Kirche im typischen Barock von Lecce in Italien

Lecce – Die charmante Hauptstadt des Salento in Italien

Lecce in Apulien ist die charmante Hauptstadt des Salento im Süden Italiens. In der kleinen Universitätsstadt lädt eine zauberhafte Altstadt zum Verweilen ein. Außerdem gibt es in Lecce großartige Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Wegen der vielen Kirchen und Paläste aus der Zeit der Barock ist Lecce auch bekannt als das Florenz des Süden. Was Du in Lecce erleben kannst und welche Köstlichkeiten der apulischen Küche du auf jeden Fall probieren solltest, erfährst Du hier.
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Inhalt

Warum es sich lohnt Lecce in Italien zu besuchen

Lecce ist die größte Stadt auf der Halbinsel des Salento in Apulien, der zauberhaften Region im Süden Italiens. In der ganzen Welt ist Lecce für die außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten im Baustil des lecceser Barock bekannt und berühmt. Häufig wird Lecce deswegen als das Florenz des Barocks bezeichnet. Das ist natürlich ein ziemlich gewagter Vergleich, denn Florenz ist bekanntlich die Wiege der Renaissance und nicht die des Barocks.

Aber die Redewendung geht auf Ferdinand Gregorovius zurück, der in seinen berühmten Wanderjahren in Italien immerhin schreibt: “Man kann Lecce das Florenz der Rokokozeit nennen“. Seit 2006 steht die Stadt auf der Bewerbungsliste, um als UNESCO Welterbe anerkannt zu werden. Da es in Italien und Apulien schon so viele Welterbe Stätten gibt, ist es fraglich, ob Lecce überhaupt eine Chance hat, als solches geadelt zu werden.

Prächtig von den alten Römern bis in die Gegenwart

Lecce ist aber nicht nur Barock. Die Stadt ist ja uralt. Die Römer waren hier, haben dem Ort den Namen Lupiae verpasst und ein prächtiges Amphitheater hinterlassen. Zur Zeit Karl des V ist ein gigantisches Kastell entstanden. In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Universität des Salento gegründet, seitdem hat sich Lecce zu einer lebendigen Studentenstadt in Apulien entwickelt. Als im Jahr 2019 das nahe gelegene Matera in der Basilikata europäische Kulturhaupstadt wurde, hat sich auch Lecce kräftig herausgeputzt. Es gibt in der charmanten Hauptstadt des Salento also viel zu sehen und einiges zu erleben.

Außerdem lässt sich in Lecce eine außerordentlich interessante Küche kennenlernen. Die basiert zwar meist auf den minimalistischen Rezepten der regionalen cuccina povera, der armen Küche, aber bekanntlich ist weniger ja häufig mehr. Süßes Mandelgebäck verführt als reichhaltiges Dessert und auch die kräftigen Rotweine des Salento wie der Primitivo oder der Negroamaro lassen sich unkompliziert konsumieren. Viele Gründe also nach Lecce zu reisen, einige Tage zu verweilen und zu genießen.

Kirchenfassade im lecceser Barock in Lecce.
Die Fassade von Santa Croce, der Top Sehenswürdigkeit in Lecce, ähnelt einer Theaterkulisse im Zuckerbäckerstil …
Kirchenschiff der barocken  Kirche Santa Croce in Lecce Italien.
… ganz anders dagegen wirkt der klar gegliederte Innenraum der weniger an Barock in Lecce sondern an die Romanik in Apulien die Renaissance erinnert

Die Sehenswürdigkeiten von Lecce

Lecce eignet sich aber besonders wegen seiner optimalen Position zwischen Adria und ionischem Meer als Standort für eine Apulien Reise. Die Strände von San Cataldo an der Adria sind in weniger als 30 Minuten zu erreichen. Etwas weiter südlich locken zauberhafte Badebuchten an der Steilküste des Salento mit dem verführerischen leuchtenden Blau der Adria. Zu den phantastischen Sandstränden bei Gallipoli am Ionischen Meer braucht es nur etwas länger. Und auch die charmante Hafenstadt Otranto und das Ende der Welt in Santa Maria di Leuca sind bequem von Lecce aus zu erreichen.

