7 Bücher über Rom – Literaturtipps für eine Reise nach Rom

Cover von Büchern über Rom.

Wer nach Rom reist, kann sich über einen Mangel an Büchern über Rom nicht beklagen. Aber welches Buch aus der Fülle an Romliteratur auswählen? Diese Literaturtipps stellen 7 Rombücher vor, die anregen, die ewige Stadt aus ungewöhnlichen Perspektiven zu entdecken.

Welches Buch soll ich lesen bevor ich nach Rom fahre?

Vor vielen Jahren habe ich einem Freund und absolutem Romkenner genau diese Frage gestellt: welche Bücher über Rom soll ich lesen, bevor ich zum ersten Mal nach Rom reise?

Die Antwort, die ich damals bekam, lautete: Richard Krautheimer: Rom, Schicksal einer Stadt, 312 – 1308. Ich habe dieses Buch damals verschlungen. Tatsächlich hat sich Rom, Schicksal einer Stadt für mich zu einer Art Anleitung entwickelt, die ewige Stadt zu entdecken. Noch heute ist mein Rombild geprägt, von dem, was ich in diesem wundervollen Buch über Rom erfahren habe

Rom, Schicksal einer Stadt: 312 – 1308

Der großartige Kunsthistoriker Richard Krautheimer skizziert die Entwicklung der Stadt Rom von der Zeit Konstantins im frühen 4. Jahrhundert bis zum Auszug der Päpste nach Avignon tausend Jahre später. Krautheimer zeichnet die Entwicklung der antiken Stadt, die unter Kaiser Konstantin noch caput mundi, Haupt der Welt, war, zum Sitz des Papsttums und allmählich zum geistigen und politischen Brennpunkt Europas nach. Er schildert dabei, wie die ehemalige Hauptstadt des römischen Reichs zu einer unbedeutenden Landstadt zusammenschrumpft, neu zu wachsen beginnt und nach und nach sich zu dem Mythos entwickelt, der heute noch fasziniert und die Reisenden in Scharen in die ewige Stadt treibt.

Über 60 Jahre lang hat Richard Krautheimer die Stadt Rom und ihre Geschichte studiert. In Rom, Schicksal einer Stadt läßt er aus der Summe seiner Erkenntnisse ein lebendiges Panorama der Geschichte Roms entstehen. Fantastisch und unbedingt lesenswert.

Richard Krautheimer, 
Rom, Schicksal einer Stadt: 312 - 1308, Beck Verlag, 3. Auflage 2004

Rom, Biographie einer Stadt

Christopher Hibberts kurzweilige Erzählung über die fast 3000 jährige Geschichte Roms ist nur noch antiquarisch erhältlich. Leichtfüßig und amüsant, wie es nur englische Historiker können, navigiert Hibbert absolut sicher durch die unglaubliche Fülle sagenhafter und historischer Ereignisse von der Gründung Roms durch Romulus bis ins 20. Jahrhundert. Damit gibt er Romreisenden ein praktisches Gerüst an die Hand, sich auf Entdeckungen in Rom zu machen.

Christopher Hibbert, 
Rom, Biographie einer Stadt, Beck Verlag, 1987 vergriffen

Kleine Kunstgeschichte Roms

Immer dabei auf meinen Rom Reisen habe ich die Kleine Kunstgeschichte Roms von Andreas Tönnesmann. Auf weniger als 300 Seiten werden 1500 Jahre des römischen Kunstschaffens sachkundig und mit großer Kennerschaft ausgebreitet.

Besonders hilfreich für eine Romreise ist die Kleine Kunstgeschichte Roms, weil sich Tönnesmann bei seinen Überlegungen immer wieder auf die großen Sehenswürdigkeiten der ewigen Stadt bezieht: den Petersdom, das Kapitol oder die Piazza Navona. Monumente, die jeden Romreisenden besonders interessieren. Diese großartigen Kunstwerke Roms werden nie als einzigartige Wunderwerke sondern immer “als Ergebnis historischer Abläufe und als Konsequenzen immer neuer Entscheidungen durch Auftraggeber und Künstler” in einem Kontext dargestellt.

Also wird die Rolle der Päpste als Kunstmäzene beleuchtet. Die Persönlichkeiten von Künstlern wie Michelangelo oder Borromini werden lebhaft geschildert. So wird Kunstgeschichte ein dynamischer Prozess, in dem es nicht um die Schaffung von Meisterwerken aber um die Fortentwicklung künstlerischer Möglichkeiten geht.

