Suche
Close this search box.
Suche
Close this search box.
Der Palazzo Ducale von Federico Montefeltro in Urbino vor den Hügeln der Region Marken in Italien.

Urbino! Die Wiege der Renaissance in Italien

Das zauberhafte Urbino versteckt sich zwischen den sanften Hügeln der Region Marken in der Mitte Italiens. Der Kunstmäzen und Kriegsunternehmer Federico da Montefeltro und ganz besonders der weltberühmte Maler Raffaello Sanzio haben Urbino zu einem Hotspot für die Kultur der Renaissance in Italien gemacht. Die kleine Universitätsstadt wurde deswegen von der UNESCO zur Welterbestätte erklärt. Hier erfährst Du, welche Sehenswürdigkeiten Du in Urbino entdecken kannst, wo Du einen Aperitivo trinken solltest und wo es das beste Essen gibt.
Inhalt

Urbino – Eine Stadt in der Mitte Italiens

Urbino ist eine faszinierende Stadt mit einer außergewöhnlich strahlenden Vergangenheit! Um zu dieser Wiege der Renaissance zu gelangen, sollte man allerdings bereit sein, Umwege zu gehen und steile Straßen hinauf zu steigen. Denn das – südlich von Rimini gelegene – Urbino versteckt sich tief in den malerischen Hügeln der Marken, jener unbekannten Region in der Mitte Italiens. Wegen der bedeutende Rolle der Stadt bei der Entwicklung der Renaissance Kultur in Italien wurde Urbino von der UNESCO als Welterbe ausgezeichnet.

Tatsächlich liegt Urbino trotz seines Ruf und seiner fantastischen Sehenswürdigkeiten abseits der beliebten Reiserouten in Italien, die von der Toskana über Rom bis an den Golf von Neapel aber nicht bis in die Marken reichen. Deswegen ist die ehemalige Hauptstadt des Herzogtum von Urbino auch nicht von Touristen überrannt. Außer natürlich in den Sommermonaten. Denn dann überschwemmen gelangweilte Strandurlauber aus Rimini, Riccione oder Fano auf der Suche nach Abwechslung vom ewig gleichen Strandleben die kleine Stadt in den Marken.

Dabei ist Urbino eher ein abweisender Ort. Zwar wird die Stadt immer wieder als Idealstadt der Renaissance verherrlicht. Aber diese Vorstellung ist ziemlich weit hergeholt. Denn Urbino beeindruckt vor allem durch eine mittelalterlich Altstadt, die sich an steilen Straßen und Gassen den Hügel hinaufzieht.

Blick auf den Dom in der Altstadt von Urbino.
Der Dom, Kirche für den legendären Stadtheiligen Crescentino
Gasse in der Altstadt von Urbino.
Diese steilen Gassen musst Du gehen! Und zwar in Urbino immer wieder …

Die Sehenswürdigkeiten der Altstadt von Urbino

Alle Häuser in der Altstadt Urbinos sind aus blässlichem Backstein errichtet, das ist wenig abwechslungsreich und geradezu verstörend langweilig. Kein Baum, kein Busch, noch nicht mal flatternde Wäsche über der Straße nur ein paar Blumenkästen lockern diese Monotonie ein wenig auf. Deswegen lässt sich Urbino nur als eine spröde weniger aber eine schöne Stadt bezeichnen. Wie so häufig im Leben, verstecken sich hinter dieser Sprödheit aber äußerst bemerkenswerte Reize. Deswegen lohnt es sich auf jeden Fall genauer hinzuschauen.

Das Zentrum der Altstadt Urbinos ist ein Brunnen auf der Piazza della Republica. Dort stoßen vier Hauptstraßen aufeinander, an denen alle relevanten Attraktionen der Altstadt zu finden sind. Denn von der Piazza führt die Via Vittorio Veneto hinauf zum Dom und zur berühmtesten Sehenswürdigkeit Urbinos, dem Palazzo Ducale, ehemalige Geschäftsadresse des legendären Fürsten und Kriegsunternehmer Federico da Montefeltro.

Die Via Raffaello auf der anderen Seite der Piazza weist den Weg zum Geburtshaus des bekanntesten Sohns der Stadt, dem Maler Raffaello Sanzio. Weiter geht es auf dieser Straße zum schwurbeligen Denkmal für diesen hoch verehrten Künstler und zum herrlichen Panorama von der Fortezza Albornoz.

