf der Piazza della Signoria dargestellt ist, ist auf jeden Fall anzunehmen, dass der Hofnarr für Cosimo eine wichtige Rolle spielte.

Wie eng das Schicksal der Familie Medici mit Homosexualität verknüpft war, erzähle ich im zweiten Teil dieses Artikel, wenn es um die Palast Kapelle geht. Außerdem stelle ich großartige Gemälde von Rubens, Tizian und Raffael vor. Hier noch der Hinweis zu den Öffnungszeiten der Galleria Palatina und den Tickets für den Palazzo Pitti

Galleria Palatina Öffnungszeiten

Der Palazzo Pitti hat zur Zeit Öffnungszeiten, die an die Covid Pandemie angepasst sind:

  • Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag von 8:30 bis 13:30
  • Samstag, Sonntag, Montag ist geschlossen
  • 1. Januar und 25. Dezember ist die Galleria Palatina geschlossen

Palazzo Pitti Ticket-Preise

Im Palazzo Pitti sind mehrere Museen untergebracht, neben der Gemäldegalerie sind das die Galerie der modernen Kunst, mit moderner Kunst ist in Italien die Kunst des 19. Jahrhunderts gemeint, nicht die Moderne der 60er und 70er Jahre. Dann gilt es die königlichen Gemächer zu bewundern, außerdem kannst Du Dich im Kostüm Museum über Mode weiterbilden. Es gibt also einiges zu sehen, dementsprechend ist eine Besichtigung nicht ganz preiswert.

  • Das reguläre Ticket kostet 10,00 Euro
  • Eine Reservierung für 3,00 Euro wird empfohlen, auch um Warteschlagen an der Kasse zu vermeiden
  • Ermäßigungen gelten für Schüler und Studenten und andere

Die wichtigsten Informationen zu den Palazzo Pitti Öffnungszeiten und Tickets findest Du auf der Museums-Website. Wenn Du Deinen Besuch reservieren möchtest, um eventuelle Wartezeiten zu vermeiden, dann kannst Du über B-Ticket Dein Ticket buchen.

Palazzo Pitti COVID Regeln

Im Palazzo Pitti gelten folgende Regeln, um die Ausbreitung von Covid zu unterbeinden

  • Die Körpertemperatur muss unter 37,5 Grad liegen
  • Im ganzen Museum gilt Maskenpflicht, Mund und Nase sind zu bedecken
  • Ein Mindestabstand von 1,80 Metern ist einzuhalten
  • Gruppen dürfen höchstens 10 Teilnehmer haben
  • In den Sälen der Galleria Palatina dürfen sich nur so viele Personen aufhalten, dass der Mindestabstand eingehalten werden kann.

Weiter Informationen findest Du zu den COVID – Regeln auf der Museums Website, die Du vor Deinem Besuch kontaktieren solltest.