Die Sehenswürdigkeiten von Lecce wie die Piazza San Oronzo mit dem Amphitheater, die barocke Kirche Santa Croce, der Domplatz und die außergewöhnliche Kirche Santi Niccolò e Cataldo lassen ich innerhalb eines Tages ganz entspannt besichtigen. Es lohnt sich außerdem die Via Salvatore Trinchese bis zur modernen Piazza Manzini hinunter zu schlendern, um eine Idee für die moderne Stadt zu bekommen. Auch wenn die explonsionsartige Entwicklung der modernen Stadt dazu geführt hat, dass das historische Zentrum Lecces – übrigens wie in vielen anderen Städten in Italien auch – ziemlich verlassen ist, blieb die Piazza Sant‘ Oronzo das Zentrum der Stadt.

Die Piazza Sant‘ Oronzo

Der legendäre erste Bischof von Lecce der heilige Oronzo hat der Piazza nicht nur den Namen gegeben. Er blickt noch heute von einer hohen Säule auf die Piazza hinunter und wacht aus dieser privilegierten Position als Schutzheiliger über die Stadt. Die antike Säule, auf der San Oronzo tänzelt, markierte ursprünglich das Ende der römischen Via Appia in Brindisi. Aber als die Bürger von Lecce begannen, sich für die römische Vergangenheit zu interessieren, luchsten sie Brindisi diese Säule ab. Die Inszenierung des Schutzheiligen auf einer römischen Säule erinnert an Petrus und Paulus, die Schutzpatrone der ewigen Stadt. Denn auch in Rom wurden die Stadtheilige auf antike Säulen gehievt.

Tatsächlich verstand sich die Stadt Lecce als eine Art Stellvertreterin der ewigen Stadt in Apulien. Das lässt sich gut an dem Stadtwappen erkennen, das im Zentrum der Piazza Sant‘ Oronzo als Mosaik eingelassen ist. Denn dort verweilt die römische Wölfin unter einem Eichenbaum. Das römische Lupiae wurde ganz schlicht in die Stadt der Wölfin umgedichtet

Auf der Piazza San Oronzo liegt das Amphithater von Lecce.
Der heilige Oronzo blickt von einer Säule der Via Appia hinunter auf die Sehenswürdigkeiten von Lecce
Das römische Amphitheater  in der Altstadt von Lecce.
Das römische Amphitheater wurde in Lecce unterhalb der Piazza Sant´ Oronzo ausgegraben

Das römische Amphitheater von Lecce

Die Piazza hat eine etwas sonderbare Form. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, wurde am Rand des Platzes damit begonnen, das römische Amphitheater aus der Zeit Kaiser Hadrians auszugraben. Leider wurde deswegen ein ganzes Stadtviertel abgerissen.

Als die Ausgrabungen beendet waren, war die Piazza Sant‘ Oronzo mehr als doppelt so groß und besteht seitdem zur Hälfte aus einem Loch. Zur Krönung wurde der Platz mit monströsen Palästen im kühlen Stil der faschistischen Architektur neu eingefasst. Die verderben nun das ganze Ensemble. Außerdem versinnbildlichen sie noch heute die dämliche und unerfreuliche Propagandamär, dass der italienische Faschismus in direktem Bezug zum römischen Reich steht. In Lecce sieht es sogar so aus, als sei das römische Imperium das Fundament, auf dem der faschistische Staat errichtet und legitimiert wurde.

Süße Spezialitäten aus Lecce

Nichtsdestotrotz lohnt es sich auf der Piazza zu verweilen, denn dort residiert das sensationelle Caffè Alvino. Hier verführen traditionelle Spezialitäten aus Lecce wie köstliches Mandelgebäck oder reichhaltige Pasticciotti zum Naschen und Genießen. Gleich um die Ecke setzt sich die Genusstour fort, dort produziert die Pasticceria Natale die beste Eiscreme der Stadt.

  • Caffè Alvino, Piazza Sant’Oronzo, 30, 73100 Lecce LE
  • Pasticceria Natale, Via Salvatore Trinchese, 7, 73100 Lecce LE. Hier erfährst Du alles über das Angebot von Natale
Mandelgebäck mit Mandeln aus dem Salento, gebacken vom Caffe Alvino an der Piazza San Oronzo.
Mandelgebäck aus dem Caffé Alvino ist eine besonders verführerische Spezialität aus Lecce
Der Pasticciotto ist eine besondere  lecceser Spezialität.
Der mit leckerer Vanillecreme gefüllte Pasticciotto wird in Lecce sogar wie ein Heiliger verehrt

An der Grenze des Schönen: Der lecceser Barock

Von der Piazza Sant‘ Oronzo ist es nur ein kurzes Stück zur durchgeknalltesten Sehenswürdigkeit von Lecce, der Kirche Santa Croce. Die Fassade der Kirche ist in einem merkwürdigen Zuckerbäcker-Barock errichtet, für den sich der Name lecceser Barock eingebürgert hat.

