Monti Viertel – Römische Oasen

Wohin in Rom, wenn die müden Füße nicht mehr tragen? Mein Tipp ist das Monti Viertel mitten in der Ewigen Stadt. In dieser römischen Oase bist Du weit weg von berühmten Sehenswürdigkeiten und findest doch etwas vom echten, authentischen Rom.

Das Monti Viertel eine Oase mitten in Rom

Rom, Piazza Navona. Der Vier-Ströme-Brunnen plätschert. Kitschmaler bieten farbenfrohe Ölschinken an. Lebendige Mumien haben sich zur Salzsäule gewandelt. Ich gehe meiner Lieblingsbeschäftigung nach und belausche Reisende on Tour. Tut man nicht, ich weiß. Aber dieser Verstoß gegen Anstand und Sitte schenkt mir diesen lustigen Dialog.

Frau: “Rom ist eine hässliche Stadt!”
Mann: “Grummel, grummel.”
Frau: “Es gibt einfach keine Bäume!”
Mann: “Da hast Du recht, es gibt wirklich keine Bäume in Rom.”
Frau:“Wie soll man sich da erholen?”

Gute Frage! In Rom gibt es zwar Bäume. Aber tatsächlich nur sehr wenige. Sie wachsen am Tiber-Ufer, in einem der vielen Parks oder den Blicken entzogen hoch oben auf herrlichen Dachterrassen über den Köpfen der Reisenden. Saftig grün ist die Ewige Stadt wirklich nicht.

Wo gehe ich also hin, wenn die Augen schmerzen von all den antiken Monumenten und der barocken Pracht in Rom? Wenn die heißgelaufenen Füße Kühlung brauchen und erschlaffte Synapsen eine aufmunternde Frischzellenkur?

Eine Treppe im Monti Viertel in Rom. Links und rechts kleine Häuser.
Kleine Häuschen, schiefe Treppen, milde Farben. Das Monti Viertel in Rom

Monti Viertel, ein hippes Dorf mitten in Rom

Ich setzte mich auf der Piazza della Madonna dei Monti in die Bottega del Caffé. Nirgendwo begegne ich cooleren Römern in meinem Alter, also in den besten Jahren. Sie stellen ihre grau-melierten George Clooney Schläfen mit einer fast unverschämten Lässigkeit zur Schau. Ein schwarzes T-Shirt, eine ausgeblichene Jeans, eventuell eine Lederjacke. Stoppeliger Dreitagebart, das Haupthaar wild in jede Richtung. So wenig Aufwand und so große Wirkung. Männliche, mediterrane Lässigkeit eben. Wird im reifen Alter immer besser.

Übrigens finde ich es so gemütlich unter der immergrünen Pergola der Bottega del Caffé, dass ich hier gerne meinen Tag im Monti Viertel mit einem klitzekleinen Frühstück starte.

Italienisches Frühstück in der Bottega del Caffè im Monti Viertel in Rom.
Piccola Colazione in der Bottega del Caffè im Monti

Die Piazza della Madonna dei Monti liegt mitten im Monti Viertel. Monti ist für mich eine entspannte römische Oase. Die weltberühmten Sehenswürdigkeiten Roms sind hier glücklicherweise weit weg. In nebeliger Ferne erkenne ich das Kolosseum. Hoch oberhalb der Via Cavour empfängt der zornige Moses des Meisters Michelangelo Heerscharen aus aller Welt. Eine mächtige Mauer aus graugrünem Tuffstein schützt das Monti Viertel vor dem tumultuarischen Metropolen-Chaos rund um die Piazza Venezia und das Kapitol. Und grün ist es hier auch. Wein und Efeu ranken üppig an den Häusern und über die Straßen hinweg.

Ein Straße im Monti Viertel in Rom. Im Hintergrund das Augustus-Forum.
Die Via Baccina im Monti Viertel. Im Hintergrund die antike Brandmauer, die das Forum von der Subura trennt. Die Marmor-Säulen gehören zum Mars-Tempel des Augustus

Das Monti Viertel ist ein kleines römisches Dorf. Es liegt geschützt in einer Senke zwischen den berühmten Hügeln Roms. Dem Esquillin-Hügel, dort wo in der Kirche Santa Maria Maggiore Gottesdienste noch so zelebriert werden, als seien sie uralte Rituale. Direkt abgekupfert von den Zeremonien am römischen Kaiserhof. Dem Quirinal-Hügel, auf dem der italienische Staatspräsident in einem riesigen Palast residiert. Und dem Viminal-Hügel, auf dem das Innenministerium seinen protzigen Sitz hat.

Subura in Rom – Anrüchiges aus der ewigen Stadt

Monti. Das ist alles, was von den legendären 7 Hügeln Roms übrig blieb. Diese anmutig hügelige Stadtlandschaft mit ein bisschen Auf und Ab. Da, wo sich heute das Monti Viertel ausbreitet, wohnten schon im antiken Rom die einfachen Leute. Die römischen Autoren Juvenal und Martial schreiben über die Subura, als sei das Stadtviertel das Sankt Pauli des antiken Roms gewesen. Prostitution, Verbrechen, arme Leute. Bruchbuden, Feuersbrünste und Hauseinstürze. Besonders gefährlich muss es nachts gewesen sein. Juvenal warnt in seiner 3. Satire eindrücklich vor Unrat, Töpfen und Kot, die in der Dunkelheit auf die Straße entleert werden. Das hört sich dann so an:

… wahrhaftig so viele Todesgefahren

drohen Dir nachts auf dem Weg, als beleuchtete Fenster sich finden;

Also geh‘, mit dem leidigen Troste im Herzen, es möge

Höchstens ein Topf sich mit flüssigem Inhalt auf Dich entladen.

Juvenal

Appetitlich und zivilisiert ist es in der Antike im Monti Viertel nicht wirklich zugegangen. Der durchgeknallte Nero soll sich als Prolet verkleidet in üblen Kaschemmen unter den Popolo Romano gemischt haben, um dem Volk aufs Maul zu schauen. Laut Legende ergatterte die geile Messalina in der Subura die schärfsten Stecher, wenn es ihr der olle Claudius, oben auf dem Palatin in der kaiserlichen Residenz, mal wieder nicht ordentlich besorgen konnte. Wer weiß das alles schon genau. Ist lange her. Wir sind nicht dabei gewesen.

Hausfassade im Monti Viertel bemalt mit unterschiedlichen Farben.
So schön malt nur der Zahn der Zeit …

Heute ist das Monti Viertel berühmt für seine besonders römische Authentizität. Da sind sie noch, die vielen kleinen Läden. Da gibt es noch den wirklich öffentlichen Platz. Tag und Nacht voller Menschen. Die Piazza und die Straßen im Monti Viertel erscheinen wirklich als Orte eines stetig fließenden Gesprächs. Das ist richtig Italien.

In der unglaublich malerischen Via in Selci arbeiten jeden Tag noch engagierte Autoschrauber in abenteuerlich kleinsten Reparaturbetrieben. Aber der Schuster und der Tischler haben ihre Werkstätten im Monti Viertel schon längst zugemacht. Gekommen sind Modeboutiquen und Shops für italienische Vintage Möbel. Monti ist eben auch ein ziemlich hippes Dorf.

Plakatwerbung an einer Wand für einen Markt.

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