Nachtzug nach Lissabon

Nachtzug nach Lissabon

Um das klarzustellen: Dem gleichnamigen Bestseller sind wir nicht nachgereist – ein Teil der Familie lebt in Lissabon. Bislang sind wir geflogen. Nach zwei Bahnreisen wissen wir: Schiene schlägt Flugzeug um Längen! Warum? 5 Gründe für den Nachtzug nach Lissabon.

Wie lang seid ihr unterwegs? Wie viel kostet das? Diese beiden Fragen kommen fast immer, wenn wir erzählen, dass wir für die Strecke Köln-Lissabon die Bahn und nicht den Flieger nehmen. 25 Stunden one way und ungefähr genauso teuer wie ein gängiges Flugticket, ist unsere Standardantwort.

Vages Nicken. Erleichterte Mienen, die sagen: Hab ich’s mir doch gedacht! Und gleich darauf die Frage: Warum tut ihr das? Und im Subtext: Seid ihr noch ganz dicht?

Eine normale Reaktion eigentlich – zumindest, wenn man, wie allgemein üblich, An- und Abreise als eher technischen Bestandteil der „eigentlichen“ Reise sieht. So sind Pauschalangebote gestrickt, so ist es uns in Fleisch und Blut übergangen. Aber ist schnell ankommen wirklich gut gereist?

In der Flugzeugkabine katapultierst du dich für eine Weile aus der Welt. Was zählt, ist das Ziel. Die Bahn hat natürlich auch ein Ziel, aber die Welt reist mit – in Form von ein- und aussteigenden Passagieren, Bahnhöfen, Landschaften, Wetterwechseln. Das bedeutet, du kannst was erleben. Im Nachtzug nach Lissabon genauso wie in jedem anderen Fernzug.

Und es gibt noch mehr Gründe, warum sich lange Bahnreisen lohnen…

1. Slow Travel – ein Modewort, aber es stimmt

Goethe fuhr noch mit der Pferdekutsche nach Italien – eine holprige, oft mühsame Sache, dafür mit zahlreichen geplanten und unvorhergesehenen Zwischenstationen. Ergebnis: ein dicker Reisebericht, 850 Zeichnungen und die persönliche „Wiedergeburt“ als Künstler. Knapp 100 Jahre später lässt Jules Verne seinen Romanhelden Phileas Fogg einen berühmten Geschwindigkeits-Rekord aufstellen – „In 80 Tagen um die Welt“.

Beides ist für uns heute Steinzeit. Wir besteigen Flugzeuge, als wären es Busse, und sind ruckzuck am Ziel. Nachtzug nach Lissabon? Wozu, wenn es schnellere Alternativen gibt?

Das ist effizient gedacht, allerdings bleibt dabei so manches auf der Strecke. Zum Beispiel das Gefühl für Entfernungen. 2.200 Kilometer sind es von Köln nach Lissabon. Die am Boden zu erleben und nicht in der Luft ist fast wie ein Road Movie. Einmal quer durch Belgien und Frankreich, Umstieg in Paris – das ist so eine Art Naturgesetz –, Umstieg an der französisch-spanischen Grenze, einmal quer durch Nordspanien – nachts – und Portugal – frühmorgens.

Nachtzug nach Lissabon

Lissabon Santa Apolonia: Der Nachtzug Lissabon-Hendaye passiert auch Madrid

Unterwegs die Gesichter Westeuropas: die grüne Wallonie, die Wälder der L’Oise, die an- und abschwellenden Stadtkulissen von Brüssel und Paris, das Tal der Loire, die Weinregionen von Cognac und Bordeaux, die Pyrenäen. Dann, im Nachtzug nach Lissabon, die schlafenden Bahnhöfe von Burgos, Valladolid und Salamanca, die seltsame portugiesische Eisenbahnerstadt Entroncamento im Morgengrauen, schließlich der träge, gewaltige Tejo auf dem Weg zum Atlantik.

Das alles breitet sich vor dir aus wie ein überdimensionales Panorama. Du liest Zeitung oder ein Buch, hörst vielleicht Musik, schaust aus dem Fenster, bist froh, drinnen zu sein, wenn’s draußen aus Kübeln gießt, willst am liebsten aussteigen, sobald die Sonne gleißt, beobachtest eine französische Familie mit Hund, greifst ab und zu in den Korb, in dem du den Reiseproviant verstaut hast, und schon bist du in Bordeaux. Und stellst fest: Deine Reise hat begonnen, lange bevor der Nachtzug nach Lissabon sein Ziel erreicht.

Natürlich wird’s auch mal stressig. Richtig anstrengend ist der Bahnhofswechsel in Paris. Der muss sein, denn durchgehende Züge gibt es nicht und die insgesamt sechs Fernbahnhöfe liegen fast alle weit auseinander. Da bist du froh, wenn du intelligent gepackt hast, während du in der Metro treppauf und treppab läufst, um dich gleich darauf in eine vollbesetzte U-Bahn zu zwängen. Du kannst natürlich aus der Not eine Tugend machen, und damit sind wir beim zweiten Grund.

