Rom-Kolosseum_010

Domus Aurea & Celio – Rom 2/3

Kolosseum, Palatin und Forum weltbekannte Besuchermagneten im Zentrum Roms. Die will jeder sehen! Gibt es neben diesen Megasehenswürdigkeiten noch Interessantes zu entdecken? Ich habe mich nach Alternativen umgesehen und bin in einem goldenen Haus und auf dem Celio fündig geworden.

Kolosseum, Palatin und Forum Romanum. Jeder Rom-Tourist bewundert diese Mega Sehenswürdigkeiten bei seinem Aufenthalt in der Ewigen Stadt. Im Kolosseum feierten die Römer bei Brot und Spielen, auf dem Palatin herrschten die Kaiser, vom Forum Romanum aus wurde das Imperium gelenkt. Ganz klar, kein Weg führt an diesen Monumenten vorbei. Sie haben ihre 5***** voll verdient!

Aber war es das oder gibt es im Schatten dieser gigantischen Besuchermagnete noch was anderes zu entdecken? Frage ich mich. Tatsächlich werde ich fündig.

Nero und sein Goldenes Haus- Endlich wohnen wie ein Mensch!

Ganz in der Nähe des Kolosseums verbirgt sich zum Beispiel das Goldene Haus, verschüttet unter den grünen Hängen des Colle Oppio. Durch ein mächtiges Eisentor betrete ich einen irgendwie ungepflegten Park. Grünanlagen haben ihn Rom häufig ein hartes Los. Linker Hand führt mich ein Weg zu einem bescheidenen Eingang, der erst seit kurzem wieder für die Besucher geöffnet ist. Dahinter das Goldene Haus.

Rom Domus Aurea Grundriss

Grundriss des Goldenen Haus. Die weißen Flächen sind ausgegraben, die grauen verschüttete Fundamente von Thermen

Domus Aurea. Ein luxuriös und geheimnisvoll vibrierender Name. Sein Klang beflügelt die Fantasie, sich das prächtigste und herrlichste Märchenschloss auszumalen. Nero, der wahnsinnige Künstler, der Muttermörder und erste Christenverfolger auf dem römischen Kaiserthron, war der Bauherr dieser gigantischen Palastanlage. Wie Größenwahnsinnige wohnen, das ist doch immer interessant, oder?

Der Palast umfasste drei Hügel, dehnte sich mitten in Rom vom Palatin über den Celio bis zum Esquilin und bedeckte über 80 Hektar Fläche. Viel größer als die Kleinstadt Pompeji und da lebten zur Zeit Neros fast 20.000 Menschen. Beim Einzug in sein neues Heim verkündete Nero bescheiden: “Jetzt fange ich doch endlich an, wie ein Mensch zu wohnen.” So erzählt es auf jeden Fall der Kaiserbiograph Sueton.

Gefährliches Halbwissen

Das, was ich über Nero weiß, kenne ich aus dem Kino. Für mich sieht Nero aus wie Sir Peter Ustinov in Quo Vadis. Ein durchgeknallter Weichling, mit kindlich-sadistischen Zügen, der nicht mehr alle Tassen im Oberstübchen hat. Ein Tyrann, nur auf die schnelle Befriedigung seiner Bedürfnisse aus. Koste es was es wolle. Dazu passt, was die Klatschbase Sueton über die Einrichtung des Goldenen Hauses zu erzählen weiß.

Alles war “mit Gold, edlen Steinen und Perlmutter ausgelegt. Die Speisezimmer hatten getäfelte Decken von Elfenbeinplatten, die beweglich waren, um Blumen herabzustreuen, und Röhren enthielten, um wohlriechendes Wasser von oben über die Gäste zu sprengen. Der Hauptspeisesaal war rund; seine Decke drehte sich in einem fort Tag und Nacht wie das Weltall herum. Die Bäder waren mit Meerwasser oder mit Wasser aus Schwefelquellen gespeist.”

Domus Aurea Blick in den runden Saal

Der runde Saal. Die erste Kuppel in einem Palast

Das hört sich an nach Luxus pur. Mal überprüfen, was sich von Neros feistem Palast noch erhalten hat. Der Eintritt in diese kaiserlichen Hallen ist auch heute noch schwierig. Einlass in kleinen Gruppen nur nach Voranmeldung. Das funktioniert online oder aber, so habe ich es gemacht, direkt an der Kasse. Um 9:30 geht es los. Nach und nach tröpfelt eine Gruppe bildungshungriger Rom-Besucher zusammen. Wir alle haben gelbe Schutzhelme auf dem Kopf. Denn heute ist das Goldene Haus eine riesige unterirdische Baustelle.

