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Trauminsel Bornholm. In jedem Format ganz groß

Die dänische Sonneninsel Bornholm garantiert Urlaubsspaß für alle Wanderer und Radfahrer, Sandburgen-Fans und Klippenspringer, Entdecker und Entschleuniger. Wann die beste Zeit ist, die Trauminsel im östlichsten Teil Dänemarks zu besuchen und was es zu entdecken gibt, erfährst du in diesem Beitrag.

Das Bornholm Abenteuer beginnt für die allermeisten Besucher der dänischen Sonneninsel im Fährhafen von Rønne. Es gibt viel zu entdecken auf Bornholm. Nur, wo beginnen wir? Unsere Unterkunft liegt am gegenüberliegenden Ende der 588 Quadratkilometer großen Insel, im kleinen Bølshavn, nördlich von Svaneke. Und bei der gemächlichen Autofahrt einmal quer über die Landfläche, von Westen nach Osten, bemerken wir sanfte Schwünge in der Landschaft, langgezogene Steigungen, die sich einem Radwanderer sicher weniger gemütlich präsentieren.

Dass man auf Bornholm tolle Fahrradtouren unternehmen kann, höre ich im Vorfeld meiner Reise nämlich häufig. Dass es sehr ratsam wäre, vor Reiseantritt in ein amtliches Trainingslager zu gehen oder sich ein Pedelec zuzulegen, lese ich dabei eher weniger…

Meine erste Radtour von Bølshavn ins Landesinnere breche ich nach 45 Minuten mit wackeligen Knien ab. Tja, das war wohl nix. Dabei ist mein Fahrrad ganz passabel. Und ich fahre viel in Berlin. Ehrlich! Allerdings fehlt mir wohl das Berg-Training. Egal. Während ich also geschlagen Richtung Küste zurückfahre (bergab), sinkt hinter mir, am anderen Ende der Insel die Sonne ins Meer. Morgen ist ein neuer Tag.

Ein rotgedecktes, rotgetünchtes Haus auf einem Steinhügel auf Bornholm. Links vom Haus ist der Schornstein einer Räucherei erkennbar.

Hügelig und hyggelig ist es auf Bornholm. Schön anzuschauen, sportlich zu erklimmen.

Mini Bornholm. Dänische Sonneninsel en miniature

Ein Birnenbaum voller reifer Früchte vor blauem Himmel.

Bornholm im September bedeutet viel Sonne und Obst in Hülle und Fülle.

Unsere Unterkunft ist super ausgestattet und charmant gelegen, der Ausblick ist himmlisch. Vorm Haus hängen üppig Feigen im Baum, auf der Rückseite des Hauses öffnet sich hinterm Obstgarten ein Panoramablick auf die Ostsee. Sehr hübsch alles ist alles was ich denke, während ich in meinen Kaffee puste. Sightseeing-technisch bin ich immer noch nicht schlauer. Erst einmal Tempo rausnehmen. Was möglichst Alltagsfernes machen.

Etwas, das man zuhause nie macht. Warum nicht einfach mal…. Minigolf! Schon begegnen wir im Bornpark in Østerlars einem freizeitvergnüglichen Superlativ. Laut Website der Betreiber befinden wir uns hier in der größten Minigolf-Anlage Nordeuropas. Bei näherem Hinschauen ist klar, wir sind in Mini-Bornholm! Um mich rum sehe ich Straßen und Modelle von Natursehenswürdigkeiten und anderen Attraktionen, für die die Insel Bornholm bekannt ist.

Alles en miniature. Spontan fühle ich mich an Legoland erinnert. Die Anlage ist – wie alle Miniaturparks – ein bisschen angekitscht, die großzügig auf dem Gelände ausgesähten Sonnenblumen blühen wacker gegen diesen Eindruck an. Wir schwingen die Schläger und lesen bei jeder Station die kleinen Infotafeln zu den Modellen. Wie praktisch. Wir bekommen erste Einblicke und nehmen gleich einiges auf die Agenda, von dem wir zuvor noch nichts gehört hatten.

