Ravello und die Amalfiküste

Blick auf die Amalfiküste vom Belvedere der Villa Cimbrone in Ravello.

Das zauberhafte Ravello ist eines der großen Geheimnisse an der Amalfiküste. Verwunschene Villengärten bieten spektakuläre Ausblicke auf die Amalfitana und den Golf von Salerno, da lässt sich träumen. Warum Ravello beliebtes Ferienressort für Reiche und Schöne ist, erfährst Du hier.

Ravello ist sicher einer der romantischsten und geheimnisvollen Orte an der Amalfiküste. Und ganz bestimmt einer der teuersten. Denn das schöne Ravello ist eine Art Ferienressort für die Reichen und Schönen. Ungefähr 2500 Einwohner hat Ravello und 16 Fünf- oder Viersterne Hotels. 1 Luxushotel auf 160 Einwohner, das hört sich für mich weltrekordverdächtig an. Vom Hotelgewerbe müssen sie was verstehen in Ravello.

Dabei hat diese moderne Erfolgsgeschichte an der Amalfiküste ziemlich bescheiden angefangen. Mit einem jungen, leider lungenkranken Mann aus Schottland. Francis Neville Reid, der auf seiner Grand Tour durch Italien das damals noch wilde und gefährliche Ravello entdeckte und sich entschloss, die baufälligen Reste der legendären Villa Rufolo zu erwerben und zu seinem Privatsanatorium auszubauen.

Blick durch ein Fenster der Villa Rufolo auf die Amalfiküste.
Blick von einer Villa in Ravello auf den Golf von Salerno
Kreuzgang der Villa Rufolo in Ravello.
Der Kreuzgang der Villa Rufolo im arabisch-normannischer Baustil

Nevile Reid – Ein junger Schotte an der Amalfiküste

Wie abenteuerlustig und wild romantisch der junge Schotte gewesen sein muss, lässt sich aus dem Nachruf erkennen, der anlässlich seines Todes in der London Times erschien. Dort wird berichtet, wie er eines Nachts mit Mutter und Ehefrau über den Golf von Salerno Richtung Capri, einem anderen berühmten Sanatorium für moribunde Nordeuropäer, sich wegstehlen musste. Denn eine Bande von 70 Briganten belagerte die Villa Rufolo, um die vornehme Gesellschaft zu entführen und ein Lösegeld zu erpressen. Der König aus Neapel schickte sein Militär Richtung Ravello, die Briganten wurden besiegt, in dem Bergdorf kehrte Ruhe ein.

Überhaupt scheinen Kampanien, die Hügel und Berge der Halbinsel von Sorrent Mitte des 19. Jahrhunderts in England einen sehr schlechten Ruf gehabt haben. “In jenen Tagen war das Hügelland des Königreichs Neapel der rückständigste und barbarischste Teil Italiens; und Mr. Reid machte sich daran, eine Art Zivilisation in Ravello und der Umgebung einzuführen”, beschreibt der Nachruf in der Times ziemlich hochnäsig das Wirken Mr. Reids an der Küste von Kampanien, der aber noch heute als Wohltäter des Städtchens verehrt wird.

Neben der verfallenen Villa erwarb Neville Reid die Villa Episcopo und machte daraus ein Hotel, das von Pasquale Palumbo geführt wurde. Hier konnten jungen Engländern, ebenso auf Grand Tour, wie Reid es Jahre zuvor gewesen war, Unterkunft finden. Die für ihre paradiesische Schönheit weltweit bekannte und lockende Amalfiküste war inzwischen zu einem beliebten Reiseziel avanciert. Mit dem Hotel Palumbo begann also der Tourismus in Ravello.

Die Nachkommen dieses Palumbos sind in Ravello immer noch als Hoteliers engagiert. Sie besitzen die Villa Cimbrone und deren sagenhaften Park. Dort führen sie noch heute ein luxuriöses Hotel, das damit wirbt, schon Greta Garbo habe hier fantastische Tage und besonders Nächte verbracht.  Aber dazu später mehr.

