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Christiansø. Vom Militär-Standort zum Tagesgäste-Magnet

Die klitzekleine Schäreninsel Christiansø liegt nordöstlich von Bornholm. Sie gehört zur Gruppe der Erbseninseln. Das klingt schon sehr niedlich, oder? Grund genug sich den Landflecken einmal genauer anzuschauen. Von Gudhjem aus steigen wir als Tagesgäste auf die Fähre. Los geht’s.

Die Fähre ab Gudhjem ist voll an diesem sonnigen Septembertag. Ein Tagesausflug nach Christiansø lockt auch jenseits der Hauptsaison viele Gäste auf Bornholm. Ich vertreibe mir die Zeit, indem ich in dem kleinen Prospekt blättere, der neben dem Einstieg auslag. Und stimme mich auf unser Ziel ein.

Die Gruppe der Erbseninseln, auf dänisch: Ertholmene, besteht aus zwei bewohnten Inseln: Der Hauptinsel Christiansø und Frederiksø sowie dem Vogelreservat Græsholmen und ein paar hingewürfelten Felsknollen. Absurderweise ist es wehrhafter Absicht zu verdanken, dass wir hier heute ein so schönes Ausflugsziel besuchen können. Die Entwicklung der Inselgruppe begann nämlich erst, lese ich, als Christian V. beschloss, hier eine Festungsanlage zur Verteidigung der königlichen Flotte in der Ostsee zu bauen. 1684 war das.

Zwischen steilen Felsen und dem schäumenden Meere. “ (Christian V.)

Noch heute unterstehen die Erbseninseln direkt dem Verteidigungsministerium, gehören zu keiner Gemeinde oder Region. Etwas größer als Erbsen sind die neun Steinhaufen natürlich schon. Die Seefestung Christiansø misst ganze 0,36 km², verteilt auf 700 x 1.000 Meter. Hunde mitbringen ist verboten, Fahrräder bringen hier nichts. Zu felsig, zu hügelig, und kaum richtig aufgesessen, wäre man auch schon am anderen Ende.

Ankunft auf Christiansø, auf zum Inselrundgang

Auf eine Wanderung einmal rundum die Insel begeben sich hier fast alle Besucher. 1,5 Kilometer sind es ungefähr. Die einzige Frage, die sich nach der Ankunft auf Christiansø stellt, ist also: Gehen wir mit dem Uhrzeigersinn oder anders herum? Wir schlendern los und bestaunen die Festungsmauern und die Felsenküste. Erwischen bei einem Blick ins Landesinnere den Schornsteinfeger bei seiner Arbeit. Der Schornsteinfeger kommt, höre ich, nur einmal im Jahr hierher, und wir haben genau diesen besonderen Tag erwischt. Na, wenn das nicht extra Glück bringt.

Auf der kleinen Schäreninsel Christiansø wohnen wenige Menschen dauerhaft. Wenn – wie hier im Bild – mal einer auf dem Dach steht, ist es höchstwahrscheinlich der Schornsteinfeger.

Verborgen im Inselinneren liegen wunderschöne Wohnhäuser. Vor lauter Baumbewuchs laufen wir auf dem Weg zum kleinen Picknickplatz Kongens Have wirklich fast vorbei. Kongens Have heißt Garten der Könige. Und so fühlen wir uns auch, dürfen wir den Ort doch während der Dauer unseres Picknicks exklusiv genießen. Erst als wir bereits zusammenpacken, bahnen sich neue Besucher ihren Weg durch das kleine bewaldete Stück Natur in Richtung der Tische und Bänke.

Die üppigen Gärten sind echt ein Augenschmaus, der Gegensatz zu der kargen, felsigen Küstenlinie ist faszinierend. Die Zeit scheint – wenn auch nicht stillzustehen – hier deutlich langsamer zu verrinnen als auf Bornholm. So dehnen sich auch unsere 3 Stunden Insel-Aufenthalt freundlich mit. Wir sind ja auf eigene Faust unterwegs und bleiben im Flaneur- und Schlendermodus. Irgendwann tauchen wir aus der üppigen Natur auf und bewegen uns auf die Sehenswürdigkeiten zu, die sich den Besuchern hier dezent anbieten.

Ein liebevoll hergerichtetes Wohnhaus auf Frederiksø. Im Hintergrund der Lille Tarn, der „Kleine Turm“, der auch ein Museum beherbergt.

Auch auf Frederiksø bieten geschäftstüchtige Einwohner wieder allerlei Selbstgemachtes an, vornehmlich Marmeladen und Tütchen Blumensamen. Auch die leckeren Feigen, die wir schon von Bornholm kennen, begegnen uns hier wieder.

