Zugfahren in Italien – Tipps für eine perfekte Bahnfahrt

Zugfahren in Italien ist ein ziemlich gute Idee und eigentlich ein Kinderspiel, denn das Streckennetz ist in Italien in vielen Regionen super ausgebaut. Aber gerade im Süden Italiens ist Bahnfahren manchmal etwas kompliziert. Hier erfährst Du, worauf Du achten solltest.

Mit dem Zug und öffentlichen Verkehrsmitteln durch Italien zu reisen ist eine richtig gute Idee. Ich mache das tatsächlich ziemlich oft. Nicht nur weil Zugfahren auch in Italien eine nachhaltige und klimafreundliche Form des unterwegs seins ist, sondern ganz einfach weil ich keinen Führerschein habe. Ich habe also gar keine andere Wahl. Ich muss mich immer fahren lassen und so bin ich mit Bus oder Bahn bis in die abgelegensten Ecken Italiens gekommen.

Ein bisschen Vorbereitung war nötig, manchmal habe ich auch viel Zeit verplempert. Belohnt worden bin ich aber immer durch reizende Begegnungen mit Land und Leuten und durch Momente der Verlangsamung des Reisens, die mir ein verpasster Zug oder ein verspäteter Bus geschenkt haben.

Zugfahren in Italien ist ziemlich einfach, wenn es darum geht sich zwischen den großen und bekannten Metropolen zu bewegen. Von Turin im Norden bis nach Salerno im Süden sind die Großstädte des Landes mit einem hervorragenden Streckennetz für Hochgeschwindigkeitszüge verbunden.

Mailand, Bologna, Florenz Rom und Neapel sind Reiseziele, die sich unkompliziert mit äußerst chicken Bahnflitzern erreichen lassen. Schnellzüge mir fantastische Namen wie Frecciarossa, Roter Pfeil oder Italo versprechen dem Reisenden Zugfahrten mit bis zu 400 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit. Wäre das nicht toll, wenn sich die Deutsche Bahn die italienischen Bahnunternehmen zum Vorbild für Geschwindigkeit und ganz besonders für Pünktlichkeit nehmen könnte.

Frecciarossa und Italo – Hochgeschwindigkeit made in Italy

Denn auf den Hochgeschwindigkeitstrassen Italiens herrscht ein harter Wettbewerb. Das Staatsunternehmen Trenitalia wird seit 2012 auf den Rennstrecken zwischen Mailand und Neapel vom Privatunternehmen Italo herausgefordert.

Dieser Wettbewerb belebt das Geschäft und sorgt für vernünftige Ticket-Preise. Die sind tatsächlich um 40% gesunken und machen Zugreisen in Italien zu einem preiswerten Vergnügen. Außerdem lockt das vielfältige Bahn-Angebot zwischen Mailand und Salerno immer mehr Italiener vom Flugzeug oder vom Auto in den Zug. Das ist auch gut so.

Abseits der profitablen Rennstrecken zwischen Mailand und Neapel sieht es aber anders aus. Der Regionalverkehr ist auch in Italien ein vernachlässigtes Geschäft. In Norditalien funktioniert der regionale Bahnverkehr eigentlich ganz gut, auch wenn es manchmal verwundert, dass zum Beispiel eine Stadt wie Siena so kompliziert mit dem Zug zu erreichen ist. Süditalien dagegen ist mit seiner Bahninfrastruktur ziemlich unterentwickelt.

Zugreisende warten im Bahnhof von Florenz.
Bahnfahren wird in Italien immer beliebter seitdem Schnellzüge die Metropolen miteinander verbinden

Eine sehr kurze Geschichte der ersten Eisenbahn in Italien

Das hat historische Gründe. Die Geschichte des italienischen Eisenbahnverkehrs beginnt wie überall in Europa Mitte des 19. Jahrhunderts mit kleinteiligen, voneinander getrennten Eisenbahnstrecken. Die erste Eisenbahnlinie wurde 1839 zwar im Königreich beider Sizilien zwischen Neapel und dem Küstenstädtchen Portici eröffnet. Kurz darauf folgte eine Eisenbahnstrecke im Raum Turin.

Aber mit der Entstehung des italienische Nationalstaat konzentrierte sich die Industrialisierung auf den Norden, wo in einem Dreieck zwischen Turin, Genua und Triest ein dichtes Streckennetz aus Schnell- und Regionalzügen entstand, das sich heute bis in die hochindustrialisierte Po-Ebene ausdehnt.