Spielerisch lernen. Beim Minigolf lernen Besucher Bornholm und seine Sehenswürdigkeiten besser kennen.

Wie zum Beispiel Randkløve, eine Steilklippe mit Blick in ein Spaltental zwischen Bølshavn und Saltune, das man unter den typischen Top 10 für Bornholm nicht findet, das zu entdecken sich meines Erachtens aber echt lohnt. Mit dezenter Wissensvermittlung haben sie es hier, im Bornpark. Für besonders Verspielte sogar ein Quiz mit Fragen zu Bornholm. Bis 23 Uhr hat der Park geöffnet, das finde ich enorm. Und gerade in den hellen Sommermonaten macht eine Partie Minigolf auch in den Abendstunden Spaß.

Gebaute Überraschung in Dreiecksform

Ganz aufgegeben habe ich das Fahrradfahren auf Bornholm nicht. Beim besten Bäcker von Bornholm, Svaneke Brød, werden Brot und Brötchen mit Bornholmer Getreide aus Sauerteig hergestellt. Das muss ich natürlich testen und radel los. Gleich am Ortseingang von Svaneke treffe ich einen der vielen Bekannten vom Minigolfplatz wieder. In Originalgröße zieht der dreieckiger Wasserturm erst recht alle Blicke auf sich. Erbauer ist niemand geringeres als Jorn Utzons, der Erbauer des Sydney Opernhauses.

Jorn Utzons Wasserturm auf Bornholm, von Norden kommend: am Ortseingang von Svaneke gleich rechts.

Vanitas Symbol in einer der Rundkirchen Bornholms. Der Sand in der Sanduhr stammt aus Dueodde.

Die Rundkirchen von Bornholm

Ich kann nicht über Bornholm schreiben, ohne die urigen Rundkirchen zu erwähnen. Schräg gegenüber der Minigolf-Anlage habe ich schon die Østerlars Kirche erspäht, eine von insgesamt vier weißgetünchten Rundkirchen. Rundkirchen sind extrem schön anzuschauen. Die kompakten und in ihrer Wehrhaftigkeit fast hygge anmutenden Glaubenshäuser sind auf Bornholm Wahrzeichen und Sehenswürdigkeit zugleich.

Ich habe mich gefragt, wieso ich diesem Bautypus auf meinen Reisen nicht schon öfter begegnet bin. Auf Wikipedia bin ich auf eine Liste gestoßen, die bestehende und ehemalige Vertreter dieser Art versammelt. Es gibt sie außer in Dänemark in Norwegen, Schweden, Deutschland, Frankreich, Polen, Tschechien und Ungarn, sogar in Großbritannien. Aber nirgendwo sind sie so prominent, so intakt, in so dichter Konzentration versammelt und so rund :-) wie auf Bornholm.

In Olsker zum Beispiel kann man sich eine Rekonstruktion des ursprünglich flachen Daches anschauen, das heutige hohe Dach stammt noch aus dem Mittelalter. Wie so oft waren die Gotteshäuser hier auch Verteidigungskirchen. Orte, an denen Nahrungsmittel gelagert wurden und in denen die Bewohner in Notlagen Unterschlupf fanden.


Bornholms Fischers Frische Fische

Seeluft macht hungrig. Wie gut, dass es auf Bornholm so viele Räuchereien gibt. Darauf erst einmal einen Bornholmer.

Auf einer Insel und am Wasser wird viel Fisch angeboten und verzehrt. Das mag nicht überraschen. Aber die Bornholmer meinen es wirklich ernst. Besonders der Räucherfisch hat es den Insulanern und Urlaubern angetan. Er ist nicht nur schmackhaft, sondern so frisch aus dem Rauch auch länger haltbar. Brotzeit-Leckereien und aufwändig getürmte Stullen heißen in Dänemark ja Smørrebrød.