Nachtzug nach Lissabon

Paris, Gare du Nord: ein Klavier zum Ausleihen. Wer immer den Drang verspürt, haut hier in die Tasten – eine schöne Idee!

2. Du bestimmst, wo du Station machst

Nervenzusammenbruch beim Umstieg in Paris? Muss nicht sein. Wenn du die Zeit hast, mach aus der Not eine Tugend und bleib einfach ein, zwei Nächte dort. Manchmal passt es auch mit den Anschlüssen nicht. Vielleicht erreichst du den Nachtzug nach Lissabon nicht rechtzeitig oder du kommst auf dem Rückweg so spät in Paris an, dass der letzte Zug nach Köln schon weg ist. Dann musst du in Paris übernachten, kannst dich aber jederzeit damit trösten, dass es schlechtere Orte gibt, um die Zeit totzuschlagen.

Am besten buchst du eine Unterkunft in der Nähe des Bahnhofs, von dem aus du wieder starten wirst. So haben wir es zuletzt gemacht. Unsere Mietwohnung lag direkt am Montmartre. Es war schön späterer Abend, als wir dort ankamen, die Restaurants waren voll, aber der kühle Wind hatte den Platz vor Sacré-Cœur leergefegt. So hatten wir den Blick über die Stadt fast für uns. Den nächsten Tag verbrachten wir mit einem ausgedehnten Spaziergang bis zum Eiffelturm.

Nachtzug nach Lissabon

Immer gut für einen Zwischenstopp: Spaziergang durch Paris

Paris ist aber nicht die einzige Zwischenstation, die sich anbietet. Im letzten Sommer etwa haben wir den Nachtzug nach Lissabon links liegen lassen und sind stattdessen die Atlantikküste entlanggefahren. Herausgekommen ist ein spannender Städtetrip von Bordeaux über San Sebastian, Oviedo, Ferrol, Santiago de Compostela und Porto nach Lissabon – also Stadtkultur verschiedenster Couleur plus Meer und baden in elf Tagen. Alles mit dem Zug oder, wo das nicht möglich war, mit dem Bus.

Klingt anstrengend? Auch das bestimmst du. Wir sind durchschnittlich zwei Nächte an jedem Ort geblieben und hatten dadurch mindestens einen vollen Tag Zeit, um uns umzusehen. Wer sich da nicht zu viel Sightseeing vornimmt und auch mal Ruhepausen einlegt, kommt ausgeschlafen am Ziel an – und hat schon jede Menge erlebt.

3. Der Nachtzug nach Lissabon ist selbst ein Erlebnis

Dass es so einfach wäre, hatten wir nicht erwartet. Du fährst mit dem TGV von Paris nach Hendaye, spazierst einmal durch die Bahnhofshalle und steigst auf der anderen Seite in den Nachtzug nach Lissabon. Vorher zeigst du dem freundlichen Schaffner – der ist stets Portugiese wie das übrige Zugpersonal auch – deine Fahrkarte.

Drinnen musst du dich mit deinem Gepäck dünn machen, denn die Gänge sind eng. Aber so war das nun mal in den Hotelzügen von früher, und dieser ist so einer. Der erste Eindruck: plüschig, samtig, eigenwillig verwinkelt, irgendwie barock. Die Kabinen eher zweckmäßig, dabei gut organisiert. Das Beste: ein eigenes Waschbecken direkt am Fenster. Da kannst du dir morgens die Zähne putzen und guckst direkt in die portugiesische Landschaft.

Nachtzug nach Lissabon

Der Nachtzug von innen: teppichverkleidete Wände, runde Formen, Retro-Design

Aber bevor der Nachtzug nach Lissabon in Portugal ankommt, muss er erst mal durch halb Spanien. Auf der Hinfahrt siehst du davon nicht viel außer ein paar nächtlichen Bahnhöfen. Am längsten stehen die Räder in Medina del Campo still, einem Kaff im Nirgendwo. Was da passiert, weiß man nicht genau – vielleicht hält der Lokführer ein Nickerchen oder bekommt eine warme Mahlzeit, damit er den Rest der Nacht durchsteht.

Vielleicht sorgt die Pause aber auch nur dafür, dass der Nachtzug nach Lissabon sein Ziel nicht zu früh erreicht und die Passagiere auf diese Weise länger schlafen können. Laut Fahrplan dauert die Fahrt gut 13 Stunden, dass ist eigentlich zu viel für knapp 1.000 Kilometer.

Wer abends noch einen Absacker braucht, geht in den Barwagen. Da gibt’s portugiesisches Superbock aus der Dose, einfache Weine, ein paar Cocktails und diverse Snacks. Je später die Stunde, desto bunter das Publikum. Portugiesen, Spanier, Franzosen, sehr selten Deutsche rollen als willkürlich zusammen gewürfelte Schar gemeinsam durch die Nacht und prosten sich zu.