Eine zweite Achse des italienischen Schienennetz entstand zwischen Mailand und Neapel und führte über Bologna, Florenz und Rom Richtung Süden. Entlang dieser Strecke entwickelte sich das moderne Hochgeschwindigkeitsnetz westlich des Apennins, während die Bahnstrecken entlang der Adria vernachlässigt wurden. Das führt dazu, dass Bari, die Hauptstadt der Region Apulien vor allem mit Regionalzügen zu erreichen ist. Denn bis heute ist Bari nicht an das italienische Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen, aber die Planungen dafür sind im vollen Gange.

Das Bahnnetz in Süditalien ist leider in unterschiedlichste Teilnetze zerstückelt. Außer dem Staatsunternehmen Trenitalia betreiben lokale Anbieter die Regionalzüge und vor allem die Nahverkehrszüge in Süditalien. Diese Kleinteiligkeit macht Zugfahren im strukturschwachen Süden zu einer herausfordernden und vor allem zeitraubenden Angelegenheit.

Mit etwas Geduld und ein bisschen Zeit sind Zugreisen aber auch in Süditalien ein Erlebnis. Am spektakulärsten ist dabei wohl die Strecke von Reggio di Calabria bis nach Tarent. Denn diese Bahnstrecke führt entlang der Küste des ionischen Meers von der italienischen Stiefelspitze bis zum Stiefelabsatz. Zeit braucht es auch, denn für die Strecke von Reggio di Calabria bis Tarent sind gut 7 Stunden einzuplanen.

Screenshots der Bahn-App, die Zugfahren in Italien sehr erleichtert.
Die Bahn-App von Trenitalia ist super benutzerfreundlich und sogar auf deutsch. Das erleichtert die Reise mit der Bahn ungemein

Gibt es eine App für Bahnfahren in Italien?

Das manchmal unübersichtliche Angebot an Zugverbindungen in Italien lässt sich ziemlich gut mit der aufgeräumte Smartphone App von Trenitalia überblicken. Denn in der App finden sich neben dem Fahrplan der italienischen Staatsbahn auch die Verbindungen vieler regionaler Bahnunternehmen. Das ganze sogar auf Deutsch. Das Beste dabei, die App funktioniert nicht nur in Italien sondern auch in Deutschland, so dass sie sich schon vor der Reise gut zur Recherche von Zugverbindungen sogar von Nahverkehrszügen nutzen lässt.

Einziges Manko der App: es können nur Trenitalia Tickets erworben werden. Die Fahrkarten der Mitbewerber dagegen müssen an Verkaufsstellen vor Ort oder im Internet gekauft werden. Wenn Du mit dem Zug durch Italien reisen möchtest, dann solltest Du dennoch auf die Service-Angebote der Trenitalia App nicht verzichten. Für die Italo Schnellzüge gibt es übrigens eine weitere App, um Reservierungen vorzunehmen und die Fahrkarten für die Italo Züge zu buchen.

Was muss ich beim Zugfahren in Italien beachten?

Ein großer Nachteil des Bahnreisens in Italien ist die häufig ziemlich große Distanz zwischen Bahnhof und Zentrum der Stadt. Bei den Metropolen Turin, Mailand, Rom oder Florenz ist das in der Regel kein Problem. Aber wenn Du am Bahnhof von Assisi aus dem Regionalzug steigst, dann ist das Zentrum mit seinen Sehenswürdigkeiten noch ziemlich weit weg und nur mit dem Taxi oder dem Bus zu erreichen. Gerade bei vielen sehenswerten, uralten Städten, die in Italien häufig in den Bergen liegen, ist es so, dass die Bahnhöfe meist weit entfernt in der Ebene liegen. An eine Weiterreise vom Bahnhof in der Pampa bis zum eigentlichen Ziel solltest Du bei der Planung Deiner Bahnreise durch Italien auch noch denken.

Regionalzüge werden in Italien häufig von Schülern und Studenten auf dem Weg zur Schule oder zur Uni genutzt. Da kann es vorkommen, dass die Züge gerade zu den Stoßzeiten rappelvoll sind. Für die einen ist das eine gute Gelegenheit Land und Leute kennenzulernen, andere finden überfüllte Züge eher unangenehm. Da musst Du Dir bei der Zeitplanung überlegen, was Dir lieber ist.

Geschlossener Ticket Schalter im Bahnhof.
Leider ein sehr typisches Bild. Ticket Schalter sind häufig geschlossen, deswegen ist es besser Bahnfahrkarten online oder am Automaten zu erwerben

Wo kann ich Zugtickets in Italien kaufen?

Zugfahrkarten gibts auch in Italien am bequemsten im Internet sowie in der Trenitalia oder Italo App. An vielen Bahnhöfen gibt es Automaten, an denen Tickets gelöst werden können. Gerade für Regionalzüge und Nahverkehrszüge können Fahrscheine aber häufig auch in Tabacchi oder Kiosken gekauft werden, die auch Busfahrkarten verkaufen.