Über die Via Giuseppe Manzini lässt sich schließlich das sehenswerte Oratorium San Giovanni erreichen. Die Via Cesare Battisti führt hinunter zu dem sehr empfehlenswerten Restaurant Portanova. Viel mehr Programm ist übrigens bei einem Tag in Urbino gar nicht zu schaffen. Aber einen Absacker im Caffè Basili sollte am Ende des Tages noch drin sein. Denn ein schöner Tag klingt mit einem leckeren Aperitivo besonders entspannt aus.

Auf der Piazza spielt auch ein wenig Studentenleben. Tatsächlich ist Urbino seit 1506 Universitätsstadt, das fällt allerdings gar nicht weiter auf. Sogar eine Kunstakademie gibt es im Geburtsort des berühmten Malers Raffaello Sanzio. Wo denn sonst, wenn nicht hier, könnte man fragen.

Porträt Federico da Montefeltro, der Herzogs von Urbino.
Federico da Montefeltro, der Herzog von Urbino gemalt von Piero della Francesca

Federico da Montefeltro der Herzog von Urbino

Ohne den Palast des Federico da Montefeltro lässt sich die besondere Bedeutung Urbinos im Italien der Renaissance gar nicht ermessen. Darum lohnt es sich auf jeden Fall als erstes den Palazzo Ducale zu besuchen. Federico da Montefeltro war einer der reichsten Männer seiner Epoche. Sein unermessliches Vermögen hatte er als Kriegsunternehmer zusammengerafft. Dabei schreckte Herr Montefeltro vor Morden, Brandschatzen und Plündern nicht zurück. Vielleicht wollte er das Blut, das an seinen Händen klebte, mit dem Bau eines spektakulären Firmensitzes und der ungeheueren Prachtentfaltung seines fürstlichen Hofes vergessen machen. Vielleicht war die Förderung von Kunst und Kultur aber auch nur geschicktes Marketing, um sich seiner Kundschaft als erfolgreicher Kriegsunternehmer zu präsentieren. Wie auch immer …

Federico gelang es mit einer geschickten Unternehmenskommunikation nicht nur den König von Neapel, den Papst oder die Stadt Florenz als Auftraggeber zu ködern. Sogar Jacob Burkhard, der ausgewiesene Kenner der Renaissance-Kultur bescheinigt:

Urbino besass in dem grossen Federigo … einen der vortrefflichsten Repräsentanten des Fürstentums. Als Condottiere hatte er die politische Moralität der Condottieren … ; als Fürst seines kleinen Landes befolgte er die Politik, seinen auswärts gewonnenen Sold im Lande zu verzehren und dasselbe möglichst wenig zu besteuern. 

Jacob Burckhard, Die Kultur der Renaissance in Italien

Burckhard geht sogar so weit, den Staat im Herzogtum Urbino als Kunstwerk zu bezeichnen. Seinen Sold verzehrte Federico da Montefeltro übrigens dadurch, dass er wie russische Oligarchen teuere Kunstwerke einkaufte, noch teuerere Bücher erwarb und sich in Urbino eine Residenz errichten ließ, die Italien so noch nie gesehen hatte. Als Architekt für den Palazzo Ducale konnte der Herzog von Urbino Luciano Laurana gewinnen. Großzügig durch Kriegseinnahmen finanziert, entwickelte sich in den abgeschiedenen Hügeln der Marken also der glänzendste Fürstenhof der Renaissance in Italien.

Palazzo Ducale von Urbino Innenhof nach Entwürfen von Laurana.
Größte Sehenswürdigkeit in Urbino und Ideal der Renaissance in Italien: Innenhof des Palazzo Ducale

Der Palazzo Ducale

Dem genialen Laurana ist es gelungen, in Federicos Unternehmenszentrale die Wehrhaftigkeit einer Burg mit der Eleganz eines Palasts zu verschmelzen. Der gewaltige Palazzo Ducale in Urbino türmt sich schroff über dunklen Kellern und Geschossen auf. Ganz oben erwartet den Besucher dann ein lichter und harmonischer Innenhof. Vergleichbar ist diese großartige Architektur eigentlich nur mit dem Gonzaga Palast in Mantua.

