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Bay of Islands und Waitangi in Neuseeland

Die paradiesisch schöne Bay of Islands und das erhabene Waitangi sind Gründungsorte des neuseeländischen Staates. Früher hieß diese Weltgegend Hellhole of the Pacific, Höllenloch des Pazifiks. Tatsächlich begegneten hier die Maori zum ersten Mal den Einwanderern aus Europa. Eine Spurensuche.

Die Treaty Grounds von Waitangi sind atmosphärisch einer dieser ganz starken Orte in Neuseeland. Auf einem außerordentlich gepflegten, englischen Rasenstück oberhalb der zauberhaften Bay of Islands beginnt im Jahre 1840 die Geschichte des modernen neuseeländischen Staats. Und zwar am 6. Februar mit der Unterzeichnung des Vertrags von Waitangi. Mit dabei 45 Chiefs der neuseeländischen Maori und William Hobson als Vertreter der englischen Krone und damit der eingewanderten Europäer, der Pākehā. Jedes Jahr wird dieser Staatsgründung mit dem Waitangi-Tag gedacht.

Heute ist die Bay of Islands mit ihren vielen winzigen Inseln und einer von Buchten und Bergen gesäumten Küstenlinie eine südliche Paradies Landschaft. Wasser in Karibikblau, Delphine, Robben, Killerwale, richtig gutes Essen und feurig rot blühende Pohutukawa Bäume. In wahnsinnig vielen Ferien-Unterkünfte lässt sich gut übernachten. Hübsche Touristenkutter bieten schöne Bootsfahrten durch die Inselwelt der Bay of Islands an. Richtig idyllisch! Wie kurzweilig es an der Bay of Islands zugehen kann, hat Kirsten in Warme Weihnachten DownUnder eindrücklich beschrieben.

Blauer Himmel und rote Blüten an der Bay of Islands. Bienen fliegen an die roten, federartigen Blüten des Pohutukawa Baumes.

Pohukutawa, der neuseeländische Weihnachtsbaum in voller Pracht.

Das Bild ist zweigeteilt in blauen Himmel und dem Wasser der Bay of Islands. Im Vordergrund ist ein kleines Stückchen Sandstrand zu sehen. Das Wasser ist türkisblau. Ein Bootsanleger ragt diagonal in das Bild.

Früher Hellhole of the Pacific, heute einfach nur schön. Fähranleger in Russell

Die Bay of Islands, das Höllenloch des Pazifiks

Aber vor gut 180 Jahren war die Bay of Islands als Hellhole of the Pacific, Höllenloch des Pazifiks bekannt. Robbenfänger und Walfänger, entflohene Gefangene aus den Strafkolonien in Australien, Deserteure und Abenteurer, Nutten und Geistliche waren wegen der günstigen geografischen Lage und dem perfekten Naturhafen in der Bay of Islands gelandet. Dort wurde ein Ort mit Namen Russell gegründet, der das Prekariat der Weltmeere magisch anzog. Alkohol, Glückspiel, Hurerei, Mord und Totschlag. In Russell soll es schlimmer zugegangen sein als im überkandidelten Piraten-Epos, Fluch der Karibik. Mit wohligem Schauer erzählen Russell Fremdenführer noch heute von dieser krassen Vergangenheit.

Tatsächlich ist die Bay of Islands der Küstenstreifen Neuseelands, an dem Maori erste Erfahrungen mit den europäischen Einwanderern sammeln konnten. Wahrscheinlich wunderten sich die Maori über die vielen jungen Männer aus Europa mit dicken Eiern und einer geballten Faust in der Tasche. Wie eine Flutwelle wurden sie an die Küsten Neuseelands gespült, missachteten lokale Sitten und Gebräuche und sorgten so für reichlich Zoff und Krawall.

Das Bild aus dem Museum der Treaty Grounds von Waitangi zeigt 3 Kuperstiche auf denen Männer mit langen Haaren und Perücken dargestellt sind. Sie sind angezogen in der Mode des 17. und 18. Jahrhunderts. Sie schauen sehr streng.

Europäischen Entdecker Neuseelands. Abel Tasman, James Cook und Marc-Joseph Marion du Fresne. 1769 gab James Cook der Bay of Islands den heutigen Namen …

Das Bild zeigt die Ausstellung im Museum von Waitangi. Auf einem großen Foto ist eine geschnitzte Holzskulptur dargestellt, die den legendären Entdecker Neuseelands darstellen soll. Kupe. Er hat einen großen Kopf und trägt ein Ruder in den Händen.

… bevor die Europäer kamen, waren aber schon die Maori da. Dieses Bild zeigt den legendären polynesischen Entdecker Neuseelands. Kupe. Er soll schon 600 Jahre vor den Europäern auf Neuseeland gelandet sein

In diesem Bild aus dem Museum in Waitangi steht rechts ein Mann, in einen braunen Umhang gehüllt. Er reicht einen roten Hummer an einem Mann auf der linken Seite, der einen schwarzen Anzug und eine Perücke trägt.