Erbseninseln aus der Vogelperspektive

Die kulturellen Attraktionen sind in der Tat überschaubar. Es gibt die Kirche, die einst als Waffenlager diente, den Lille Tårn und den Store Tårn. Karten für beide Museen gibt es im Kiosk des Ortskerns von Christiansø. Es fühlt sich lustig an, „Ortskern“ zu schreiben. Tatsächlich gibt es neben dem Kiosk wirklich nur einen Kaufmannsladen mit Waren des täglichen Bedarfs, die Kirche (2x im Monat kommt ein Pastor vom Festland herüber und hält den Gottesdienst ab) und das Christianskro, bestehend aus Gastronomie einigen wenigen Zimmern für Übernachtungsgäste.

Die Ausstellung im Großen Turm ist nett anzuschauen, aber mir geht es ehrlich gesagt um die 360° Panorama Aussicht. Von hier oben sind alle Landmarken der beiden großen Erbseninseln gut zu sehen. Die Inselränder sind umkränzt von Bastionen, die so klingende Namen tragen wie Coucherons Bastion, Dronningens Bastion, Bielkes Bastion, Hertugindens Bastion usw. Konsequenterweise geht das Bastions-Ballet drüben auf Frederiksø weiter. Auch wenn die dekorativ eingebetteten Überbleibsel heute so malerisch daher kommen… Die militärische Ernsthaftigkeit, die dem ganzen zugrunde liegt, mutet inmitten dieser touristischen Idylle schräg an.

Von Christiansø nach Frederiksø ist es nur ein Steinwurf. Hier der Blick vom Großen Turm hinüber zum Kleinen Turm. Im Hintergrund Graesholmen.

Im Kleinen Turm können Besucher ein Modell der beiden größten Erbseninseln bewundern.

Service für Christiansø und die Erbseninseln

Den Fährverkehr regelt der Anbieter Christiansøfarten in Gudhjem. Den aktuellen Fahrplan und die Kosten für eine Überfahrt von Bornholm auf die Erbseninseln kannst du auf der Website von Christiansøfarten einsehen. Ich kann gut verstehen, dass echte Insel-Freaks hier gern über Nacht bleiben möchten. Aufgrund der handverlesenen Möglichkeiten ist es unerlässlich, vorab zu buchen. Spontan mal eben geht hier nicht.

Gerade das Christianskro ist weit im Voraus ausgebucht. Das alte Staatsgefängnis, Der Ballon, verfügt über insgesamt fünf Zellen, die als Gästezimmer eingerichtet sind. Eine Zelle fungiert als Bad, eine als Gemeinschaftsküche. Urig. Für Selbstversorger gibt es noch einen Zeltplatz in der Herzogin-Bastion im Osten von Christiansø. Segler finden am Seglerhafen die entsprechende Infrastruktur. Kontakt über Christiansø Administration +4556462013 oder adm.kontor(at)christiansoe.dk.

Da geht kein Weg dran vorbei. Am Ende müssen alle Besucher die Erbseninseln wieder verlassen. Für Tagesbesucher endet der Inselaufenthalt nach gut drei Stunden Aufenthalt wieder am Hafen von Christiansø.

Die Erbseninseln im Steckbrief

Christiansø: 710m lang, 430m breit.
Höchster Punkt:22m über dem Meeresspiegel.
Frederiksø: 440m lang, 160m breit.
Höchster Punkt:11m über dem Meeresspiegel.
Græsholmen: 420m lang, 300m breit.
Höchster Punkt:8m über dem Meeresspiegel.
2.500m Mauerwerk (Festungsanlage) umgibt die beiden bewohnten Inseln.
Pro Jahr kommen ca. 45.000 Besucher.
Der Staat besitzt die Erbseninseln.
Wählen können die 78 Einwohner nur bei nationalen Parlaments- und bei EU-Wahlen.

Für den Aufenthalt gelten aus Naturschutzgründen strenge Regeln. So dürfen keine Pflanzen ausgegraben oder gepflückt werden, neben Hunden sind auch Katzen verboten, für die Brutzeit der Eiderenten gelten auch für Besucher eingeschränkte Aufenthaltsbereiche, gezeltet werden darf ohnehin nur in den wenigen ausgewiesenen Gebieten. Auch das Betreten der Festungsmauern und Einfriedungen ist verboten. Das dient aber sicher nicht nur dem Schutz der Natur, sondern auch der Menschen.