Rom Domus Aurea Gang

Baustellenführung im Goldenen Haus.

Lauter Überraschungen. Der Partykeller Domus Aurea

Gleich zu Beginn des Rundgangs gibt es ein spannendes Update in Geschichte. Ich erfahre, dass der Name Goldenes Haus gar nichts mit dem Edelmetall zu schaffen hat. Die Domus Aurea war ein Gebäude mit riesigen Fenstern nach Süden und lichtdurchfluteten Innenräumen. Das Licht der Sonne stand Pate für das Gold im Namen. Toiletten oder Bäder haben die Archäologen nicht gefunden. Türen gab es keine. Welche Funktion die einzelnen Räume hatten, lässt sich heute auch nicht sicher sagen. Nur das Nero nie hier gewohnt hat, das steht felsenfest. Der Kaiser ist zum Feiern in die Domus Aurea gekommen, mehr nicht. War die Domus Aurea etwa nur Neros gigantischer Partykeller?

Domus Aurea Wandmalereien

Wandmalerei im vierten Stil

Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus. “Jetzt fange ich doch endlich an, wie ein Mensch zu wohnen.” Sueton hat sich das alles einfach ausgedacht. Seine fantastischen Beschreibungen der Innenräume und Bäder, alles frei erfunden. Tatsächlich kannte Sueton das Goldene Haus nur vom Hörensagen.

Kurz nach Neros gewaltsamem Tod, schon lange vor der Geburt Suetons, geht im Goldenen Haus die Sonne für immer unter. Die Domus Aurea wird zugeschüttet, auf ihren Überresten wird eine große Badeanstalt hochgezogen. In den Garten vor dem Haus wird das Kolosseums hin geklotzt. Ein echter Glücksfall, denn unter der Erde blieb der Domus Aurea das traurige Schicksal des Amphitheatrum Flavium oder der Caracalla-Thermen erspart, als Steinbruch für die Großprojekte bauwütiger Päpste herzuhalten.

Wohin ist die Pracht verschwunden?

Heute wird das Goldene Haus seinem Namen nicht mehr gerecht. Fast 2000 Jahre unter der Erde haben ihre Spuren hinterlassen. Der Lack ist ab, die Pracht ist vergangen. Wir gehen durch ein verwirrendes Labyrinth von Backsteinen und düsteren Gewölben. An wenigen Wänden und Decken sehe ich Reste von verblassten Malereien. Wohin ist die Pracht verschwunden?

Die erstaunliche Antwort: Das goldene Haus verwest. Bäume und Pflanzen, die über dem zugeschütteten Haus wachsen, haben ihr Wurzeln tief in die Kalkfugen der Wände und den Kalkputz hinter den Gemälden gesenkt. Die Pflanzen haben den Kalk als Dünger aus den Wänden gesogen. Das Goldene Haus wurde verkonsumiert und in Blattwerk transformiert. Bis die Archäologen kamen. Die machen dem Wildwuchs nun ein Ende und stemmen sich dem Verfall mit antiken Materialien und modernster Technik entgegen.

Domus Aurea Schautafel

Eichen und Pinien durchwuchern das Goldene Haus

Hinter dieser überraschenden Meditation von Verfall und Untergang verschwimmen die Geschichten vom berühmten Maler Fabullus, der in Toga auf das Malgerüst kletterte und nur zwei Stunden täglich Decken ausmalte. Zum Beispiel mit der Erzählung von Achilles in Frauenkleidern auf der Insel Skyros. Oder die Geschichte von Rafael, der mit Bergwerksstollen die Domus Aurea erkundete.

