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Mitsegeln auf karibisch. Für Anfänger

Ein beliebtes Revier für Segeltörns sind die Kleinen Antillen. Mit dem Katamaran als schwimmendem Zuhause gibt es Naturerlebnisse satt in Ankerbuchten und an Land. Wir verraten euch, worauf ihr beim Mitsegeln achten solltet, denn auch das Paradies hat seine Tücken.

Der liebe Segelsport oder: Muss ich das können?

In Ländern wie Schweden oder Neuseeland wird man schon im zarten Kindesalter mit einer Rettungsweste in einen Optimisten gesetzt und aufs Wasser geschoben. Wer heil zurückkommt, kann segeln. Für immer. So wurde es mir oft erzählt. In Deutschland belegen wir Kurse und erwerben Scheine. Für Binnen und See, für Motor und Segel. Für die Küste. Und für ganz weit draußen. Nur, wer die Kurse belegt hat und ein paar Mal in Gesellschaft seines Segellehrers über Binnengewässer geschippert ist, kann nicht automatisch segeln. Da hilft nur die Übung. Mittlerweile nenne ich diverse Segelscheine mein eigen. Mitsegeln finde ich eine gute Möglichkeit um Erfahrung zu sammeln, bevor ich mir auf eigene Verantwortung ein Boot chartere und ganz souverän in fremden Gewässern navigiere.

Mitsegeln ist auch eine tolle Möglichkeit für alle, die überhaupt erst einmal schauen wollen, ob das etwas für sie ist. Ein aufregendes Urlaubserlebnis ist auch allen „sonst nie Seglern“ in jedem Fall garantiert. Die einzelnen Anbieter haben eigene Regeln und Wünsche. Manche verlangen Vorkenntnisse, viele nicht. Oder stellen die Crews passend zusammen. Nehmt entsprechende Seiten also genau unter die Lupe. Habt keine Scheu im Vorfeld alle Fragen zu stellen, die ihr nicht schon im FAQ beantwortet findet. Seid ihr erstmal an Bord, gibt der Skipper vorm ersten Auslaufen eine intensive Einführung in die Besonderheiten des Schiffes. Im Verlauf der Reise lernt ihr die wichtigsten Seemannsknoten, An- und Ablegemanöver und Anker werfen. Auch, wie ihr das kleine Beiboot, das sogenannte Dinghy, manövriert und festmacht und möglichst nicht kentert.
KiwiIV_Dinghy_Motor

Das liebe Geld oder: Wie teuer ist Mitsegeln?

Segeln gilt ja als die teuerste Art unbequem zu reisen. Denk ich an Segeln, denk ich an das Gleiten im Einklang mit Wellen und Wind, das Ringen mit der Natur – nicht an Raffaelo-Werbespots mit hauchzarten sich räkelnden Geschöpfen. Natürlich gibt es beide Extreme von Sport bis Posen und alle Nuancen dazwischen. 50 Euro pro Tag und Person solltet ihr mindestens veranschlagen, dazu kommen Kosten für Benzin, Liegegebühren, Versicherung und Bordkasse. Manche Crew kocht mehr an Bord und ankert in Buchten, andere wollen gern viel essen gehen und landestypisch auf den Putz hauen. Ich habe den Eindruck, es geht beides gut ins Geld. Der Skipper wird freigehalten. Das bedeutet, er ist essenstechnisch Gast der Crew. Und sollte auch bei längeren Überfahrten immer mit bedacht werden, wenn Snacks verteilt werden.

Um die Hin- und Rückflüge, in diesem Fall nach Fort-de-France auf Martinique, kümmern sich die Mitsegler selbst. Den Einkauf besprechen Crew und Skipper gemeinsam vor Ort. Eine Delegation verschwindet im örtlichen Supermarkt in Le Marin, eine andere geht auf den Markt. Auf Martinique als französischem Überseedépartement zahlt man mit Euro. Die Währung der restlichen Kleinen Antillen ist der Ostkaribische Dollar. Da man diese nicht schon hier bekommt, der Kurs vor Ort im Tausch gegen Euro schlechter ist, empfiehlt es sich, als Tauschwährung US-Dollar mitzunehmen. Wie viel, hängt von der Dauer des Segeltörn ab und natürlich von euren individuellen Bedürfnissen.
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Die lieben Mitmenschen, der Komfort oder: Wie ist das Miteinander?