Warmes Abendessen bietet der Barwagen nur auf der Rückfahrt, auf der Hinfahrt musst du das vorher erledigt haben. Dafür bekommst du am nächsten Morgen ab sechs Uhr ein leckeres Frühstück mit annehmbarem Kaffee, und das zu wirklich günstigen Preisen. Besondere Zugabe: das wechselnde Panorama des Tejo beziehungsweise – auf der Rückfahrt – die grünen Täler der spanischen Pyrenäen. Die sehen so ähnlich aus wie Alpenlandschaften, nur schöner, weil weniger akkurat.

Nachtzug nach Lissabon

Im Barwagen zu späterer Stunde. Die spanische Meseta draußen hüllt sich in Dunkelheit.

4. Ankunft morgens mitten in Lissabon, ausgeruht!

Zugegeben: Ob du ausgeruht bist oder nicht, hängt davon ab, wie du in Liegewagen schläfst. Das Rattern der Räder kann da Wunder wirken und wenn du doch mal aufwachst, weil der Zug steht, guckst du aus dem Fenster und versuchst herauszufinden, wo du gerade bist. Bei längeren Schlafpausen erfüllen auch Leselampen ihren Zweck. Die sind an jedem Liegeplatz installiert und funktionieren sogar.

Das Beste am Nachtzug nach Lissabon ist aber: Du steigst morgens mitten in der Stadt aus. Nicht draußen am Flughafen, der mittlerweile immerhin einen U-Bahn-Anschluss hat, sondern in Santa Apolonia – mit dem Fluss auf der einen Seite und dem Burghügel auf der anderen. Wenn du willst, kannst du gleich mal in den Tejo spucken.

So ein Bahnhof hat übrigens noch ein paar Vorteile: Du stehst dir nicht die Beine in den Bauch vor irgendwelchen Check-in-Schaltern, musst keine Sicherheitsschleusen durchlaufen und auch nicht die Schuhe ausziehen, weil du da drin Sprengstoff versteckt haben könntest. Statt überteuerte Getränke zu Flughafenpreisen kaufen zu müssen, nimmst du einfach deinen Wasserbedarf und was du sonst noch brauchst mit, ohne jede Mengenbegrenzung und Kontrolle. Überhaupt hast du dein Gepäck immer bei dir und stellst nicht am Gepäckband fest, dass dein Koffer vielleicht fehlt oder total zerbeult ist. Du verbringst keine endlosen Wartezeiten in Duty-Free-Shops und bist auch sonst überhaupt nicht eingeschränkt.

Nachtzug nach Lissabon

Miranda de Ebro um kurz nach drei Uhr morgens: einer der spanischen Haltebahnhöfe auf dem Weg nach Portugal

5. Sauber reisen

Nicht ganz unwichtig in Zeiten des Klimawandels: Mit dem Zug verpestest du die Luft viel weniger als mit dem Flugzeug. Wie viel CO2 du einsparst, erfährst du beispielsweise in der Online-Verbindungsübersicht der Deutschen Bahn.

Gib dort einfach die Strecke Köln-Lissabon ein und klicke unter der Ergebnisliste auf UmweltMobilCheck. Dann siehst du

  1. dass du mit dem Flugzeug zwar mehr als fünf Mal schneller bist als mit dem Zug;
  2. dass deine Zugreise aber nur 43 Kilogramm CO2 pro Person freisetzt, während das Flugzeug auf derselben Strecke 235 Kilogramm in die Atmosphäre bläst.

Geschwindigkeit hat also ihren Preis – in diesem Fall ein mehr als fünf Mal so hoher Ausstoß an Treibhausgasen. Der erscheint zwar nicht auf deiner Rechnung und du siehst den Dreck auch nicht, aber entstanden ist er trotzdem. Mit dem Zug reist du sauberer.

Service

Natürlich kannst du dir die Zugverbindungen alle selbst aus dem Netz suchen und online buchen. Für die Strecke Köln-Lissabon ist das allerdings gar nicht so einfach. Gerade in Frankreich ändern sich ständig die Tarife und es gehört viel Erfahrung dazu, am Ende wirklich das günstigste Angebot zu buchen.

Dazu kommt, dass nicht alle Zugverbindungen gleichzeitig zur Buchung freigegeben werden und sich die Freigabe manchmal noch verzögert. Das bedeutet, dass du ständig in den Buchungsportalen nachschauen musst, damit dir die günstigsten Tarife nicht durch die Lappen gehen. Denn wie überall gilt: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

Du hast viel Zeit? Dann versuch es selbst und spare Geld. Wer lieber seine Nerven schont, konsultiert eines der drei oder vier Reisebüros, die sich bewusst auf Bahnreisen spezialisiert haben. Unsere Empfehlung: das Team von Gleisnost in Freiburg. Das findet zu jedem Reiseziel die richtige Zug- oder Busverbindung und hat auch unseren komplizierten Atlantik-Städtetrip perfekt organisiert.