Fahrkarten am Schalter im Bahnhof zu kaufen, ist häufig mit langen Warteschlangen verbunden und deswegen nicht empfehlenswert. Du solltest nicht vergessen, dass am Fahrkartenschalter eine Wartemarke gezogen werden muss, ohne diese wird man nicht bedient.

Eine Besonderheit in Italien ist, dass Fahrkarten für Hochgeschwindigkeitszüge und alle anderen Züge auf Papier im Bahnhof vor Fahrtantritt entwertet werden müssen. Erst nach der Entwertung ist der Fahrschein ein gültiges Reisedokument. Automaten in denen die Fahrscheine entwertet werden können, finden sich in der Regel in jedem Bahnhof vor dem Zugang zu den Gleisen.

Für welche Züge in Italien ist eine Reservierung erforderlich?

Für die Hochgeschwindigkeitszüge ist in Italien eine Sitzplatzreservierung zwingend erforderlich. Die Reservierung erfolgt deswegen automatisch bei der Buchung einer Fahrkarte.
Eine Reise darf nur mit dem Zug angetreten werden, für den eine Reservierung vorliegt. Das gilt auch für Tickets ohne eine Zugbindung.

Im Falle, dass der Zug verpasst wird, muss die Reservierung für einen anderen Zug erneuert werden. Im Falle, dass der Zug verpasst wird und für das Ticket eine Zugbindung gilt, muss ein neues Ticket gekauft werden.

Für Intercity Züge ist in Italien keine Reservierung notwendig aber empfehlenswert, besonders dann wenn die Fahrt an einem Wochenende stattfinden soll.

Reizvoll ist außerdem das Upgrade in die 1. Klasse. Gerade die Frecciarossa bietet ausgesprochen extravagante Ambiente, um mit dem Zug durch Italien zu reisen. Auch wenn diese Züge besonders elegant sind, eine Sache fehlt häufig: das Zugrestaurant. Mit diesen stromlinienförmigen Flitzern geht das Reisen so schnell, dass für ein stillvolles Pranzo im Zug einfach keine Zeit mehr bleibt. Also bleibt die Küche kalt.

Blick aus dem Zugfenster.
Bahnfahrer werden mit den tollsten Ausblicken belohnt. Hier zum Beispiel mit einem Blick auf den Lago Maggiore und die Borromäischen Inseln

Sind Zugreisen in Italien sicher?

100% Sicherheit lässt sich nirgends garantieren. Aber mit einem gerüttelt Maß an Vernunft und gesunden Menschenverstand sind Zugreisen in Italien eine sichere Angelegenheit.

Manchmal gibt es Streiks in Italien. Aber auch das immer seltener. Wichtig ist, dass auch bei einem Streik ein notwendiges Angebot an öffentlichem Nahverkehr aufrecht erhalten wird. Dann wird es vielleicht etwas enger in Bus und Bahn. Die Fortbewegung ist dennoch gesichert.

Besonders bequem lassen sich die Lombardei und die Emilia Romagna mit dem Zug bereisen, Auch im Veneto und der Toskana ist mit der Bahn fahren kein Problem. Sogar am Golf von Neapel lassen sich die bedeutenden Sehenswürdigkeiten mit dem Zug erreichen. Das Latium und Umbrien sind ebenfalls gut mit Bahnstrecken erschlossen. Allein in Süditalien sollten die Bahnreisen abseits der Haupttrassen gut überlegt und geplant sein.

Ein bisschen Statistik zum Streckennetz in Italien am Schluss

Um Dich davon zu überzeugen, dass die Reise mit dem Zug in Italien gut funktionieren kann, noch ein paar Fakten zu Schluss. Das Streckennetz in Italien umfasst:

  • Komplettes Schienennetz 16.724 km
  • Hochgeschwindigkeitsnetz 1.000 km
  • Doppelgleisige Strecken 7.563 km
  • Eingleisige Strecken 9.161 km
  • Davon elektrifiziert 11.941 km
  • 2.100 Eisenbahntunnel
  • 26.000 Brücken und Viadukte
  • 2.200 Bahnhöfe

Und jetzt schnell ran, plan Deine Reise in den Süden mit dem Zug! Falls Du eine richtige Europareise mit dem Zug unternehmen möchtest, findest Du bei the man in seat 61 gute Unterstützung bei der Vorbereitung.

Wenn Du gerne Berichte über Bahnreisen liest, dann ist Im Orientexpress nach Istanbul eine tolle Lektüre für Dich, genauso wie der Bericht über eine Bahnfahrt im Nachtzug nach Lissabon.