Der Palazzo Ducale di Urbino ist heute ein Museum und Sitz der Nationalgalerie der Marken. Ein Besuch des Museums lohnt besonders wegen des berühmten Studiolos von Federico da Montefeltro und der Meisterwerke Piero della Francescas. Darüberhinaus lassen sich zauberhafte Dekorationen an Kaminen, Türrahmen und Deckengesimsen entdecken. Auch die Betrachtung der wertvollen Intarsien an den Türen kann außergewöhnliches Vergnügen bereiten. Unübersehbar ist aber das feiste Eigenlob, dass Federico da Montefeltro in seinem Palast ziemlich aufdringlich versprühen lässt.

Gemälde aus dem Studiolo von Federico da Montefeltro im Palazzo Ducale von Urbino in den Marken.
In seinem berühmten Studiolo im Palazzo Ducale von Urbino versammelt Federico da Montefeltro Porträts berühmter Gelehrter aus Italien und Europa …
Porträt Federico da Montefeltro in seinem Studiolo.
… sich selber stellt der Herzog inmitten eines unordentlichen Bücherschranks und seiner polierten Rüstungen dar

Das Studiolo von Federico da Montefeltro in Urbino

Das winzige Studierzimmer des Herzogs Federico im Palazzo Ducale von Urbino ist einer der schönsten Innenräume und größten Sehenswürdigkeit des 15. Jahrhunderts, die sich in Italien erhalten hat. Wozu Federico sein Studiolo nutzte, muss sein Geheimnis bleiben. Sicher ist nur, dass sich dieses kleine Gemach nicht zur eifrigen Lektüre oder gar dem Studium wertvoller Handschriften eignete. Obwohl der Herzog eine der größten und wertvollsten Bibliotheken seiner Zeit unterhielt. Aber zum Lesen sind die Lichtverhältnisse im Studiolo einfach viel zu schlecht. Genauso wenig wird der Montefeltro Herzog hier seine Korrespondenz erledigt haben.

Dabei scheint dieser Raum doch gerade für intellektuelle Beschäftigungen prädestiniert zu sein. Denn in geöffneten Bücherschränken stapeln sich unordentlich abgelegte Bücher. Wissenschaftliche Gerätschaften und Musikinstrumente laden zur intensiven Beschäftigung mit ihnen ein. Die Rüstung dagegen hat der Herzog abgelegt und seinen Degen achtlos in der Ecke abgestellt. Er selbst lässt sich als friedvoller Philosoph in Toga porträtieren. Weit geöffneten Bücherschränke vermitteln den Eindruck, der Hausherr sei mal schnell aus dem Zimmerchen geeilt, aber kehre jeden Augenblick in diesen Musentempel zurück.

Äußerst begabte Handwerke aus Florenz haben diese lebendigen Einlegearbeiten aus kostbaren Hölzern angefertigt. Die Entwürfe für diese außerordentlichen Stillleben könnten von dem berühmten Maler Sandro Botticelli und dem Architekten Michelozzo stammen. Vielleicht wirken sie deswegen perspektivisch so verwirrend echt.

Detail aus einer Wandverkleidung im Palazzo Ducale von Urbino in Italien.
Der gute Fürst sorgt wie das Eichhörnchen für schlechte Zeiten vor …

Die Nase Italiens

In ihrem sehr lesenswerten Buch, Die Nase Italiens, haben Bernd Roeck und Andreas Tönnesmann das Studiolo als eine besondere Form des Herrscherlobs interpretiert. “Es ist der Friedensfürst Federico, der in diesem Raum sein Laboratorium der Macht eingerichtet hat“, schreiben sie und fahren fort:

Mit ihrer kostbaren Ausstattung boten die herzoglichen studioli in Urbino und Gubbio hingegen ideale Voraussetzungen für Einzelempfänge ohne Gefolge, wie sie ranghohen Besuchern vorbehalten waren. Ihnen enthüllte sich hier … das Bild des princeps doctus – so bedacht inszeniert und so kunstvoll in Marterie gefasst, dass es jede denkbare Wirklichkeit übertraf.