Für Tönnesmann ist Rom “nicht einfach eine Stadt wie andere auch. Im Unterbewußten der europäischen Kultur ist Rom der Urtext der Stadt schlechthin, ein Mythos, dessen Präsenz über viele geschichtliche Zäsuren hinweg bis heute ungebrochen bleibt.” Die Kleine Kunstgeschichte Roms lichtet das Dickicht des Unbewußten so, dass jeder Romreisende sich gut zurechtfinden kann.

Andreas Tönnesmann, 
Kleine Kunstgeschichte Roms, Beck Verlag, 2002

Meisterwerke der antiken Kunst

Bei den Meisterwerken der antiken Kunst handelt es sich um kein klassisches Rom Buch. Trotzdem ist dieser schmale Band, herausgegeben von Luca Giuliani, ein echter Literaturtipp für die ewige Stadt. Denn von den 8 vorgestellten Meisterwerken sind 5 in Rom zu finden. Führende Archäologen deuten und erklären diese antiken Meisterwerke und informieren den Leser über die Produktion, die ursprüngliche Bedeutung und die wechselvolle Geschichte der besprochenen Kunstwerke.

Der Boxer im Palazzo Massimo wird von Paul Zanker sehr eindrucksvoll als Träger magischer Kräfte interpretiert. Susanne Muth entschlüsselt die Kunstfertigkeit dreier rhodischer Bildhauer, die den Laokoon aus den Vatikanischen Museen zu einem herausragenden Meisterwerk der antiken Plastik geformt haben. Der Kult um die römischen Kaiser wird anhand des Kolosses von Konstantin und einer Büste des Commodus, beide in den Kapitolinischen Museen, geschildert. Und die Cestius Pyramide wird als ein bedeutendes Zeugnis der römischen Begräbniskultur besprochen.

Ein weiteres Meisterwerk der antiken Kunst, das in diesem Band betrachtet wird, hat einen Rombezug. Es ist der berühmte Herkules Farnese, der zwar heute im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel zu bewundern ist, der ursprünglich aber die Caracalla Thermen in Rom schmückte. Mit dem Herkules Farnese sind es also 6 von 8 Meisterwerken, die aus diesem Buch einen Literaturtipp für jede Romreise machen.

Luca Giuliani, 
Meisterwerke der antiken Kunst, Beck Verlag, 2005

Göttliches Design oder die Rivalen von Rom

Jake Morrisey beschäftigt sich in seinem Buch mit der Entstehung des barocken Roms Anfang des 17. Jahrunderts. Rom ohne seine barocke Monumente, wäre eine vollständig andere Stadt. Als das nördliche Europa während des 30 jährigen Kriegs in Schutt und Asche versank, erfindet sich die ewige Stadt mit theatralischen Effekten, prächtigen Kirchen, Plätzen und Palästen als eine spektakuläre Kulisse neu. Sie scheint vom Chaos des Religionskriegs im Norden ganz und gar unberührt.

Die beiden bedeutenden Schöpfer des barocken Roms sind zweifelsohne Gian Lornezo Bernini und Francesco Borromini. Deren Bautätigkeit hat Morrissey dramaturgisch gekonnt als die Geschichte einer Konkurrenz zwischen zwei genialen und egozentrischen Baumeistern in Szene gesetzt.

Der Klappentext verspricht ein Buch: Spannend wie ein Thriller. Und tatsächlich liest sich dieses Sachbuch wie ein abenteuerlicher Roman, in dem die Rivalität der beiden größten Architekten ihrer Zeit mit all den Intrigen, Verwirrungen und spektakulären Auf und Abs, kraftvoll wie eine antike Tragödie geschildert wird, an deren Ende zwangsläufig ein trauriger Selbstmord stehen muss.

Dem galanten und heiteren Gian Lorenzo Bernini steht der düstere und aufbrausenden Francesco Borromini gegenüber. Aus dem Kontrast der beide Protagonisten bezieht das Buch seine romanhafte Spannung. Ganz nebenbei erfährt die Leser*in, wie all die herrliche barocken Monumente vom Petersdom über die Piazza Navona bis zur Kirche San Carlo al quattro Fontane entstanden sind und welche Rolle die Päpste als Auftraggeber vieler dieser Monumente spielten.