Wer genau hinschaut wird schnell bemerken, dass Santa Croce nur wenig mit Barock zu tun hat. Vielmehr handelt es sich um eine Architektur, die nach den Regeln der Romanik und der Renaissance entworfen wurde. Allerdings ist die Fassade wie eine üppige Theaterkulisse mit einer unüberschaubaren Menge von Ornamenten und Skulpturen übergossen. Fachleute behaupten, dass der weiche Kalkstein aus Lecce, die pietra leccese, für diesen die Augen und das Gehirn überfordernden Anschlag auf den guten Geschmack verantwortlich sei. Denn die pietra leccese sei so weich, wenn sie frisch gebrochen aus dem Steinbruch angeliefert wird, dass sie sich wie Holz schnitzen lasse.

Es ist natürlich einfach, einen unschuldigen Stein wie die pietra leccese für die künstlerischen Kapriolen des Barocks in der Stadt Lecce verantwortlich zu machen. Der kann sich schließlich nicht wehren. Die Ursache für dieses gestalterische Wirrwarr lassen sich sowieso nicht klären. Immerhin lässt sich erkennen, dass in Lecce Künstler mit einer blühenden Fantasie, der ihr Talent leider ziemlich hinterher hinkte, unterwegs waren. Nach Meinung des Italienkenners Ferdinand Gregorovius besteht dieser Stil aus “der Entfaltung eines ungewöhnlichen Reichtums architektonischen Schmuckes, der oft die Grenze des Schönen überschreitet, und bunt, zopfig, schwerfällig und überladen wird.“

Die pietra leccese ist nicht nur weich, sie ist auch besonders anfällig für die Zerstörung durch Abgase und Umweltverschmutzung. Durch aggressiven Steinfraß werden die barocken Sehenswürdigkeiten von Lecce deswegen nach und nach aufgefressen. An fast allen Denkmälern der Stadt und im übrigen Salento lassen sich Spuren der Verwüstung finden. Falls eine Kirche oder ein Palast doch einmal wie neu aussehen, haben die Restauratoren dort ganze Arbeit geleistet.

Steinfrass an den Sehenswürdigkeiten von Lecce
Die Denkmäler und Sehenswürdigkeiten in Lecce werden von aggressivem Steinfraß aufgefressen. Hier an einem Gebäude am Domplatz
Palastfassade im lecceser Barock.
Auch am Palazzo del Governo schlägt der lecceser Barock verrückte Kapriolen

Santa Croce – Mehr ist Mehr!

Die heutige Gestalt der Fassade der Basilika Santa Croce spiegelt den Sieg der heiligen Liga in der Schlacht von Lepanto wider. Am 7. Oktober 1571 erkämpften mehrere italienische Staaten einen außerordentlich blutigen Sieg über die Flotte des osmanischen Reichs. Die besiegten Osmanen sinken noch heute an der Fassade von Santa Croce unter der Last eines gigantischen Balkons zusammen. Mythische Tiere wie der Greif, der Drachen oder der Löwe symbolisieren dagegen die siegreichen Mächte: die Seerepublik Genua, den Papst, die Seerepublik Venedig. Der Großherzog von Toskana lässt sich von Herkules vertreten. Dieses schrille, islamophobe Triumphgeheul ist heute unerträglich.

Der schlichte Innenraum von Santa Croce fällt in seiner Gestaltung gegenüber dem fiebrigen Skulpturenschmuck der Kirchenfassade stark ab. Der Raum und die Dekorationen wirken ungelenk und steif. Dennoch lassen sich in der Kirche erstaunliche Details an der Gestaltung von Altären und Kapellen entdecken.

Gleich neben der Kirche steht ein riesiger Klosterkomplex, in dem heute die Provinzverwaltung untergebracht ist. Die Fassade des Palazzo del Governo zeichnet sich ebenfalls durch eine überbordende Freude am überflüssigen Ornament aus. Auch hier gilt mehr ist mehr. Vor dem Palazzo del Governo lässt sich darum prächtig über den Zusammenhang von Ornament und Verbrechen sinnieren.