Inschrift mit Wagner Zitat in der Villa Rufolo.
Il giardino magico …, Erinnerungstafel an ein bedeutendes Ereignis der Operngeschichte
Keramik aus Vietri sul Mare mit Motiven von der Amalfiküste.
Bunte Souvenirs aus Vietri sul Mare

Cosima und Richard Wagner in Ravello

Einer der berühmtesten Gäste im Hotel Palumbo war sicherlich Cosima Wagner mit Sohn Siegfried und Ehemann Richard im Mai 1880. Die prominente Familie hatte in Neapel durch Elisabeth von Wartburg, der zweiten Ehefrau Pasquale Palumbos, von der Schönheit der Amalfiküste gehört, sich kurzentschlossen nach Salerno begeben und von dort Richtung Amalfi eingeschifft. Denn die paradiesischen Küstenstraße Amalfitana gab es damals noch nicht. So wie Goethe seine Iphigenie hatte Richard Wagner in Neapel übrigens seine Oper Parsifal im Reisegepäck.

Im Hotel des Capucins zu Amalfi erreichte die Reisegesellschaft die Nachricht, sie seien in Ravello im Hotel Palumbo sehr willkommen. Und so machte sich die illustre Gesellschaft mit Maultieren unter dem vornehmen Hintern auf den holprigen Weg, das 350 Meter über dem Meer, auf steilen Felsen gekrallte Ravello zu erobern.

Blick von der Villa Rufolo auf die Amalfiküste.
Die berühmteste Aussicht von Ravello auf das Meer und die Küstenorte Minori und Maiori
Turm im Garten der Villa Rufolo in Ravello.
Der Zaubergarten von Ravello

Die Villa Rufolo in Ravello

Die berühmteste Sehenswürdigkeit Ravellos waren – damals wie heute – die Villa und die Gärten der Rufolo. Schon Giovanni Boccaccio soll dieses zauberhafte Anwesen als Schauplatz für seine Novellensammlung Decameron genutzt haben. Nevile Reid hatte diese mit Unterstützung des Architekten und Archäologen Michele Ruggieros, der später die Ausgrabungen von Pompeji leiten sollte, ausgegraben und restauriert.

Als Ferdinand Gregorovius im Jahr 1852 Ravello durchwanderte, machten die baufälligen Villen in Ravello einen ganz besonderen Eindruck auf ihn. Er schildert die Villa Rufolo in seinen Wanderjahren in Italien enthusiastisch: “Der schöne Palast ist eine kleine Alhambra zu nennen, ein Gebäude von mehr als dreihundert Gemächern in drei Stockwerken, die alle von moresken Säulen getragen werden. Die Säle sind mit Arabesken reich verziert und haben ganz den sizilischarabischen Charakter. Sie müssen von einer feenhaften Pracht gewesen sein.”

Klingsors Zaubergarten an der Küste von Amalfi

Auch wenn Gregorovius sich mit der Anzahl der Zimmer vielleicht irrt, mit der feenhaften Pracht traf er ins Schwarze. Die war auch Cosima Wagner rund 30 Jahre später nicht entgangen. Sie notierte am 26. Mai 1880 in das Gästebuch des Hotel Palumbos: Il magico giardino e trovato. Sogar Richard berichtet in einem Brief an Ludwig II von Bayern über den Aufenthalt in Ravello: “Hier fanden wir prächtige Motive für den Klingsor Zaubergarten, die sofort für die Aufführung des zweiten Aktes von „Parsifal“ skizziert wurden.” Denn zufälligerweise war der Maler Paul von Joukowsky und dessen Lebensgefährte Peppino mit von der Partie. Joukowsky skizzierte später auch noch den Dom von Siena. 1882 gestaltete er das Bühnenbild für die Uraufführung des Bühnenweihspiels in Bayreuth in einem fantasierenden neosizilischarabischen Charakter. Peppino ging derweil mit Richards Sohn Sigfried auf Reisen, aber das ist eine andere Geschichte.