Domus Aurea Gewölbe mit Tunnelöffnungen

Tunnelöffnungen. Wie Bergleute kamen die ersten Raubgräber durch Stollen in die Domus Aurea

Rom: Domus Aurea Verschütttungsmaterial

Alter römischer Schutt und Abraum. So wurde der Palast Neros zugeschüttet

Von der Domus Aurea zu Quattro Coronati

Das war sehr eindrucksvolle erlebte Geschichte. Nach gut einer Stunde hat mich die Sonne wieder. Ich schlendere um das Kolosseum Richtung Celio Hügel. Am Ende der Via Capo d’Africa ragt eine mittelalterliche Burg in die Höhe, der Klosterkomplex Santi Quattro Coronati. Diese Festung erinnert daran, dass Rom im Mittelalter ein brandgefährliches Pflaster war. Hinter den gewaltigen Mauern haben sich Päpste und Könige vor den aufmüpfigen Bewohnern Roms verschanzt. Dieses Bollwerk ist heute eine Oase der Ruhe mitten im quirligen Rom.

Das Kloster Santi Quattro Coronati in Rom

Wuchtige Mauern und wuchtiger Turm. Das Kloster Santi Quattro Coronati in Rom

Rom: Quattro Coronati Innenhof

Der erste Hof

Im Kloster von Quattro Coronati gibt es einen stimmungsvollen Kreuzgang mit einem possierlichen Löwenbrunnen im Zentrum. Die Kirche ist nach einer langen Baugeschichte ein sonderbar reizvoller Raum. An den Wänden der Innenhöfe klebt malerisch das Hautgout der Geschichte.

Rom, die Kirche Quattro Coronati, Innenraum

Ein ungewöhnlicher Kirchenraum. Die Emporenbasilika Quattro Coronati

Kreuzgang von Quattro Coronati mit Löwenbrunnen

Der malerische Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert. Im Zentrum der Löwenbrunnen

Ich komme wegen eines der interessantesten mittelalterlichen Innenräume Roms hierher: der Kapelle des Heiligen Silvesters. Hier wird in einem großartigen Freskenzyklus erzählt, wie Kaiser Konstantin zum Christentum kam. Auch das ist eine tolle Geschichte, mindestens so spannend und gewalttätig wie Suetons Nero-Biografie, erzählt hat sie Jacobus de Vorraigne in seiner Legenda Aurea. Konstantin tritt darin auf als Schurke mit einem milden Herz.

Rom Quattro Coronati Kreuzgang Detail

Die fünfte Ordnung, ein römisches Kompositkapitell abgelegt im Kreuzgang

Ein Kaiser lässt sich taufen

Wegen seiner grausamen Christenverfolgung wurde Konstantin von der Lepra befallen. “Schließlich führte man auf den Rat der Götzenpriester dreitausend Kinder herbei, damit er sie töten lasse und sich in ihrem noch warmen Blute bade. Als er nun zum Ort hinausging, wo das Bad bereitet werden sollte, liefen ihm die Mütter der Kinder mit aufgelösten Haaren entgegen und schrien in lautem Jammer. Da weinte Konstatin, …”

Rom-Kapella-San-Silvestro_009

Weltenende und Jüngstes Gericht. Links oben wird schon mal der Himmel eingepackt. Unten bekommen glückliche Mütter ihre Kinder wieder. Daneben erscheinen Petrus und Paulus dem Kaiser Konstantin im Traum.

Diese blutige Kurpfuscherei ging selbst dem hartgesottenen Konstantin, der immerhin Sohn und Ehefrau um die Ecke bringen ließ, an die Nieren. Als in der folgenden Nacht eine Erscheinung der Apostel Petrus und Paulus die christliche Taufe als Medizin empfahl, griff Konstantin zu. Der römische Bischof Silvester nahm die Taufe vor. “Als Konstantin dann ins Taufwasser hinabgestiegen war, erstrahlte ein wunderbarer Lichterglanz; geheilt stieg er aus dem Wasser”.

Rom_052

Die Konstantinische Schenkung: Silvester bekommt ganz Rom und obendrauf Italien. Rechts der Steigbügeldienst Kaiser Konstantins

Auftraggeber dieser bemerkenswerten Bilder war Innozenz der IV. Um 1250 lag er mit dem deutschen Kaiser Friedrich II. im Dauerclinch über die Frage, wer auf Erden das letzte Wort zu sprechen hätte. Der Papst oder der Kaiser? Für Innozenz war die Sache ziemlich klar: der Papst. Deswegen lässt er zwei überzeugende Argumente malen, die Konstantinische Schenkung und den Steigbügelhalter, Strator, Konstantin. Beides Erfindungen mittelalterlicher Spindoctors, die damit die päpstliche Überlegenheit demonstrieren wollen.