Turmartige Kirchenfassade in der Altstadt von Lecce.
Die Kirche San Matteo erinnert entfernt an San Carlo al Quattro Fontane in Rom
Santa Chiara ist wegen der barocken Skulpturen eine besondere Lecce Sehenswürdigkeit.
Die Ausstattung mit geschnitzten Heiligenbildern macht Santa Chiara zu einer besonderen Sehenswürdigkeit in Lecce

Der Dom von Lecce

Quer durch die Stadt direkt an der Stadtmauer liegt der Dom von Lecce und nebenan der Palast des Bischofs. Auch dieses großzügige Platzensemble wurde im Geist des lecceser Barocks errichtet. Faszinierend ist die Position der Kathedrale am Rande der Stadt deswegen, weil hier erneut die Stadt Rom zitiert wird. Auch in der ewigen Stadt liegt die Kathedrale San Giovanni in Laterano genau an der Stadtmauer, ebenso sieht es in Pisa aus.

Auch an der Kathedrale ist vor allem der Außenbau außergewöhnlich abwechslungsreich gestaltet. Der Innenraum ist eher düster und wirkt ebenso wie in Santa Croce etwas steif. Eine Ahnung von der Originalität des italienischen Barocks lässt sich am besten an der Kirche San Matteo entdecken. Der Entwurf der Fassade geht auf den Architekten Archille Larducci zurück, dem das Genie wahrscheinlich in die Wiege gelegt war. Denn der berühmte Architekt Franscesco Borromini, der Großmeister der römischen Barocks war immerhin sein Onkel.

Tatsächlich ähnelt der Außenbau von San Matteo ein wenig dem zauberhaften San Carlino alle quattro Fontane in Rom. Den stärksten Eindruck der barocken Kirchen in Lecce hinterlässt die Kirche Santa Chiara. Die turmartige Fassade erinnert an San Matteo. Besonders fasziniert der Innenraum. Denn hier verschmelzen die lokalen Bautraditionen mit einem schwülen Heiligenkitsch. Ekstatisch richten aus Holz geschnitzte Heilige glühende Blicke Richtung Himmelreich. Einfach toll. Einzigartig ist übrigens die Kassettendecke der Kirche. Denn die ist aus Cartapesta, Pappmasche, dem traditionellen Kunsthandwerk in Lecce gestaltet.

  • Santa Croce, Via Umberto I, 1, 73100 Lecce LE, Italien. Öffnungszeiten 9:00 – 21:00 Uhr. Hier findest Du mehr Informationen
  • Kathedrale, Piazza del Duomo, 73100 Lecce LE, Italien. Öffnungszeiten 9:00 – 21:00 Uhr. Hier findest Du mehr Informationen über den Dom.
  • San Matteo, Via dei Perroni, 29, 73100 Lecce LE, Italien. Öffnungszeiten 9:00 – 21:00 Uhr. Hier findest Du mehr Informationen
  • Santa Chiara,  P.za Vittorio Emanuele II, 73100 Lecce LE, Italien. Öffnungszeiten 9:00 – 21:00 Uhr.
  • Für die touristische Besichtigung der Kirchen von Lecce muss ein Ticket gelöst werden. Das Ticketoffice befindet sich auf der Piazza del Duomo. Die Tickets können auch online gebucht werden.
Kirchenfassade in klassischen Barockformen in Lecce.
Die klassische Fassade der Kirche Santa Irene
Die Orgel der Kirche San Matteo.
Der Innenraum von San Matteo erinnert ein wenig an den Formenreichtum des römischen Barocks

Kunsthandwerk aus Lecce: Cartapesta

Cartapesta gibt es aber nicht nur in den Kirchen des lecceser Barocks. Überall in der Altstadt werden Souvenirs aus Pappmasche angeboten. Meistens handelt es sich dabei um kleine Krippenfiguren, die in ihrer Expressivität eine Ähnlichkeit mit den neapolitanischen Krippenfiguren haben.

Allerdings gibt es mehrere auffällige Unterschiede. Während die neapolitanischen Krippen wie ein Theatro Statico zu einem quirligen Panorama barocker Lebensfreude aufgeblasen werden, konzentrieren sich die Krippen in Lecce auf die heilige Familie. Die Figuren in Neapel werden mit prächtigen Kostümen aus kostbarem Brokat eingekleidet. Auf dem Salento in Apulien dagegen werden die Gewänder aus grauer Pappmasche geformt, in Lecce wird die Pappmasche dann geflämmt, so dass die Krippen einen rustikalen und trotz beschwingter Formen sehr nüchternen Eindruck machen.