Wenn ihr noch nicht wisst, wie ihr mit Fremden harmoniert, bildet doch für den Anfang eine eigene Gruppe möglichst Gleichgesinnter. Reist als Pärchen mit anderen Pärchen, als Party-Crew, auf einem U- oder Ü30-Single-Törn oder macht euch, wenn das geografisch möglich ist, vorab miteinander bekannt. Auf Facebook zum Beispiel gibt es immer mehr Gruppen segelinteressierter Menschen, die sich vorab eingehend beschnuppern und austauschen, bevor sie gemeinsam die weite Welt bereisen. Ich finde das eine hervorragende Idee. Denn Segeln ist kein billiges Vergnügen und wer will seinen Traumurlaub schon mit den falschen Leuten verbringen.

Eine Segelyacht ist kein Kreuzfahrtschiff. Auf einem Katamaran ist es eng. Auch wenn er mit seinem großzügigen Salon und den Kajüten und Bädern in den zwei Rümpfen noch ein wenig bequemer ist als eine klassische Einrumpf-Yacht. Ordnung halten ist, so spießig das klingt, wichtig. Bei akuten Manövern bleibt zum Suchen keine Zeit. Alles, was bei voller Fahrt durch den Salon kullert, kann kaputt gehen. Abgesehen von den Dingen, die vom Wind über Bord geblasen werden. Abgesehen davon, dass es höflich ist, andere nicht mit seinem Zeug zu belästigen. Überhaupt ist Mitdenken an Bord Trumpf. Wenn man vergisst, die Luken zu den Schlafkojen zu schließen, kann es auch innen richtig nass werden. Das passiert in der Regel nur einmal. Es sei denn, die Luken sind undicht. Alles schon vorgekommen, auch bei neuen Schiffen. Dann ist Erfindergeist gefragt.

Leuten, die seit Jahren vorwiegend alleine schlafen und bereits senkrecht aus den Laken schließen, wenn ein Fischlein 50m vom Boot entfernt ins Wasser taucht, muss ich an dieser Stelle sagen: Es kann laut werden des Nachts. Menschen machen Geräusche und der Bootsrumpf transportiert den Schall eher, als dass er ihn dämpft. Auf meinem letzten Törn war eine Frau, die ist auf der Flucht vor Schlafgeräuschen jede Nacht (!) mit Matratze (!) mehrmals quer durchs Schiff gewandert. Wenn ihr hellhörig seid, nehmt euch bitte Ohropax mit und entspannt euch. Oder bucht vielleicht erst einmal nur eine Woche. Für diese Dauer ist ein friedliches Nebeneinander unter Aufbietung aller verfügbaren Kräfte in jedem Fall möglich. Aber zwei Wochen auf engstem Raum mit Menschen, die einem fremd bleiben, sind das Gegenteil von Urlaub.

Ob ein Katamaran für Anfänger besser ist, als ein "Monohull", also eine Yacht mit einem Rumpf? Man reist ein wenig komfortabler, dafür fühlt es sich auch weniger nach Segeln an.

Ob ein Katamaran für Anfänger besser ist, als ein „Monohull“, also eine Yacht mit einem Rumpf? Man reist ein wenig komfortabler, dafür fühlt es sich aber auch weniger nach Segeln an.

Die liebe Agenda oder: Was will ich entdecken?

Gleichzeitig Segeln gehen und ein klassisches Sightseeing-Programm absolvieren ist unmöglich. Je intensiver ihr euch im Vorfeld klarmacht, was euch wichtig ist, umso einfacher ist es, die eigenen Wünsche und Erwartungen an den Traumurlaub zu äußern, seine persönlichen Bedürfnisse mit denen der Mitreisenden abzugleichen. Geht es darum, möglichst viele Seemeilen Strecke zu machen oder wollt ihr einfach ganz relaxt in Buchten ankern und schnorcheln? Will die Crew die lokale Küche in den Restaurants vor Ort entdecken oder lieber Märkte leerkaufen und sich an Bord gegenseitig selbst bekochen? Gibt es Naturschutzparks, Naturphänomene und Highlights oder meinetwegen auch Hollywood-Drehorte, die ihr sehen wollt, wenn ihr schon einmal in der Gegend seid?

Wenn ihr zum Beispiel Martinique als Insel kennenlernen und erkunden möchtet, ja, dann macht Urlaub auf Martinique. Oder verlängert euren Segelurlaub um einige Tage, die ihr ganz dem Festland widmet. Grundlegende Französischkenntnisse sind auf Martinique von Vorteil. Spätestens wenn man mit den einheimischen Händlern in Kontakt kommt, werden sie nützlich. Auf St. Lucia sowie auf St. Vincent und den Grenadinen wird englisch gesprochen. Je weiter südlich es geht, umso stärker unterscheidet sich die Sprache von unserem Schulenglisch. Also Ohren spitzen und munter drauflos!