Bernd Roeck & Andreas Tönnesmann, Die Nase Italiens, S. 170 f

Dieses zauberhafte Studierzimmer scheint ebenso zu den Marketingmaßnahmen zu gehören mit denen der Herzog von Urbino sein Bild in der Öffentlichkeit Italiens definieren und schärfen wollte.

Gemälde von Piero della Francesca in der Nationalgalerie der Marken.
Madonna von Senigallia, Piero della Francesca um 1474

Piero della Francesca in der Nationalgalerie der Marken

In der Nationalgalerie der Marken in Urbino lassen sich zwei Meisterwerke Piero della Francescas bewundern: die geheimnisumwitterte Geißelung Christi und die Madonna von Senigallia. Wahrscheinlich beauftragte Federico da Montefeltro den berühmten Maler mit dem Gemälde der Mutter Maria. Der Herzog wollte es seiner Tochter Giovanna zur Hochzeit mit Giovanni della Rovere schenken. Das könnte – so meinen einige Interpreten – erklären warum der eine Engel weiblich der andere aber männlich ist. Denn damit wären Giovanna und Giovanni gemeint.

Wer sich ein wenig mit der Darstellung des Supermodels Maria in der Kunstgeschichte auskennt, bemerkt sofort wie einzigartig die Madonna von Senigallia ist. Denn Piero della Francesca stellt die Madonna als eine ziemlich menschliche Frau in einem typischen Innenraum des 15. Jahrhunderts dar. Wie viel sich Piero bei den flämischen Malern abgeschaut hat, lässt sich an seiner detaillierten Darstellung des Lichts, der Perlenketten und ganz besonders am Gewand der Mutter Maria erkennen.

Die Geißelung Christi von Piero della Francesca in Urbino ist eines der kontrovers diskutierten Kunstwerke in Italien. Inzwischen sollen mehr als 40 Deutungen dieses kleinen Gemäldes vorliegen. Die spannendste ist sicherlich die Vermutung, dass Piero in dem Gemälde einen berüchtigten Kriminalfall des 15. Jahrhunderts verschlüsselt hätte. Im Palazzo Ducale lassen sich noch viele erstaunlichste Kunstwerke entdecken, zum Beispiel in der großartigen Sammlung außergewöhnlich schöner Majolika. Aber mich zieht es nun zum Oratorio San Giovanni.

  • Palazzo Ducale und Galleria Nazionale delle Marche; Adresse: Piazza Rinascimento, 13, 61029 Urbino PU, Italien. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 08:30 – 19:15; Donnerstag bis 23:15. Eintritt: 8 Euro; auf der Museums Website gibt es mehr Informationen
  • Literaturtip: Bernd Roeck & Andreas Tönnesmann, Die Nase Italiens, Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino; Berlin 2007
  • Bernd Roeck; Mörder, Maler und Mäzene, Piero della Francescas “Geißelung“, Eine kunsthistorische Kriminalgeschichte, München 2006
Ausgemaltes Oratorium in Urbino.
Die bunte Fresken im Oratorium San Giovanni Battista malen die Brüder Jacopo und Lorenzo Salimbeni um das Jahr 1416 …
Fresko mit der Taufe Christi.
… selten wurde in Italien die Taufe im Jordan so derb und direkt dargestellt wie in Urbino

Das Oratorio San Giovanni Battista

Das Oratorium San Giovanni Battista ist eine eher verborgene Sehenswürdigkeit in Urbino, denn es liegt in einer der verwinkelten Sträßchen der Altstadt. Berühmt ist dieses Gebetshaus, weil dessen Innenraum mit kostbaren bunten Fresken geschmückt ist. Die Bilder erzählen etwas effekthascherisch und mit sehr viel Liebe zum Detail Geschichten aus dem Leben Johannes des Täufers. Gemalt wurden sie im Auftrag einer wohltätigen Bruderschaft um 1416 von den Brüdern Jacopo und Lorenzo Salimbeni.

Nach dem Parcours durch die repräsentativen Säle im Palazzo Ducale sind diese bunten unterhaltsamen Bilder eine wunderbare Abwechslung. Ein Blick auf die Fresken macht aber auch klar, dass erst die künstlerischen Interventionen Federico da Montefeltros die kleine Residenzstadt Urbino in die erste Liga unter den Residenzstädten Italiens katapultiert haben.