Der Besuch der Wagners hat Ravello seinen Stempel aufgedrückt. Es gibt natürlich Hotels mit den fantastischen Namen Parsifal und Kundry. Die Bar neben der Villa Rufolo nennt sich tatsächlich Klingsor. Cosimas: „Il magico giardino di Klingsor è trovato. – 26 maggio 1880” ist im Park der Villa Rufolo in Stein gemeisselt. Seit Mitte der 50er Jahre des letzen Jahrhunderts wird – in Erinnerung an diese Visite – ein Festival veranstaltet. Im neuen Jahrtausend eröffnet ein skandalumrankte Festspielhaus nach den Plänen des brasilianischen Stararchitekten Oscar Niemeyer.

Mittelalterliches Relief mit Löwenmotiv.
Fragmente des Mittelalters in Ravello
Kirchenschiff der Kirche Santa Maria al Gradillo in Ravello.
Arabisch-normannischer Mischstil in der Kirche Santa Maria al Gradillo

Das große Geheimnis der Amalfiküste

Festzuhalten bleibt, Ravello wurde nicht erst um 1900 zu einem Stelldichein für Jetset und Superreiche. Schon im 12. und 13. Jahrhundert waren jene Mächtigen des Königreichs Sizilien hier zu Hause, die sich Paläste wie die Alhambra leisten konnten. Zu den bedeutendsten gehören neben den Rufolo die Kaufleute der Familie della Marra, uralter normannischer Adel, und die Confalone.

Aber wie kam es, dass sich in einem schlecht erreichbaren Felsennest so weit oberhalb Amalfis, unermesslich wohlhabende Handelsherren niederließen? David Abulafia hat Amalfi in seinem großartigen Buch, Das Mittelmeer – eine Biografie, eines der großen Rätsel des Mittelmeeres genannt. Zu diesem Geheimnis gehört, dass so wie Venedig eine auf Inseln fragmentierte Stadt in einer Lagune war, Amalfi eine Stadt war, die durch steile Berghänge und Felsabstürze getrennte war. In „einer Zeit ständiger Einfälle von Sarazenen verlieh diese Zerstreuung der Stadt einen ähnlichen Vorteil wie die Zerstreuung Venedigs über die Inseln der Lagunge“, konstatiert Abulafia.

Ravello wäre also eine Art natürliche Festung gewesen, in der der unermessliche Reichtum seiner Bewohner sicher beschützt lagerte. Darüber hinaus gab es den Platz, luxuriöse Paläste und Gärten anzulegen, für die direkt am Meer ganz einfach der Platz fehlte.

Zwei Porträts als Relief an der Kanzel im Dom von Ravello.
Sigilgaida della Marra und Nicola an der Kanzel von San Pantaleone in Ravello

Das Schicksal der Familie Rufolo

Wohlhabend geworden waren die Kaufleute in  Ravello durch den Orienthandel. Als der aber im 13. Jahrhundert immer schwieriger und unsicherer wurde, verlegten sie ihre Geschäftsinteressen auf die Landwirtschaft und den Getreidehandel, denn sie besaßen große Ländereien in Apulien.

Das war für die weitere Anhäufung von Vermögen anscheinenden kein Problem. Die Rufolos, wurden so reich, dass sie als Bankiers und Steuereintreiber für den König in Neapel tätig waren. Der Reichtum und die hohen Schulden des Königs wurden der Familie schließlich zum Verhängnis. In einem spektakulären Hochverratsprozeß, den zusätzlich pikante Anschuldigungen unaussprechlicher Perversionen würzten, wurde fast der gesamte Clan verurteilt und das unermessliche Vermögen samt Immobilien eingezogen.

Vielleicht war es diese unheilvolle Familiengeschichte, die Giovanni Boccaccio zu der Erzählung über Landolfo Rufolo in der Novellensammlung Decameron inspirierte. Der, nachdem er auf Kaufmannsfahrt sein Vermögen verloren hat, zum Piraten wird; neue Reichtümer anhäuft; diese erneut verliert und als Schiffbrüchiger einen Schatz findet, mit dem er sein ursprüngliches Vermögen mehr als verdoppelt. Unverkennbar ist es das unbeständige Rad der Fortuna, das am Schicksal Landolfos dreht.