Mein persönliches Highlight an Land ist der Besuch der Schwefelquellen bei Soufrière auf St. Lucia. Vorher viel planen muss man nicht. Wer sich der Küste nähert, bekommt automatisch Besuch von kundigen Locals, die einem beim Festmachen helfen. Und wenn es ihnen gelingt, gleich an Tourguides auf dem Festland vermitteln. Entweder man fährt mit dem Dinghy an Land oder steigt gleich in das Boot des Anbieters. Der junge Mann, dem wir am Steg übergeben werden, fährt uns mit einem offenen Jeep ein Stück ins Landesinnere zu den Schwefelquellen. Mir gefällt besonders der Gang durch den dschungelartige Landschaft. Nach dem ganzen blau sind die grünen und braunen Farbreize sehr wohltuend. Lava-Schlammbad und warme Wasserfälle inklusive. Auch St. Vincent fasziniert, eine ganz andere Atmosphäre. Hier brause ich mit einem Einheimischen quer über die Insel und stürze mich kurz ins Getümmel der Hauptstadt Kingstown.

Auf St. Lucia wächst unweit der Schwefelquellen von Soufrière alles für meinen Lieblingssalat, u.a. Cashewnüsse, Mangobäume. Lecker.

Auf St. Lucia wächst unweit der Schwefelquellen von Soufrière alles für meinen Lieblingssalat, u.a. Cashewnüsse, Mangobäume. Lecker.

Das liebe Gepäck oder: Was packe ich (nicht) in meine Tasche?

Segeln und packen. Ein Duo infernale. Die Kunst ist alles dabei zu haben, ohne seinen ganzen Hausrat mitzuschleppen. Aus Platzgründen verwendet man für Segeltörns weiche Taschen, keine Koffer. Die nehmen an Bord nur unnötig wertvollen Platz weg. Knitterfreie, schnell trocknende, legere Klamotten für jede Gelegenheit braucht ihr. Handschuhe für die Arbeit mit den Fallen (Tauen) und Kurbeln. Zum Schutz gegen die Sonne wasserfeste Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor, eine gute Sonnenbrille und ein Käppi, beides unbedingt an Kopf oder Shirt befestigen, sonst holt’s der Wind. Lieber ein Handtuch zu viel als zu wenig. Kaum zu glauben, was Salz, Sonnencreme und Sand für eine Mischung geben.

Für die Tablett und Handy-Freunde ein Muss: Der Kabelsalat aus Adaptern, Akkus, Mehrfachsteckern – Strom und Steckdosen „satt“ sind an Bord keine Selbstverständlichkeit. Hypochonder und Fürsorgliche schleppen am besten die ganze Hausapotheke an Bord. In jedem Fall Medikamente gegen Kopfschmerzen, Durchfall und Übelkeit, Sonnenbrand, Schnittwunden und Prellungen sowie ordentliches Verbandszeug. Die reduzierte Version dieses Potpourris sollte unter allen Umständen im Handgepäck Platz finden. Für den Fall, dass das Hauptgepäck verloren geht. Das kommt nämlich vor. Und glaubt mir, es ist etwas anderes, ob ihr euch den Koffer ins Hotel nachschicken lassen könnt oder plant, am Morgen nach der Ankunft auszulaufen. Ein halbes Dutzend Inseln und drei Länder aka Zollbereiche zu durchqueren und erst 14 Tage später wieder an den Abfahrtsort zurückzukehren.

„You either have a good time or you have a good story.“ Dieser Satz fällt mir wieder ein, als ich auf dem Weg nach Fort-de-France, Martinique, in Paris vergeblich auf meinen Koffer warte. Seit 1946 ist das Land Überseedépartement und gehört offiziell zu Frankreich. Den mit fast 7.000km längsten Inlandsflug Europas trete ich wenige Stunden später ohne meine Sachen an. Noch mehr Gepäckstücke sind vorübergehend verschwunden. Nur kommen diese noch am selben Abend an, während meines noch am zweiten Tag nach Abreise in den Händen des französischen Zolls in Paris feststeckt. Das erfahre ich aber erst bei meinem achten Telefonat mit der Fluggesellschaft in Fort-de-France. Die Mitreisenden sind ob der ungeplanten Verzögerung ziemlich genervt und würden am liebsten auslaufen. Mit mir und ohne Gepäck – oder ohne mich. Hätte ich zumindest meine Kontaktlinsen im Handgepäck gehabt, hätte ich sicher gesagt: Let’s go. Denn im Ernst. In der Karibik braucht ihr im Zweifelsfall nicht viel mehr als ein Badekleid, eine kurze Hose und ein T-Shirt.
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Das liebe Essen oder: Wie kocht man auf einer Yacht?