Jake Morrissey, 
Göttliches Design oder die Rivalen von Rom, Europa Verlag, 2005, vergriffen

Neros Mütter

Ebenfalls wie in einem spannenden Roman oder Thriller schildert Birgit Schönau in Neros Mütter drei Frauenleben im alten Rom.

Eine Romreise ohne Forum Romanum, Kolosseum und Palatin ist undenkbar. An diesen historischen Orten ist eine Begegnung mit den weltbewegenden Taten großer Männer der römischen Geschichte: Augustus, Nero, Cicero und Co. gar nicht zu vermeiden. Aber was war eigentlich mit den großen Frauen?

Denken wir an die großen Frauen der römischen Geschichte, dann poppen meistens Zerrbilder auf. Zum Beispiel Messalina, Roms kaiserliche Hure. Agrippina Sex-Monster sowie Gift- und Gattenmörderin, die ihren kaiserlichen Gemahl mit Pilzen meuchelte. Julia, die verlotterte Tochter des Kaisers Augustus. Nach Auskunft des kaiserlichen Vaters feierte sie Sexparties auf dem Forum Romanum. Aber wurde sie deswegen zu Recht in den Tod getrieben?

Diese pornografisierten Erinnerungsbilder und krassen Vorurteile räumt Birgit Schönau in die Rumpelkammer der Geschichte. Sie stellt Neros Urgroßmutter, Julia, seine Großmutter, Agrippina die Ältere, und seine Mutter, Aggripina die Jünger, vor als “selbstbewusste Rollenmodelle der Emanzipation vor zweitausend Jahren. Sie waren hochgebildet und steinreich, ritten über die Alpen und segelten auf dem Nil, empfingen Könige und kommandierten Soldaten.” Die personenreichen und überaus verwickelten Biografien der 3 Frauen aus dem julisch-claudischen Kaiserhaus werden dabei außerordentlich lebendig, leichtfüßig und außergewöhnlich spannend erzählst.

Dramaturgisch geschickt werden diese Leben in eine mehrere Generationen übergreifenden Familiensaga eines korrupten Clans zusammengebunden. Damit wird der Fokus weg von der großen Geschichte hin zu den Protagonisten und deren Beziehungen und Emotionen gelenkt. Gleichzeitig werden die weit zurück liegende Ereignisse und Konflikte in eine moderne Form gegossen und damit nachvollziehbar und „mitfieberbar“. Besonders überraschend ist dabei die Perspektive auf das Innenleben der kaiserlichen Familie. Kaiser Augustus wird nicht nur als politischer Strippenzieher sondern auch als sorgender Opa einer großen Kinderschar dargestellt, der sich in seiner prächtigen Residenz auf dem Palatin sogar um das Wohlergehen der ganz Kleinen sorgt. Gerade wegen dieser Details ist die Lektüre von Neros Mütter eine Geschichtsstunde, bei der niemand einschlafen kann.

Birgit Schönau, 
Neros Mütter, Julia und die Agrippinas, drei Frauenleben im alten Rom, Berenberg Verlag, 2021

SPQR

Der Abkürzung SPQR lässt sich auf einer Romreise nicht entkommen. Auf Schritt und Tritt begegnen diese 4 Buchstaben der Reisenden. Sie sind auf Mülleimern, Gullideckeln und den großen Sehenswürdigkeiten der ewigen Stadt eingeprägt. „SPQR, Senatus Populus Que Romanus, Senat und Volk von Rom“.

Mary Beard wählt diese vier Buchstaben als Titel für ihren Historien-Schmöcker. Darin schildert sie 1000 Jahre römische Geschichte von der Gründung Roms im 8. Jahrhundert vor unserer Zeit bis zur Regierung des Kaisers Caracalla im beginnenden 3. Jahrhundert kurzweilig und mitreißend.

Neben den bekannten Persönlichkeiten der römischen Oberschicht wie Cicero, Catilina, August oder Kaiser Hadrian erzählt Beard auch aus dem Alltag der Bäcker und der Färber, beschreibt die Anwerbung von Soldaten, berichtet von Eunuchen, Kinderbräuten, Saufgelagen und anderen merkwürdigen Bräuchen.

Ebenso wie Christopher Hibbert ist Mary Beard eine raffinierte Erzählerin, die das alte Rom in vielen Facetten lebendig werden lässt. Darum ist auch dieses Buch ein ausgesprochen guter Begleiter in der ewigen Stadt.

Mary Beard,
SPQR, die tausendjährige Geschichte Roms, S. Fischer Verlag, 2016

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