Löwenskulptur von Nicola da Foggia.
Löwin an der Kanzel von Nicola da Foggia in San Pantaleone
Detail Bronzetür von Barisanus da Trani am Dom von Ravello.
Detail der Bronzetür von Barisanus da Trani

Nicolo da Foggia und Barisanus da Trani im Dom von Ravello

Wie groß der Reichtum der Familie – und wie tief deren Fall – gewesen sein muss, lässt sich im Dom San Pantaleone erahnen. Nicola hat der Kathedrale eine prächtige Kanzel gestiftet, die von Nicola da Foggia, einem der großartigen Bildhauer des 13. Jahrhunderts gearbeitet worden ist.

Der Reichtum des Dekor ist überwältigend. Da sind einmal die goldgrundigen, geometrischen Mosaiken, die an arabische Ornamentik erinnern. Sie sind von einer Rahmung eingefasst, welche von der römischen Antike inspiriert zu sein scheint. Die kraftvollen Löwen der Kanzel bezeugen dagegen den normannischen Einfluss auf die Kunst Nicolas. Für die Kanzel hat der Bildhauer außerdem die Porträts des Stifters Nicola und seiner Ehefrau Sigilgaida della Marra als Münzporträt gearbeitet. Vielleicht dokumentiert sich gerade darin die überhebliche Selbsteinschätzung der Rufolo, die letztendlich zu ihrem Sturz beitrug, war das Münzporträt doch eigentlich Fürsten und Königen vorbehalten.

Besonders prächtig sind die Bronzetüren des Doms von Ravello. Deren vielen, kleinen Reliefs hat Barisano da Trani gegossen. Wahrscheinlich stellt die Fülle von Kämpfern, Heiligen und Propheten die Mysterien der christlichen Welterlösung dar. Die Tür in Ravello erinnert stark an die Bronzetür, die Barisanus für die Kirche San Nicola in Trani hergestellt hat. Meistens ist der Dom San Pantaleone ziemlich leer. Denn Besucher verirren sich eher selten hierher. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass Ravello anders als zu Zeiten Ferdinand Gregorovius oder Richard Wagners heute nicht mehr so sehr wegen seiner Sehenswürdigkeiten und Zeugnisse einer arabisch normannischen Mischkultur bekannt ist, sondern wegen seiner umwerfenden Ausblicke auf dis Amalfiküste und den Golf von Salerno.

Statue des Apollo im Garten der Villa Cimbrone in Ravello.
Der verführerische Park von William Beckett
Skulptur des David im Garten der Villa Cimbrone an der Amalfiküste.
Von Florenz nach Süditalien, der David des Donatello

Die Villa Cimbrone und deren sagenhafter Park

Die spektakulärste Aussicht über diese zauberhafte Küste und das Meer bietet sich vom Belvedere der Villa Cimbrone. Schon Gregorovius war durch diesen Garten auf einem steilen Felsvorsprung gewandert und hat eine bis heute gültige Beschreibung der Villa verfasst. Er schreibt von der Villa als “einem in Oleandern und Rosen vergrabenen Landhause eines reichen Neapolitaners, welches von der Höhe des Felsens kühn ins Meer hinuntersieht. Diese Vigna ist unvergleichlich, und vor allem setzte mich die große Pergola oder Rebenlaube in Erstaunen, die quer durch den Garten läuft. Es war ein von weißen Pfeilern getragenes Dach, ganz in Rebenlaub gehüllt… Am Felsenrande ein Belvedere, von erschrecklichen Marmorfiguren eingefaßt”.

Die Gartenanlage, die Gregorovius vor über 150 Jahren beschrieben hat, ist noch genauso da. Die herrlichen Rosen, die Pergola, die erschrecklichen Marmorfiguren. Verändert hat sich allerdings das Haus. Anfang des 20. Jahrhunderts lässt sich ein Engländer, “ein Mann mit schnell wechselnder Begeisterung – ein Frauenheld, Spieler, Opportunist und Dilettant” und Bankrotteur in Ravello nieder. Ernest William Beckett, Lord Grimthorpe, der sowieso lieber in Frankreich oder in Italien als im feuchten England residierte, erwirbt den Park und die Villa.

