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Rom im Winter; ein Blick zurück

Rom will jeder. Am besten zwischen Ostern und Oktober. Dann trampeln sich Millionen Touristen gegenseitig auf die Füße. Dabei bleibt das ewige Rom im Winter ebenso schön wie im Frühling oder Sommer. Vielleicht noch schöner, denn es ist fast menschenleer …

Meinen ersten richtigen Job mit festem Arbeitsplatz und geregelter Arbeitszeit hatte ich in Rom. Das ist schon ziemlich lange her. Ich habe in einer kleinen Produktionsfirma für Fernsehfilme gearbeitet. Der deutschfranzösische Fernsehsender Arte war ein wichtiger Auftraggeber, da war ich als Deutscher herzlich willkommen.

Es war nur ein kurzes Intermezzo, nicht weiter der Rede wert. Aber zwei Begegnungen mit meinem damaligen Chef, er war ein sehr erfolgreicher Kameramann für Fußballübertragungen, sind ganz besonders in meiner Erinnerung verdrahtet. Er gab mir zwei unschlagbar wichtige Tipps, die mein Leben in eine andere Richtung gelenkt haben.

Zwei Tipps eines Römers, die mein Leben verändert haben

Den ersten Tipp empfing ich unterhalb der Mauern des Vatikans auf der Via Porta Cavalleggeri. Der italienische Lebemann sprach väterlich zum nordischen Greenhorn:

“Rasier dich ordentlich, dann klappt das auch besser mit den Mädchen.”

Graffiti eines Tigers in der Metro Station, Spanische Treppe, in Rom

Der zweite Tipp ereilte mich am Ufer des Tibers, genauer am Lungotevere Flaminio. Wir standen nach einem Interview mit Sportlern des noblen Ruderclubs Circolo Canottiere Roma etwas ratlos auf der Straße. Es war ein kühler Nachmittag im April. Er zog den Kragen seines Kamelhaarmantels enger an den Hals und sprach:

“Mach es nie wie die Touristen und zieh dich schon im April für den Sommer an! Richtig warm wird es in Italien erst Ende Juni. Bis Ende Juni brauchst Du in Rom einen Mantel.”

Mach es wie die Römer!

Ich habe noch viele andere Dinge von ihm gelernt. Zum Beispiel: dass die römischen Häuser ursprünglich nie schreiend Gelb getüncht waren. Einst waren sie in den schönsten Erdtönen des Latiums bemalt. Oder dass die alten Römer den Tiber Biondo Tevere nannten. “So blond wie du, wenn du dir die Haare endlich mal ordentlich wachsen ließest.“ Beendete er die Geschichte über den Fluss.

Mein Chef war eben ein echter italienischer Padrone, wie ein Vater oder besser wie ein tyrannischer Feudalherr kümmerte er sich um jedes Detail der Bella Figura. Liebenswert und ziemlich nervig. Irgendwann, wir kannten uns schon besser, fragt er mich:

“Warst Du eigentlich schon im Pantheon?”
“Nein”
“Du machst es wie die Römer! Wir gehen nie ins Pantheon.”

Das war mein Ritterschlag!

Postkarte mit dem Kolosseum in Rom

Dann war der schöne Gastauftritt in Rom vorbei. Gute Ratschläge hat mein römischer Chef großzügig verteilt. Gutes Geld dagegen weniger. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge bin ich zurück nach Deutschland gegangen. Aber ich komme weiterhin mit Begeisterung als Reisender und Gast in die Ewige Stadt.

Rom im Winter: tutto perfetto

“Mach es nie wie die Touristen …” Das dröhnt mir noch heute im Ohr. Deswegen fahre ich besonders gerne im Winter nach Rom. Ende November bis Ende Februar. Das ist die perfekte Reisezeit für die Ewige Stadt. Häufig scheint die Sonne am winterlich wolkenlosen Himmel. Die Temperaturen sind mild. Nur manchmal regnet es. Ganz ehrlich, wenn es regnet, dann nicht zu knapp. Aber im Winter haben die Römer ihr Rom fast ganz für sich. “Nur fast“, denn Rom hat das ganze Jahr Saison. In den Wintermonaten lässt der Trubel erheblich nach, das touristische Rom schaltet mehrere Gänge zurück und das ist richtig wohltuend. Für die Römer sowieso, doch ebenso für die Reisenden.

Schaufenster einer Touristen Bar in Rom

“Mach es nie wie die Touristen …” So ein Satz hat auch Auswirkungen auf das Besichtigungsprogramm. Er bedeutet keinen Petersdom, keine Piazza Navona, kein Colosseum. Aber was dann? Ich habe in diesem Winter drei Spaziergänge durch Rom gemacht. Alle drei schlagen einen großen Bogen um die klassischen Sehenswürdigkeiten der Ewigen Stadt und führen dennoch an höchst sehenswerte und spektakuläre Punkte in Rom. In einer kleiner Serie stelle ich die Spaziergänge durch Rom vor. Die kannst Du auch zwischen Ostern und Oktober machen!

3 Spaziergänge in Rom

Foro Italico und Quartiere Flaminio

Rom bewirbt sich für Olympia! Schon 1960 fanden olympische Sommerspiele in Rom statt. Für 1940 waren welche geplant. Wettkampfstätten entstanden auf dem Foro Italico und im Stadtviertel Flaminio. Beim Spaziergang durch olympische Sportarenen entdecke ich jüngste Vergangenheit und zeitgenössische Kunst. Hier findest Du den Spaziergang durch das Foro Italico und das Quartiere Flaminio.

Domus Aurea & Celio

Kolosseum, Palatin und Forum weltbekannte Besuchermagneten im Zentrum Roms. Die will jeder sehen! Gibt es neben diesen Megasehenswürdigkeiten noch Interessantes zu entdecken? Ich habe mich nach Alternativen umgesehen und bin in einem goldenen Haus und auf dem Celio fündig geworden. Hier findest Du Tipps und Informationen zur Domus Aurea und zum Celio.

Piazza dei Cinquecento – Die Geschichte von den 3 Roms

Die Piazza dei Cinquecento, der riesige Platz vor der Stazione Termini in Rom, ist immer in Bewegung. Menschen kommen an und hasten sofort weiter. Eigentlich schade! Denn auf der Piazza gibt’s viel zu entdecken: die Geschichte von den 3 Roms. Geschichten und Tipps rund um die: Piazza dei Cinquecento.

Verschiedene römische Souveniere