Rom-Snapshots_012

Rom-Snapshots_010

Santo Stefano Rotondo

Auf dem Celio steht tatsächlich eine Kirche neben der anderen. Da es hier in der späten Antike ein dicht gedrängtes Wohnviertel gab, sind die meisten Kirchen sogar antiken Ursprungs und unglaublich interessant. Wie zum Beispiel Santo Stefano Rotondo ganz in der Nähe von Quattro Coronati. Von außen ist Santo Stefano ein unscheinbares Gebäude, der Innenraum dagegen ist eine Sensation. Der Name verrät es schon, Santo Stefano ist kreisrund. Im inneren Kreis tragen mächtige antike Säulen ein schweres Gesims. Sie grenzen den Altarraum vom äußerem Kreis des Gebäudes ab. Von weit oben fällt mystisches Schlaglicht in den Raum und erzeugt eine erhabene Stimmung.

Rom Santo Stefano Rotondo, Innenraum

Der Säulenwald von Santo Stefano Rotondo

An den Wänden wieder Malerei. Und was für welche! Gewaltexesse, Heiligen-Folter und Martyrium in drastischer Ausführlichkeit und möglichst vielen Variationen. Kein Körperteil bleibt unbehelligt. Da werden Brüste abgeschnitten, Augen ausgestochen, Körper mit Pfeilen durchbohrt, Haut abgezogen, Eisennägel in Fingerspitzen getrieben und so weiter und so fort. Eine grässliche, sadistische Enzyklopädie auf unschuldigen Mauern. Die Opfer dieser Misshandlungen winden ihre Körper in die anmutigsten Haltungen und lächeln beglückt Richtung Himmelreich. Das ist faszinierend und gleichzeitig unglaublich bizarr.

Rom Santo Stefano Fresken mit Heiligen Legenden

Das Martyrium von Sebastian und Agata.

Das waren ziemlich viele Eindrücke für einen Vormittag. Nun brauche ich Erholung. Die finde ich bei einem Spaziergang durch die Villa Celiomontana. Ein aufgeräumter und freundlicher Park. Ich sitze entspannt in der Sonne und als der Hunger kommt, schlendere ich die antike Straße Clivio di Scauro, den römischen Clivus Scauri, hinunter Richtung Palatin, linker Hand liegt das Kolosseum und dahinter die Metro-Station. Mit der blauen Linie B fahre ich eine Haltestelle bis zu Cavour. Dort steige ich aus und suche mir im Monti Viertel ein schönes Ristorante.

Rom, Villa Celiomontana

Wintersonne in der Villa Celiomontana

Rom, Clivius Scauri ein antike Straße mitten in Rom

Eine alte römische Straße mitten im modernen Rom. Der antike Clivus Scauri verbindet den Circo Massimo mit dem Kolosseum. Der Name und viele Steine kommen noch aus der Kaiserzeit

Service Tipps

Domaus Aurea

Die Domus Aurea liegt an der Via della Domus Aurea 1 am Rande des Giardino del Colle Opio. Das Goldene Haus ist jedes Wochenende von 09:15 bis 15:45 geöffnet. Alle 15 Minuten startet eine Führung auf Italienisch, Englisch oder Spanisch. Öffnungszeiten und weitere Informationen findest Du auf der Website der Denkmalschutzbehörde Rom. Der Eintritt kostet 10 Euro.

Quattro Coronati

Das Kloster Santi Quattro Coronati liegt an der gleichnamigen Straße und ist eigentlich nicht zu verfehlen. Geöffnet ist in der Regel vormittags von 08:00 – 12:00 und am Nachmittag von 15:00 – 18:00. Die Kapelle des Heiligen Silvesters erreichst Du vom ersten Vorhof. Der Eingang liegt rechts. Die Kapelle wird nur nach einer kleinen Spende geöffnet. Klingel neben einem kleinen vergitterten Fenster im Vorraum. Die Website von Quattro Coronati hält viele interessante Informationen zur Geschichte des Bauwerks bereit.

Santo Stefano Rotondo

Santo Stefano ist jeden Tag von 10:00 – 13:00 und am Nachmittag zwischen 15:00 und 17:00 geöffnet. Die Öffnungszeiten variieren, deswegen solltest Du Dich auf der Website von Santo Stefano nach den genauen Öffnungszeiten erkundigen. Hier findest Du auch einige Informationen zur Kirche.

Karte Domus Aurea und Celio