Der britische Dandy war einstmals als Londons größter Liebhaber bekannt, bis seine Geliebte, Alice Keppel, ihn wegen des Prinzen of Wales hatte sitzen lassen. Beckett pflegte einen außergewöhnlichen Umgang mit Oskar Wilde und war sogar mit Auguste Rodin befreundet. Zu ihm schickte er seine Verlobte Eve Fairfax, um ihr Porträt als Hochzeitsgeschenk anfertigen zu lassen. Zwischen Bildhauer und Modell entspann sich eine Affäre, die pikanterweise bis zu Rodins Tod andauern sollte. Außerdem war William Beckett Kassenwart der Internationalen Opern Akademie in Paris, obwohl er eigentlich nicht mit Geld umgehen konnte.

Inschrift an der Villa Cimbrone in Ravello.
Nichts Menschliches ist mir fremd …
Blick auf die Amalfiküste vom Belvedere der Villa Cimbrone.
… hier ist sehen und schweigen besser als reden

Lord Grimthorpe – Ein englischer Dandy in Ravello

Denn Grimthorpe hatte zuvor das ansehnliche Vermögen seiner amerikanischen Frau und die Millionen seines Erbonkels, Edmund, verschleudert. Seine Brüder hatten ihn aus der Leitung der elterlichen Bank Beckett & Co in Leeds hinaus komplementiert, weil er nicht mit Geld umzugehen verstand. Becketts finanzielle Schwierigkeiten wurden offensichtlich, als er 1906 unmittelbar nach dem Erdbeben von San Francisco, wo er erhebliche Summen investiert hatte, begann seine umfangreiche Kunstsammlung zu verkaufen. Wahrscheinlich blieb ihm nach diesem Bankrott nur das freiwillige Exil in Ravello. Kein schlechter Ort, um die Nerven zu beruhigen und ebenso wir Nevile Reid vor ihm eine Tuberkulose auszukurieren.

Die Begeisterung für die Oper und das bewegte Leben des Lords, das ein bisschen an das dramtische Schicksal Landolfo Rufolos erinnert – allerdings ohne das wundervolle Happyend –  mag das Leitmotiv erklären, das Beckett für die Renovierung der Villa wählt: Humani nil a me alienum puto, Nichts Menschliches ist mir fremd. Die Villa selbst ist eine Art Kulissenarchitektur. Sie wird mit einer Art Kreuzgang erweitert, ein Saal mit dem vielversprechenden Namen Krypta wird gebaut und im Park entsteht ein Pavillon, dessen Dekorationen an jene in der Villa Rufolo erinnern.

Hier ist sehen und schweigen besser als reden

Im weitläufigen Park der Villa ließ Grimthorpe Kopien berühmter Skulpturen auf saftig grünen Rasenflächen verteilen: die Wasserträgerinnen aus Herculaneum etwa oder einen knusprigen Apollo. In einer kleinen Wildnis versteckt, findet sich der neckische Knabe David, aus der Hand des berühmten Donatellos aus Florenz, das seinerzeit als eine Anspielung auf Homosexualität verstanden werden konnte. Dazu gesellen sich Kopien der berühmten Antilopen, die der Kaiser Augustus vor seinen Bibliotheken in Rom hatte platzieren lassen. Es sieht so aus, als wolle Lord Grimthorpe mit dieser Gartenarchitektur antike Villen, wie zum Beispiel die Villa Oplontis kopieren.

Der Garten ist trotz der Pergola, die einmal quer durch den Garten läuft, überaus raffiniert angelegt. Denn kleine Ausblicke lassen zwar, unten an der Amalfiküste Richtung Minori und Maiori das fantastische Blau des Thyrenischen Meeres aufblitzen. Sie machen neugierig, aber verraten nicht, was am Ende des verschatteten Laubenganges auf den Besucher wartet. Ein Blick, der die Augen übergehen lässt und den Ferdinand Gregorovius so beschreibt: “Von hier aus sieht man die strahlenden Meeresweiten, die Küsten Kalabriens mit ihren silbernen Bergspitzen, die mächtig ragende Punta di Conca und das finstre Kap d’Orso bei Magiori; alle diese Berge von den schönsten Schwingungen der Formen, von einer ernsten, bronzenen Plastik. Ja, dies ist eine Aussicht, die man mit tagelanger Mühe erkaufen würde; und hier ist sehen und schweigen besser als reden.”

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