Immer wieder endet der Spaziergang durch Lecce ganz unerwartet in einer malerischen Sackgassen. Die vielen Sackgassen sind eine Besonderheiten vieler Städte in Apulien, sehr häufig weiten die sich zu Höfen, auch in Lecce gibt es einige dieser sogenannten Corti. Ein Corte bildet dabei eine kleine eigene Nachbarschaft innerhalb der Stadt. Es sieht so aus, als ob es einen Einfluss der arabischen Stadtplanung auf Lecce gegeben haben könnte.

Figuren aus Pappmasche aus Lecce.
Die Krippenfiguren aus Lecce sind viel schlichter als die aus Neapel
Eine Katze aus Apulien geht auf einer Straße in Lecce spazieren.
Straßenszene in Lecce

Die leckere Küche des Salento

Apulien und damit auch Lecce sind berühmt für eine mediterrane cucina povera, eine arme Küche. Bekanntlich ist weniger häufig mehr; diese banale Weisheit trifft auch auf die apulischen Spezialitäten zu. Wie an vielen Orten in Italien stehen in Lecce und im übrigen Salento Pasta, Gemüse und besonders Hülsenfrüchten im Zentrum der lokalen Küche. Legendär sind köstliche Gerichte wie Fave e Cicoria, Saubohnen mit Zikorie, oder Orecchiette con Cime di Rape, was ich mal frei mit Öhrchennudeln mit Stengelkohl übersetze.

Aber auch Fisch und Fleisch finden sich in Küche Apuliens in Hülle und Fülle. Gewöhnungsbedürftig für Nordeuropäer ist wahrscheinlich der Verzehr von Pferdefleisch in Apulien. Pezetti di Cavallo in Sugo, Gulasch vom Pferd in Tomatensoße hat auf dem Salento Tradition und ist fester Bestandteil fast jeder Speisekarte in Lecce.

Teller mit einem für das Salento und Apulien typischen Nudelgericht in einem Restaurant in Lecce.
Le Zie Trattoria Casareccia: Ciceri e tria, Nudel mit Kichererbsen sind typisch Lecce für dieses deftige Gericht wird in Apulien ein Teil der Pasta wie Pommes frittiert

Trattoria Le Zie

Ein ganz typisches Gericht für das Salento ist die Kombination von Pasta und Kichererbsen für Ciceri e Tria. Dafür werden frische Bandnudeln verwendet, die zu zwei Drittel gekocht und zu einem Drittel fritiert werden. Pasta wie Pommes könnte man meinen.

Besonders lecker werden Ciceri e Tria in Lecce von den Damen der Trattoria Le Zie zubereitet. Bei Le Zie wird Cucina Casareccia, also nach hausfrauenart, serviert. Tatsächlich sieht der winzige Gastraum so aus, als säße man im Esszimmer der Familie. Das kleine Restaurant liegt etwas abseits der Altstadt von Lecce und verfügt nur über wenige Plätze, also am besten reservieren.

Fischgerichte gehören zur Küche des Salento in Apulien.
Im Restaurant Corte del Pandolfi gibt es diesen interessante Salat, der den milden Geschmack frischer Gamberi mit der stacheligen Würze von Artischocken kombiniert

Corte del Pandolfi

Gleich hinter dem Dom in der Nähe des römischen Theaters und damit fußläufig zu den prächtigen Sehenswürdigkeiten von Lecce empfängt das Corte del Pandolfi seine Besucher in einem modernen Ambiete. Peter Amann hat mir den Weg zu diesem großartigen Restaurant gewiesen, das exzellenten Fisch und Austern serviert.

Die Philosophie hinter der Küche des Corte del Pandolfi ist der Wunsch, “Geschmäcker, Aromen und Produkte des Salento und die Empfindungen und Emotionen, die diese hervorrufen, mit dem Rest der Welt zu teilen, oder zumindest mit denen, die neugierig darauf sind“. Tatsächlich weckt die Speisekarte große Neugierde und auf dem Teller werden hohe Erwartungen an eine innovative Küche mehr als erfüllt.

Joyce Irish Pub

In einer engen Seitengasse zwischen Piazza Sant‘ Oronzo und Santa Croce liegt das Joyce. In diesem gemütlichen Pub gibt es neben gutem Bier auch eine solide lokale Küche. Besonders praktisch ist die zentrale Lage des Restaurants im Zentrum von Lecce. Für einen leichten Lunch während der Stadtbesichtigung ist das Joyce deswegen keine schlechte Wahl.