Gleich um die Ecke befindet sich das Oratorium San Giuseppe. Hier wird deutlich wie volkstümlich die Religiosität dieser wohltätigen Bruderschaften war, die sich mit Krankenpflege oder Sozialfürsorge um die Bedürftigen verdient gemacht haben. Natürlich darf in diesem Gebetshaus eine Weihnachtskrippe nicht fehlen. Im Oratorium San Giuseppe hat sie der Bildhauer Fredercio Brandani um 1550 lebensgroß und in Stuck ausgeführt

  • Oratorio San Giovanni Battista; Adresse: Via Federico Barocci, 31, 61029 Urbino PU, Italien; Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 10:00 – 13:00 und von 15:00 – 18:00; Eintritt: 5,00 Euro
  • Oratorio San Giuseppe; Adresse: Via Federico Barocci, 42, 61029 Urbino PU, Italien; Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag von 10:00 – 13:00 und von 15:00 – 18:00
Krippe in einem Gebetshaus in Urbino.
Krippe aus Stuck im Oratorium San Giuseppe
Skulptur im Geburtshaus Raffael Sanzios in Urbino.
1893 in Italien, so stellte sich der Bildhauer Alessandro Massarenti den jungen Raffael Sanzio in Urbino vor

Raffaello Sanzio – Das Genie von Urbino

Raffael wurde am Karfreitag des Jahres 1483 nachts drei Uhr in Urbino, einer berühmten Stadt Italiens, geboren. Sein Vater war Giovanni Santi, als Maler ohne besondere Vorzüge, jedoch ein verständiger Mann und geeignet, seinen Sohn auf den guten Weg zu leiten, der ihm zu seinem Mißgeschick in der Jugend nicht gezeigt worden war.

Giorgio Vasari, Künstler der Renaissance

Der arme Giovanni Santi kommt bei Vasari nicht gut weg. Wahrscheinlich zu Unrecht, denn in Urbino war Giovanni Santi geschätzter Hofmaler bei Federico da Montefeltro. Er hatte es zu ansehnlichem Wohlstand gebracht und hinterließ, als er 1494 starb, seinem elfjährigen Sohn nicht nur ein großes Haus in der Altstadt von Urbino sondern auch eine florierende Malerwerkstatt. Welche Ausbildung Raffael Sanzio dort erhielt oder ob er die Geheimnisse der Malerei erst bei Pietro Vanucci in Perugia lernte, wird immer noch diskutiert.

Fresko von Raffael aus Urbino.
Wer hat es gemalt? Der Vater oder der Sohn … ?

Das Geburtshaus Raffael Sanzios

Im Geburtshaus des Raffael Sanzio wird auf jeden Fall ein Fresko gezeigt, von dem es früher hieß, der stolze Vater habe in Gestalt der Mutter Maria mit Kind seine Ehefrau mit dem Kleinkind Raffael porträtiert. Heute möchte man in diesem Gemälde das früheste Werk des genialen Malers Raffaello Sanzio erkennen. Wer so malen kann, braucht eigentlich keine Ausbildung von Perugino mehr möchte man meinen.

In Raffaels Geburtshaus in Urbino ist heute ein Museum eingerichtet. In der Casa Natale wird versucht, ein irgendwie authentisches Bild des Malerhauses um 1500 zu rekonstruieren. Besonders rührend ist der Stein, auf welchem die Gehilfen Giovanni Sanzios die Farben für dessen etwas steife Bilder gerieben haben sollen. Interessant ist es auf jeden Fall zu entdecken, dass die Sanzios schon vor der Geburt des Genies Raffaello anscheinend eine wohlhabende und hochangesehene Familie in Urbino waren.

Etwas weiter die Via Raffaello hinauf wurde auf der Piazzale Roma ein Denkmal für den genialen Künstler errichtet. Im 19. Jahrhundert nahm man irrtümlich an, Raffaello sei der größte Maler aller Zeiten. Doch weder diese Fehleinschätzung noch der offensichtlich schlechte Geschmack der Belle Epoque kann das süßliche Geschwurbel nach Entwürfen von Luigi Belli erklären.