Eines mal vorweg: Essen an Bord ist mehr als nur Nahrungsaufnahme. Es hält buchstäblich Leib und Seele zusammen, verbindet, beruhigt, erfreut, belohnt. Viel extremer als an Land. Auch macht Seeluft ja besonders hungrig. Wenn man abgesehen von den allmorgendlichen Schwimmrunden ums Boot den Rest des Tages nur an Deck liegt wie eine Kegelrobbe, ist das ungünstig. Wer viel isst, sollte einen guten Stoffwechsel haben – oder eine Crew mit Lust auf ausgedehnte Landgänge. Für alle, die jetzt maulen, weil sie genau aufs Segeln scharf sind: Der Vorteil an den Landgängen ist, dass man – meist schon in Hafennähe – den örtlichen Markt plündern und bei den Einheimischen kiloweise lokale, saisonale Lebensmittel erwerben kann. Die müssen dann an Bord natürlich sofort wieder verkocht werden. Werden ja sonst schlecht. Und das wollen wir ja nicht, oder? Genau! Die Essensplanung spielt also, ihr versteht mich, eine grooooße Rolle. Auch vor längeren Überfahrten oder bei Nachtfahrten ist es ratsam, dass das Küchenteam Snacks vorbereitet. Welche, die man mit einer Hand, im Stehen, bei hohen Atlantikwellen oder plötzlich einsetzendem Starkregen verzehren kann.

Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit an Bord. Abgesehen von Mittag- und Abendessen. Und natürlich kleinen Snacks.

Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit an Bord. Abgesehen von Mittag- und Abendessen. Und natürlich kleinen Snacks.

Die lieben Wellen oder: Was tun bei Seekrankheit?

Noch ein Wort zu den Wellen. Von Puerto Rico bis runter nach Trinidad Tobago bildet die Inselkette ein Band, das die gemäßigtere Karibische See vom wilden Atlantik trennt. Solange unter Landabdeckung gesegelt wird, ist es ein gemütlicher Küstentörn. Während der Passagen von Insel zu Insel ist der Atlantik dann umso heftiger zu spüren. Unsere höchsten Wellen rollen mit gut vier Metern auf uns zu. Ungebremst. Das müsst ihr euch so vorstellen: Der Horizont ist weg, es knallt und rollt und scheppert. Auf jede einzelne Welle knallt der breitbauchige Katamaran mit einem plumpen Platsch. Spätestens jetzt erinnert sich jeder Mitreisende an die Vorzüge eines aufgeräumten Schiffs. An fotografieren ist nicht zu denken. Festhalten, einfach gut festhalten. Mein Magen hält. Verlässlich. Ich schicke einen dicken Dank in die wirbelnde Luft.

Aber es kann einen immer erwischen. Auch wenn bisher nie Probleme aufgetreten sind. Mit Seekrankheit reagiert unser Gleichgewichtssinn auf eine Irritation. Wenn das Boot sich bewegt und der Horizont steht. Das kann einem, wenn es blöd läuft, schon den Magen umdrehen. Auch der Benzingeruch vom Schiffsmotor kann einem zusetzen. Also bei Fahrten unter Motor möglichst nicht in genau in den Dampf setzen. Wer zu Seekrankheit neigt oder nicht weiß, wie stabil er ist, sollte den Kaffee und Alkoholkonsum an Bord drastisch einschenken. Auch allzu deftige, fettreiche Speisen sind nicht förderlich fürs Wohlbefinden.
Gut ist Ingwer. In jeder Darreichungsform, ob als Pille, roh aufgeschnitten oder als Tee. Der gehört eigentlich zur Grundausstattung. Und irgendwer – rein prophylaktisch versteht sich – kaut immer auf einem Stück frischem Ingwer herum. Wem das zu scharf ist, der lege sich den Ingwer einfach wie eine Oblate auf die Zunge. Und lasse sie wirken.

Wenn man wirklich mal an die Reling muss, immer schauen, woher der Wind weht!

Wenn man wirklich mal an die Reling muss, bitte immer vorher schauen, woher der Wind weht!

Das liebe Fazit oder: Was bleibt?

Mitsegeln ist zu gleichen Teilen arbeitsames Abenteuer und lockerer Luxus. Es entschleunigt und verbindet einen auf neue Weise mit den Elementen und mit sich selbst. Bei allen Aufgaben, die ein Leben an Bord mit sich bringt (und den ganzen Mahlzeiten!) bleibt genügend Zeit zum Baden, Schnorcheln, Lesen. Und natürlich für kleine Ausflüge an Land. Es ist der beste Strandurlaub, den man haben kann, nur eben ohne die überfüllten Strände. Als nächstes Revier werde ich die Nordseeküste erkunden. Nur mit dem Mann, dem Skipper und seinem Hund. Starker Kontrast. Ich bin gespannt – und werde berichten. Ihr habt Lust, noch ein bisschen in der Karibik zu bleiben? Dann schaut doch auch hier vorbei: Segeln in der Karibik. In Bildern.