Die hiesige Spezialität haben die Einheimischen der Einfachheit halber gleich nach sich benannt: Bornholmer. Das Makrelenfilet auf gebuttertem Roggenbrot schmeckt durch geraspelte Radieschen, Gurken und flüssiges Eigelb einfach raffiniert. Dazu passt am allerbesten ein kaltes Bier. Tolle Räuchereien habe ich überall auf Bornholm entdeckt. Vom Ambiente her finde ich die beiden Räuchereien (auf dänisch: Røgeri) in Hasle und Svaneke einfach am schönsten.

Natur-Gegensätze treffen auf menschengemachte Harmonie

Meine Erinnerungen an Dänemark sind geprägt von rauem, wechselhaften Wetter und der Nähe zu Schleswig-Holstein. Bornholm hingegen ist bekannt für sein mediterranes Mikroklima. Bornholm wird auch das Mallorca des Nordens genannt. Sonne satt, Kaiserwetter und eine üppig bunte Vegetation sind die Folge. LeserInnen der kleinen Bilder-Geschichte über Bornholm erinnern sich an die Feigen. Auch die Lage ist exotisch.

Bornholm liegt viel näher an Schweden als am restlichen Dänemark. Lange wurde es im Kampf zwischen Schweden und Dänen hin und her gereicht, wurde im 16. Jahrhundert sogar einmal an die Hansestadt Lübeck verpfändet. Bornholm liegt zudem geographisch näher an Russland als an Hamburg.

Wann ist denn nun der perfekte Zeitraum, um die Trauminsel Bornholm zu besuchen? September ist in meinen Augen ohnehin ein feiner Reisemonat. Für Bornholm finde ich den Spätsommer ideal. Es ist noch mild mit vielen Sonnenstunden, die Obstbäume tragen wie bekloppt. Hauptsaison und Schulferien sind vorbei, die Besucherdichte hat im Vergleich zum Hochsommer entsprechend abgenommen. All diese Faktoren tragen zu einem schönen Inselerlebnis bei.

Die Strände in Dueodde, ganz im Süden der Insel, sind endlos. Im September hat man sie mit Glück für sich allein.

Strandhafer auf weißer Düne vor blauem Himmel.

Bornholm kann Strandurlaub…

… auch Ponyreiten vor schroffer Kulisse im Norden geht wunderbar. Hier im Hintergrund die Burgruine Hammershus.

Mein Fazit zur dänischen Sonneninsel

Landschaftlich hat Bornholm eine spektakuläre Bandbreite. Von den sanduhr-feinen Stränden im Süden, überbordende Obstbäume und Kuhweiden an Küste und im Inselinneren bis hin zu den schroffen Klippen im Norden der Insel. Vom gastronomischen Angebot bis zu den Food-Manufakturen und Räuchereien mit ihren handwerklich hergestellten Leckereien ist alles mit viel Liebe gemacht.

Allerdings wiederholt sich vieles. Und häufen sich kunsthandwerkliche „Hits“ wie Glasbläsereien und Keramikwerkstätten in Örtchen wie Svaneke und Gudhjem in schwindelerregender Dichte. Lass es mich nett formulieren: Wer sich für (hochpreisiges) und qualitativ hochwertiges Kunsthandwerk interessiert, ist auf Bornholm in jedem Fall am richtigen Ort. Wer sich für Glas und Ton nicht interessiert, dem bleiben immer noch die feine Lakritze von Lakrids, Schokoladenspezialitäten und Fudge von der Svaneke Chocoladeri, alle im Manufaktur-Stil hergestellt und entsprechend ansprechend präsentiert, lokales Craft Bier, unfassbar Süßes von der Karamel Kompaniet in Gudhjem, Softeis auf Schoko-Schaumkuss mit schrillen Toppings und natürlich – mehr Fisch. God appetit.

 

Mein persönliches Fazit: Ich möchte Bornholm in jedem Fall wieder besuchen um mir noch mehr anzuschauen und die tollen Strände noch intensiver zu genießen. Aber: nächstes Mal besorge ich mir für große Radtouren bestimmt ein E-Bike.