  • Le Zie Trattoria Casareccia, Via Colonnello Archimede Costadura, 19, 73100 Lecce LE, Italien; Öffnungszeiten: 12:30 – 14:30 und 19:45 – 22:30, Montags Ruhetag, Telefon: +39 0832 245178
  • Corte del Pandolfi, Corte Dei Pandolfi, 3, 73100 Lecce LE, Italien; Öffnungszeiten: 12:00 – 15:00 und 19:00 – 00:00, hier findest Du mehr Informationen, Telefon: +39 336 1412692 
  • Joyce Irish Pub, Via Matteo da Lecce, 5, 73100 Lecce LE, Italien; Öffnungszeiten: 09:00 – 15:00 und 18:00 – 00:30, Telefon: +39 0832 279443

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Eine Allee auf einemFriedhof.
Eine Kirche in Lecce im Stil der Romanik aus Apulien.

Am Rande der Stadt

Eine bedeutende Sehenswürdigkeit findet sich außerhalb der Altstadt von Lecce. Die Chiesa Santi Niccolò e Cataldo stellt eine interessante Synthese aus der Romanik in Apulien und dem lecceser Barock da. Bauherr dieser bedeutenden Kirche war der normannische Graf Tancred von Hauteville. Der Graf von Lecce trat 1189 die Nachfolge Wilhelm des Guten als normannischer König an. Aber schon 1180 hatte er in guter normannischer Tradition ein Kloster und eine Kirche für die Benediktiner in Lecce gestiftet.

Santi Niccolò e Cataldo ist eines der sehenswertesten mittelalterlichen Bauwerke auf dem Salento. Denn die Kirche ist ein gutes Beispiel für den sogenannten normannischen Mischstil, in welchem Elemente der arabischen, der byzantinischen und der nördlichen Architektur zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen werden. Die Kuppel ist ebenso wie die pflanzliche Dekoration des Portals von arabischen Einflüssen inspiriert. Die Positionierung der Kuppel im Zentrum des Bauwerks erinnert an byzantinische Kreuzkuppelkirchen. Die gesamte Anlage des Kirchenschiffs ist aber von der Romanik aus dem Norden inspiriert.

Santi Niccolò e Cataldo

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die Fassade von Giuseppe Cino mit den Elemente des lecceser Barocks aufgepeppt. Anscheinend legten die Auftraggeber Wert darauf, den Kirchenbau als Denkmal für Tankred von Lecce zu erhalten. Denn Cino hat die Fassade mit Pilastern, Skulpturen und Gesimsen nur ergänzt. Die großartigen romanischen Elemente der Fassade bleiben dabei sichtbar. Im Innenraum konkurrieren dagegen bunte barocke Fresken mit den Strenge der romanischen Architektur und erzeugen eine lebendige Spannung.

Heute liegt die Kirche innerhalb des Friedhofs von Lecce. Links vom Gebäude befindet sich der Eingang in einen historischen Teil des Friedhofs. Der sieht wegen der vielen Mausoleen aus wie eine Stadt der Toten. Hohe Zypressen fassen die Wege entlang der Gräber ein. Es gibt nur wenige Orte, an denen sich besser über das Vergehen der Existenz nachsinnen lässt. Ein Promi-Grab gibt es hier übrigens auch. Gleich vorne am Eingang ist der Tenor Tito Schipa bestattet. In den 60er Jahren war Schipa ein begehrter Star auf den berühmtesten Opernbühnen von Mailand bis Ney York. Im fetzigen Schlager Vivere schmettert er dem Hörer die stürmische Lebensfreude des Südens entgegen, die sofort Lust macht, die Koffer zu packen und nach Lecce auf dem Salento, dem heißen Stiefelabsatz Italiens zu reisen. In diesem Video kannst Du Dich inspirieren lassen.

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  • Santi Niccolò e Cataldo, Via Cimitero, 73100 Lecce LE, Italien; Öffnungszeiten: Montag, Donnerstag, Samstag 09:30 – 12:30
  • Cimitero di Lecce, Viale S. Nicola, 17, 73100 Lecce LE, Italien; Öffnungszeiten: Montag – Samstag: 09:00 – 13:00 und 15:00 – 17:00, Sonntag: 09:00 – 12:00