Besonders ratlos machen die 3 nackten Knaben, die doch allen Ernstes den jungen Raffael bei seinen ersten Zeichenversuchen zeigen sollen. In der Kirche Santissima Annunziata erreicht der Raffael-Kult in Urbino dann seinen faden Höhepunkt. Denn dort hat man tatsächlich das Grabmal des Künstlers aus dem Pantheon in Rom maßstabgetreu nachgebaut. Zum Glück ist es nur ein kurzes Stück zur Festung des Kardinal Albornoz. Von hier oben gibt es eine kostenlose Sehenswürdigkeit, den herrlichen Panoramablick auf den Palazzo Ducale und die Altstadt von Urbino. Lohnenswert!

  • Casa Natale di Raffaello; Adresse: Via Raffaello 57, 61029 Urbino PU, Italien. Öffnungszeiten: Montag – Samstag von 09:00 – 13:00 und von 15:00 – 19:00, Sonntag und Feiertage von 10:00 – 13:00 und von 15:00 – 18:00; mehr Infos auf der Museums-Website
  • Denkmal für Raffael; Adresse: Piazzale Roma, 61029 Urbino PU, Italien
Denkmal für Raffael Sanzio in Urbino.
Detail vom Denkmal für den berühmten Maler Raffael in Urbino

Tipps für einen Tag in Urbino

  • Für die Besichtigung von Urbino solltest Du mindestens einen vollen Tag einplanen. Denn es gibt in der Stadt Federico da Montefeltros und Raffaels ziemlich viele Sehenswürdigkeiten zu entdecken
  • Stell dich darauf ein, dass Urbino eine Stadt auf einem Hügel ist. Das heißt, Du gehst ständig recht steile Straßen auf und ab
  • Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Urbino am besten von Pesaro aus zu erreichen. Der Busbahnhof in Pesaro befindet sich direkt neben Bahnhof. Von hier aus fahren alle 30 Minuten Busse Richtung Urbino. Die Fahrtzeit beträgt ca. 60 Minuten. Hier findest Du die Fahrpläne der Linea Verde von Pesaro nach Urbino und der Linea Rossa in die Gegenrichtung
  • Setz Dich am Ende des Tages in ein Caffè auf der Piazza della Republica im Zentrum Urbinos und trink einen leckeren Aperitivo
  • Plane genug Zeit für die Mittagspause ein, denn in Urbino kannst Du die deftigen Gerichte der Region Marken in vielen guten Restaurants kennenlernen
  • Probiere einen Snack mit einer köstlichen Crescia, dem typischen Fladenbrot aus Urbino
Zwischen der verführerischen Crescia mit grünem Spargel und Fenchel-Pesto …
… und dem natürlich viel zu klein portionierten Dessert lag ein großartiges Mittagessen im Restaurant Portanova

Die innovative Küche der Marken

Ein besonders Highlight in Urbino ist die Küche des Restaurant Portanova. Ich habe das Restaurant zufällig beim schlendern durch den kleinen Ort entdeckt und war sofort von der sympathischen Atmosphäre angetan. Das junge Team hat es gewagt, während der Corona Pandemie dieses kleine Restaurant zu öffnen und sich damit den Wunsch erfüllt, die regionale der Küche der Marken auf höchstem Niveau zu präsentieren. Also spielen Wild, Hülsenfrüchte, Stockfisch, Trüffel und saisonales Gemüse die Hauptrolle auf der Speisekarte.

Das Ambiente des Speiseraums ist funktional. Die Köche wirbeln hinter großen Glasscheiben zwischen ihren Pfannen und Töpfen und freundliche Kellner*innen erklären kenntnisreich, was die Küche und die Keller an Köstlichkeiten zu bieten haben. Zeit sollte der Gast schon mitbringen. Denn hier kommt kein schneller Happs auf den Tisch. Reservieren nicht vergessen und nix wie hin!

  • Ristorante Portanova; Adresse: Via Cesare Battisti, 67, 61029 Urbino PU, Italien; Öffnungszeiten: Freitag – Dienstag von 12:30 – 14:30 und von 19:30 – 21:30, Donnerstag von 19:30 – 21:30, Mittwoch Ruhetag, Telefon: +39 340 903 6715 oder +39 0722 040726, Website, Preise: €€€

Mehr interessante Reisebericht aus Italien: