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Fresko in der Villa Oplontis in Torre Annunziata.

Die Villa Oplontis – Welterbe am Golf von Neapel

Die Villa Oplontis in Torre Annunziata – auch bekannt als Villa der Poppea – ist eine Wucht. Die Ausgrabung dieses römischen Luxusanwesens für Superreiche ist als UNESCO Weltkulturerbe gelistet und trotzdem eine Art Geheimtipp am Golf von Neapel. Deswegen solltest Du die Villa Oplontis auf jeden Fall besuchen! Dann ist da noch die moderne Stadt Torre Annunziata und das Meer. Goethe hat es hier vor über 200 Jahren gut gefallen, aber wie sieht es heute aus?
Inhalt

Die Villa Oplontis in Torre Annunziata

Die Villa Oplontis ist ebenso wie die viel bekanntere römische Stadt Pompeji oder das Hafenstädtchen Herculaneum bei dem katastrophalen Vulkanausbruch des Vesuvs im August des Jahres 79 von einem Regen aus glühender Asche verschüttet und zerstört worden. Aber anders als die Ausgrabungen von Pompeji oder Herculaneum hat sich die Ausgrabung von Oplontis nie zu einem Publikumsmagneten entwickelt.

Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die römische Villa in Torre Annunziata erst in den 60er Jahre des letzten Jahrhunderts ausgegraben worden ist. Zwar wurde die Villa zur gleichen Zeit wie das nahegelegene Pompeji entdeckt. Doch Pompeji und Herculaneum, deren Ausgrabungen schon seit dem 18. Jahrhundert von berühmten Reisenden besucht wurden, erlangten durch die Schriften von Goethe, Charles Dickens und Mark Twain Weltruhm. Die Villa Oplontis dagegen führte ein Schattendasein.

Die Küste Kampaniens war bei der Oberschicht des antiken Roms als Campania Felix bekannt und als Reiseziel äußerst beliebt. Augustus war der erste römische Kaiser, der in Baia auf den Phlegräischen Feldern etwas nördlich von Neapel seinen Urlaub verbrachte. Nero, Caligula und Hadrian machten es ebenso. Und natürlich eiferte die römische Oberschicht den Herrschern nach.

Darum entstand entlang der Küste des Golfs von Neapel eine Villa neben der anderen. Die meisten dieser hochherrschaftlichen Gebäude sind immer noch unter einer meterdicken Schicht aus Asche und Lava des Vesuv begraben. Deswegen ist die Besichtigung der Villa Oplontis auch so beeindruckend, sie gewährt einen einzigartigen Einblick in die Urlaubs- und Freizeitwelt superreicher Römer.

Garten in der Villa der Poppea.
Einer der vielen Gärten im dem luxuriösen Sommerhaus am Golf von Neapel

Oplontis – Ein Urlaubsparadies für reiche Römer

In der Villa Oplontis sind inzwischen über 90 Räume ausgegraben worden, die Aufschluss darüber geben, wie unvorstellbar luxuriös der Sommerurlaub am Golf von Neapel gewesen sein muss. Manchen sind winzige Kammern andere prächtige Säle. Aber alleine das Schwimmbecken ist 60 Meter lang.

Mit dem Bau des exklusiven Ferienhaus wurde um das Jahr 50 v. Chr begonnen. Es ist davon auszugehen, dass die ursprüngliche Villa bei mehreren Umbauten verändert worden ist. Ein verheerende Erdbeben im Jahr 63 n. Chr, das den Ausbruch des Vesuv ankündigte hatte weite Gebiete Kampaniens schwer verwüstete. Dabei wurde auch die Villa Oplontis so beschädigt, dass sie erneuert werden musste. Zur Zeit des Vesuv Ausbruchs war die Renovierung noch nicht abgeschlossen. Der Vesuv hat also eine Baustelle verschüttet. Nichtsdestotrotz wurden in der Villa 58 Skelette ausgegraben. Es wird angenommen, die Menschen hätten sich während des Vulkanausbruchs in die Villa geflüchtet. Aber ihr Versteck wurde ihnen zum Verhängnis, denn sie kamen dort ums Leben.

Den Name Oplontis hat die Villa übrigens von einem gleichnamigen Ort erhalten, der auf der Tabula Peutingeriana verzeichnet ist. Diese mittelalterliche Karte zeigt das römische Straßennetz. Sie ist, um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, die Kopie einer Straßenkarte, die wahrscheinlich Ende des 4. Jahrhunderts entstanden ist. Erstaunlicherweise sind die Orte und Straßen in Kampanien, die knapp 300 Jahre zuvor vom Vesuv verschüttet worden waren, immer noch auf der Karte verzeichnet, also auch Oplontis. Archäologen bezeichnen die Villa Oplontis heute einfach als Villa A, denn ganz in den Nähe wurden noch Villa B und C entdeckt. Aber für das Sommerhaus am Meer wurde früher ein viel spektakulärerer Name verwendet: Villa der Poppea.

Die Grabung der Villa Oplontis in Torre Annunziata.
Die Villa Oplontis von außen. Die Villa liegt mitten in der modernen Stadt, unter der Kaserne rechts sind bestimmt noch weitere Räume der Villa zu finden

Die fantastische Villa der Poppaea

Villa der Poppaea. Was für ein prominenter Name. Wäre doch großartig, wenn die riesige römische Villa, die unter der Stadt Torre Annunziata ausgegraben wurde, ein Palast der verruchten Ehefrau des Kaisers Nero wäre. Die schöne Poppaea kam ja ganz aus der Nähe, sie wurde in Pompeji geboren. Mit über 3000 m² bietet diese antike Villa tatsächlich ziemlich viel Auslauf. Aber für das kaiserliche Luxusweib Poppaea wäre die Villa am Golf von Neapel nur winzig gewesen. Wo hätte sie ihre berühmten 500 Eselstuten unterbringen sollen, denen sie die köstliche Eselsmilch für das morgendliche Bad abzapfte, um ihren makellosen hellen Teint zu erhalten? Genau, dafür gibt es hier so gar keinen Platz.

Also wurde down gegraded. Inzwischen heißt die Villa offiziell nun Villa Oplontis. Villa A ist doch ein bisschen nüchtern und lässt sich im Tourismusmarketing nur schlecht bewerben. Auch als Name einer UNESCO Welterbe Stätte taugt ein einfaches “A“ nicht wirklich.

Plan der Villa Oplontis.
Mit diesem praktischen Grundriss der Villa Oplontis fällt die Orientierung in der Ausgrabung leicht. Erhältlich ist der Plan an der Kasse der Ausgrabung

Weltkulturerbe Villa Oplontis

Es gibt viele gute Gründe, die Villa Oplontis zu besuchen. Sie ist bequem mit der Nahverkehrsbahn Circum Versuiviana von Neapel oder Sorrent aus zu erreichen. Touristen überrennen die Villa Oplontis nicht. So wie es in Pompeji geschieht. Außerdem ist der Besuch der Villa auch ein Ausflug in die Natur. Im wunderbaren Villengarten blühen Oleanderbüschen und reifen Granatäpfel.

Garten-Archäologen haben diesen Garten al antica rekonstruiert. Sie glauben, dass der antike Garten der Villa genauso ausgesehen hat, wie sie ihn wieder hergestellt haben. Links und rechts rieseln noch Asche und kleinste Bimssteine in die Ausgrabung hinein. Mit diesen winzigen Steinchen wurden Haus und Grünanlage im August 79 unserer Zeit beim Vesuv Ausbruch verschüttet. Geologen können aus diesen Schichten sogar die 7 Phasen des Vesusv Ausbruchs heraus lesen. Last but not least: Die Villa Oplontis ist einfach irre schön.

Vulkanische Asche mit der die Villa Oplontis verschüttet wurde.
Bimssteine, Asche und Lapilli. Mit diesem vulkanischen Material wurde die Villa Oplontis im Jahr 79 verschüttet.

50% only

Die Villa Oplontis ist nur zur Hälfte ausgegraben. Jenseits der Straße, unter dem Gelände einer Kaserne, liegt die andere Hälfte der Villa unter vulkanischer Asche verborgen. Es werden noch weitere prächtige Gebäude verschüttet im Untergrund vermutet, aber an die kommt niemand heran, denn Torre Annunziata ist über das antike Erbe gewuchert. Überhaupt reicht die moderne Stadt ziemlich nah an die Villa heran, charakterlose Hochhäuser verstellen den Blick im Hintergrund.

Aber genug von der ernüchternden Gegenwart, vorwärts in die fantastische Vergangenheit zur Villa Oplontis. Auch Wenn nur 50 % der Villa sichtbar sind, sie liefern ein tolles Bild davon, wie sich reiche Römer im 1. Jahrhundert unserer Zeit am Golf von Neapel vergnügt haben.

Wie so häufig rund um Neapel bleibt der großartige Eindruck nicht ungetrübt. Bei den Restaurierungen der siebziger und achtziger Jahre kam viel Beton und Stahl zum Einsatz. Es wurde versucht, damit die äußere Form der Villa wieder her zu stellen. An jeder Ecke lässt sich heute sehen, dass das Geld fehlt, das Weltkulturerbe Villa Oplontis richtig zu erhalten und zu pflegen. Baugerüste stören den Blick und behindern den Rundgang. Das ist natürlich wahnsinnig traurig!

Aber wahr ist auch: am Golf von Neapel gibt es so viele antike Sehenswürdigkeiten und so wenig Geld, das historische Erbe angemessen zu bewahren. Also abwarten und in der fernen Zukunft wiederkommen, wenn alles fertig ist.

Versteinerte Fensterläden in der Villa der Poppea.
Sogar die Fensterläden der Villa Oplontis haben den Vesuv-Ausbruch überstanden

Die Villa Oplontis – Römischer Luxus in 3D

Im Zentrum der Villa befindet sich das große Atrium, eine Art Empfangssaal. Merkwürdigerweise hat dieser zentrale, repräsentative Raum ein Dach mit quadratischem Loch in der Mitte. Auf so eine Idee kommt man wahrscheinlich nur im Süden. Unterhalb der quadratischen Öffnung ist ein großes Wasserbecken in den Boden eingelassen. So sehen alle Artrien in römischen Häusern aus, das ist also nichts Besonderes.

Besonders sehenswert ist die Villa Oplontis wegen der fantastischen Ausmalungen vieler Räume im sogenannten 2. pompejanischen Stil. Das trifft auch auf dieses Atrium zu. Außergewöhnlich prächtig sind in diesem Raum die gemalten Theaterkulissen an den Wänden, sie schimmern in Gold und dem berühmten Pompejanisch-Rot. Säulen, Gesimse, elegante Scheintüren und Treppen gliedern die Wand in spektakuläres 3D. Kostbare, Gold verzierte Glasgefäße und Öllampenhalter sind in Nischen gemalten Nischen abgestellt, um die perspektivische Tiefe der gemalten Wand besonders zu betonen.

War dieser Raum genauso prächtig eingerichtet, wie er ausgeschmückt ist? Oder sollte der gemalte Schmuck darüber hinweg helfen, dass das Leben auf der Villa Oplontis nicht ganz so reich und sorglos war, wie es in den Wandmalereien den Anschein hat? Wir wissen es ja gar nicht. Auch die Wände der kleinen Schlafzimmer, der Cubicula, ganz in der Nähe des Atriums sind mit fantasievoll gestalteten Theaterkulissen bemalt, die den Raum perspektivisch weiten. Besonders faszinierend aber ist ein Fensterladen, der von den zerstörerischen Massen der vulkanischen Asche aus den Angeln gedrückt worden ist.

Villa Oplontis, römische Wandmalerei.
Das Atrium der Villa Oplontis. Römische Wandmalereien und Restaurierung der Moderne

Sommer am Golf von Neapel

Die Besitzer haben die Villa wohl nur in den Sommer Monaten bewohnt. Wahrscheinlich kamen sie aus dem fernen Rom. Hier am Golf von Neapel, in Campania Felix, der Glücklichen Landschaft, haben sie sich den Stress der Großstadt aus den Knochen geschüttelt. Standesgemäß taten sie so, als ob sie während des Sommers auf das Negotium, das Geld verdienen, verzichten könnten. Lieber gaben sie sich dem Otium, der Muße, hin. Sie schrieben Gedichte, machten Musik, vielleicht trieben sie Sport oder studierten die Philosophie des guten Lebens. So wie es der Besitzer der Villa dei Papiri in Herculaneum machte. In seiner Bibliothek wurden verkohlter Schriften der Epikureer entdeckt, die heute im Archäologischen Nationalmuseum Neapel gezeigt werden.

Im Sommer brennt in Süditalien den ganzen Tag die Sonne. Es wird irre heiß. Deswegen ist die Villa mit einem schattigen, kühlen Wandelgang umgeben. Sehr praktisch. Denn der Wandelgang führt mich weiter zum nächsten Raum.

Auch die Wände dieses Salons sind mit Theaterkulissen ausgemalt. Auf den Gesimsen werden kleine Stillleben abgestellt: Gelbe Quitten in einer Kristallschale. Reife Feigen unter einem Netz. Birnen in einem Korb. Eine Torte belegt mit roten Kirschen. Exotenfrüchte wie Apfelsine oder Zitrone fehlen. Die kannten die antiken Römer nicht. Anscheinend war dieser Salon eine Art Speisezimmer. Der kleine Raum sieht aus, als hätten die Besitzer hier nicht nur sehr gesund sondern auch in Saus und Braus gelebt. Vielleicht ist auch das nur schöner Schein.

Ein Garten wie ein Paradies

Etwas weiter befinden sich die dunklen Quartiere für das Personal und für die Sklave. Auch hier gibt es Malereien an den Wänden, aber nur in einfachem Schwarzweiß und etwas Grau. Prächtig? Fehlanzeige! Soziale Unterschiede werden knallhart durch Abstufungen von Eleganz und Schönheit ausgedrückt. Die eher schlichten Malereien im Sklavenquartier gehören zum 4. Stil der pompejanischen Malerei, sie sind wahrscheinlich während der Renovierung nach dem Erdbeben entstanden.

Besonders beeindruckt mich dann allerdings das große Schwimmbad, regelrechte Wettkampf-Dimension. Umgeben ist es von einem Labyrinth aus kleinen verschachtelten Zimmern, Kämmerchen und Innenhöfen. Müssen wir uns so ein antikes Spa oder eine Wellness Oase vorstellen? Auf den Wänden gehen stolze Pfauen spazieren, in den gemalten Büschen sitzen kleine Vögelchen. In Brunnen und in kleinen Kaskaden plätscherte einst erfrischendes Wasser. Dieser gemalte Paradiesgarten erfreut mit vielen reizvollen Details, die jede Betrachter*in von den guten alten Zeiten träumen lassen. Die zauberhaften Dekorationen in diesem Wellness Center werden übrigens dem 3. pompejanischen Malstil zugeordnet.

Und schon bin ich wieder im Garten am Ausgangspunkt meines Rundgangs durch die Villa der Poppea. Mein Fazit: die superreichen Römer haben es richtig schön gehabt. Hier unten in der Ausgrabung ist es idyllisch schön. Über mir lärmt die moderne, chaotische Stadt. Und dann fällt mir ein: In Torre Annunziata bin ich noch nie am Meer gewesen.

Römische Wandmalereien aus der Villa Oplontis in Torre Annunziata.
Ein Blick in den gemalten Garten der Villa Oplontis
Des Eisenbahn Viadukts von Torre Annunziata.
Mein erster Blick auf den Golf von Neapel in Torre Annunziata

Auf der Suche nach dem Meer

Tatsächlich bin ich in Torre Annunziata auch noch nie auf die Idee gekommen, bis hinunter an den Hafen oder gar den Strand zu gehen. Komisch! Dabei liegt Torre Annunziata direkt am Golf von Neapel. Für mich ist der Golf von Neapel doch die schönste Küstenlandschaft der Welt. Vielleicht sind auch in Torre Annunziata die Küste und das Meer fantastisch schön.

Ich weiß es bis heute nicht. Denn hier in dieser kleinen Stadt in der Peripherie des Molochs Neapel ist das Meer für mich unglaublich fern. Johann Wolfgang von Goethe hat nach seinem Besuch der Ausgrabungen von Pompeji in Torre Annunziata am Meer zu Mittag gegessen, er schreibt:

Wir aßen zu Torre dell‘ Annunziata, zunächst des Meeres tafelnd. Der Tag war höchst schön, die Aussicht nach Castell a Mare und Sorrent nah und köstlich. … einige meinten, es müsse ohne den Anblick des Meeres doch gar nicht zu leben sein. Mir ist schon genug, dass ich das Bild in der Seele haben …

Goethe, Italienische Reise

Damals war die Küste wohl recht schön. Ein Bild in der Seele. Ein Anblick, ohne den es sich nicht zu leben lohne. Toll! Heute trau ich mich nicht mal in die Nähe. Warum? Ferngehalten haben mich bis jetzt tatsächlich die Angst und die Unsicherheit. Genauer muss ich sagen, das Vorurteil, dass Torre Annunziata unglaublich gefährlich ist. Das wird mir von allen Seiten auch immer wieder erzählt. “Pass auf! Torre Annunziata ist gefährlich!” wird mir zugeraunt. “Mach Dich schnell wieder auf den Rückweg, wenn Du Dir die Villa Oplontis angesehen hast.”

Aber heute traue ich mich mal: ich suche Strand und Meer und Hafen in Torre Annunziata. Den Ausblick auf das Meer ohne den ein Leben sich nicht lohne. Das Bild das Goethe in der Seele weggetragen hat.

Also mache ich mich auf den Weg in die Stadt. Es ist ein Sonntag Vormittag. Die Stadt ist dennoch sehr belebt. Geschäfte sind geöffnete. Alte Männer besorgen beim Fischhändler auf der Straße noch schnell den frischen Fisch für das Sonntagsmahl. Aus der Pasticeria, der Konditorei, werden riesige Pakete mit Süßigkeiten nach Hause getragen. Gefährlich oder bedrohlich? Nein! Ich werde ziemlich freundlich von Menschen auf der Straße angesprochen. „Tedesco?“ Deutsch?

Torre Annunziata kommt mir eher traurig oder trostlos vor. Alte Häuser verfallen. Die Eingänge mit rostigen Gittern und Rolladen verrammelt. Eine barocke Kirche, mit Bauzaun abgesperrt, sinkt leise stöhnend in sich zusammen. Die Bühne des Politeama Theaters seit über 40 Jahren nicht bespielt. Die Leuchtreklame am Cinema Moderno windschief verblasst. Torre Annunziata, erscheint mir trotz des geschäftigen Lebens als eine sterbende Stadt. Die Bewohner, die Menschen sind noch da. Aber die Stadt zerrinnt, zerbläht, zermodert zu einem geflickten Teppich ohne Form und ohne Gestalt. Überall präsent die wirtschaftliche und soziale Misere der südlichen Peripherie Europas.

Blick auf den Hafen von Torre Annunziata.
Ein monströses Eisenbahn-Viadukt trennt Torre Annunziata vom Meer

Auf den Spuren von Goethe – Der Strand von Torre Annunziata

Und plötzlich bin ich fast am Meer. Ich kann es schon sehen, gerahmt durch die Bögen eines monströsen Viadukts. Oben brettert mit ohrenbetäubenden Lärm der Schnellzug Neapel-Salerno. So ist das also: Torre Annunziata ist eine eingesperrte Stadt. Eingepfercht zwischen der Autobahn im Osten und einem Eisenbahn Viadukt, das die Stadt wie ein mittelalterlicher Schutzwall vom Meer abtrennt. Torre Annunziata heute das ist eine Stadt am Meer, doch paradoxerweise ist Torre Annunziata eine Stadt ohne Meer.

Ich gehe am Hafen entlang und komme an die Villa Communale, den Stadtpark. Ein pflegeleichter Garten zugegossen mit Beton. Etwas weiter entdecke ich die Spiaggia Risorgimento. Ich setze mich in die Bar, aus den Lautsprechern dröhnt Italo-Pop, dann trinke ich einen Aperitif, schaue auf den schwarzen Strand und bekomme den ersten Sonnenbrand des Jahres 2016. Und auch mir entsteht ein Bild in der Seele. Ganz ehrlich, ich möchte es nicht so gerne mit nachhause nehmen.

Blick auf die Berge der Monte Latari der Halbinsel von Sorrent.
Zu Goethes Zeit muss es hier schöner gewesen sein. Blick vom Strand Torre Annunziatas auf die Halbinsel von Sorrent. Es ist Vorsaison. Der Strand ist noch nicht hergerichtet

Praktische Tipps zum Besuch der Villa Oplontis

  • Am besten fährst du aus Richtung Neapel oder Sorrent mit der Bahn, der Circum Versuviana, wenn Du die Villa Oplontis besuchen möchtest. Vom Bahnhof in Torre Annunziata ist es nur ein kurzes Stück zur Fuss zur Villa Oplontis. Du brauchst eigentlich nur geradeaus zu gehen, darum kannst Du die Villa, die sich auf der linken Straßenseite, hinter einer hohen Mauer versteckt, fast nicht verfehlen.
  • Für den Besuch der Villa Oplontis solltest Du ein bis zwei Stunden einplanen. Denn zwar kommt es manchmal vor, dass Du die Villa ganz für Dich alleine hast, das ist natürlich toll. Aber manchmal sind auch Schulklassen in der Ausgrabung. Dann ist es gut, etwas mehr Zeit zu haben, damit man in den engen Räumen der Gruppe ausweichen kann.
  • Wenn Du nur die Villa Oplontis besuchen möchtest, kann es ratsam sein, etwas zu trinken und einen Snack einzupacken, denn die Verpflegungsangebote rund um die Villa sind sehr überschaubar.
  • Besonders gut lässt sich die Besichtigung der Villa in Torre Annunziata mit einem Besuch der Ausgrabungen von Herculaneum verbinden. Wenn Du Dir am Vormittag Herculaneum anschaust, bleibt Dir nach der Mittagspause ausreichend Zeit für einen Besuch in Oplontis und der Villa der Poppea.

Wenn Du mehr über den Golf von Neapel erfahren möchtest, dann lies auch diese Artikel:

Villa Oplontis Eintritt & Ticket

Die Villa Oplontis ist von April bis Oktober von 9:00 bis 19:30 geöffnet, letzter Einlass ist um 18:00 Uhr von November bis März ist die Villa von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet, der letzte Einlass ist um 15:30. Der Eintritt kostet 7,00 Euro, es gelten verschiedene Ermäßigungen. Alle Informationen zum Eintritt findest Du hier. (Stand dieser Information 03/2022)

Es gibt so viel Sehenswürdiges am Golf von Neapel zu entdecken. Da addieren sich die Eintrittspreise schnell zu einer bemerkenswerte Summe. Wenn Du außer der Villa Oplontis noch Pompeji besuchen möchtest, dann lohnt sich schon das Kombiticket für 3 Archäologische Grabungen. Das kostet nämlich nur 18 Euro.

Wenn Du noch intensiver in die fantastische Fülle der Sehenswürdigkeiten am Golf von Neapel eintauchen möchtest, dann solltest Du Dir überlegen die Campania Arte Card zu kaufen. Damit erwirbst Du für 3 oder 7 oder sogar 365 Tage den Eintritt in viele Ausgrabungen, Museen und Kampanien. Für mich ist das der best Deal!