Essen gegen Taschentuch. Ohne die praktische Unterstützung der einheimischen Bevölkerung hätten die europäischen Entdecker im Pazifik nicht überlebt. Dieses Tauschgeschäft hat Tupaia, ein Prinz und Priester aus Tahiti, gezeichnet

Der Vertrag von Waitangi

Irgendwann war Schluss mit lustig. Die Maori der Bay of Islands schickten nach London zu King Wilhelm, damit dieser seinen marodierenden Untertanenpöbel mal richtig an die Kandare nähme. Nach einigem Hin und Her entstand zur Zeit der Queen Victoria dann die Idee eines Vertrages. Neuseeland sollte damit zur britischen Kolonie erklärt, das britische Recht eingeführt und die Maori zu britischen Staatsbürgern unter der Herrschaft der jungen Königin werden. Vielleicht ein guter Plan. Leider  nur suboptimal ausgeführt. Das führte zu Problemen, die noch heute die Gerichte und das neuseeländische Parlament beschäftigen.

In einem super interessanten Museum auf den Treaty Grounds von Waitangi lassen sich die politische Entwicklung hin zum Vertrag von Waitangi und dessen gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen – zum Beispiel der Landverlust der Maori zugunsten der Europäer – gut nachvollziehen. Besonders faszinierend finde ich die Teile der Ausstellung, die meine bräsigen Vorstellungen vom Verhältnis Kolonisierte und Kolonisierenden auf den Kopf stellen. Denn die eher schlichten Europäer konnten in Neuseeland nur überleben, weil die Maori sie mit allem Lebenswichtigen unterstützten.

Trotzdem bedeutete die Kolonisierung Neuseelands mit Waffengewalt, dass die Europäer, erstmal die vorgefundene Bevölkerung von deren angestammten Land vertreiben mussten, bevor sie es selber – häufig sogar noch illegal – in Besitz nehmen konnten. Vergisst man immer wieder, dass die Europäer die Welt gewalttätig mit Waffen und Keimen erobert haben. Aber auch die Maori haben nicht einfach so klein beigegeben sondern sich mit scharfen Waffen gegen die einwandernden Europäer zur Wehr gesetzt.

Ein kleines weißes Holzhaus mit einem roten Dach und zwei Schornsteinen unter einer Glashaube aus dem Museum in Waitangi.

Modell des Holzhauses von James Busby

 

Im Zentrum des Bildes steht eine hochaufragende Fichte mit unregelmäßig gewachsenen Ästen. Im Hintergrund die bewegte Küstenlinie der Bay of Islands.

Mit den Europäern wanderten auch Pflanzen nach Neuseeland ein. Zum Beispiel diese Norfolk Fichte, die Agnes Busby vor gut 160 Jahren in Waitangi pflanzte

Konflikte an der Bay of Islands

Von diesen Konflikten also erzählt das Museum. Auf den Treaty Grounds von Waitangi lässt sich davon nichts entdecken. Die entspannte Ruhe der Bay of Islands breitet sich auch auf den Treaty Grounds von Waitangi aus. Das ist unglaublich erhaben. Auf dem grünen Rasen der Gedenkstätte kann die Residenz besichtigt werden, die James Busby, der ersten englische Repräsentant in Neuseeland, errichtet hat.

Ein Fertighaus, welches in Australien vorfabriziert und dann Backstein für Backstein an die Bay of Islands transportiert worden ist. Zwei Zimmer für eine 7 köpfige Familie. Die europäisch inspirierte Baukunst hat in Neuseeland ziemlich klein angefangen. Hinter dem Haus wächst in einem verträumten Blumengarten sogar Wein, ganz erstaunlich. Besonders beeindruckt mich aber die gigantische Norfolk Fichte, die Misses Busby gepflanzt hat.

Schutzgeister in Waitangi

Ngātokimatawhaoru, das längste Kriegskanu der Welt. Sticht einmal im Jahr zum Waitangi Tag am 6. Februar in See

Spaziergang über die Waitangi Treaty Grounds

Genau gegenüber des Busby-Hauses erhebt sich ein geschnitztes, modernes Maori Versammlungshaus, das Te Whare Rūnanga. Gemeinsam mit dem Busby-Haus erinnert das Versammlungshaus daran, dass an der Bay of Islands mit dem Vertrag von Waitangi eine Partnerschaft zwischen Maori und Pākehā besiegelt wurde. Mich beeindruckt an der Maori Architektur besonders, dass ein Haus spirituell wie ein Mensch oder besser ein Vorfahre gedacht werden kann. Der Dachfirst repräsentiert die Wirbelsäule, die Dachbalken die Rippen, der zentrale Pfosten das Herz und so fort.

Ein kurzer Spaziergang führt entlang eines Naturlehrpfads, der die außergewöhnliche Flora Neuseelands vorstellt, hinunter zum größten Kriegskanu der Welt. Dieses Kanu mit dem spektakulären Namen Ngātokimatawhaorua ist übrigens das einzige Kriegskanu, in dem eine Frau unterwegs war, nämlich Prinzessin Diana, lange her.

Bei der Betrachtung des Kanus fällt sofort auf, dass die Vorfahren der Maori, schon Weltumsegler waren, als Kolumbus noch lange nicht zur Segelschule auf dem Mittelmeer ging. Schon im 13. Jahrhundert haben die polynesischen Vorfahren der Maori den Pazifik mutig durchsegelt. Aber es fällt wegen der vielen geschnitzten, fratzenhaften Dämonen an der Bootswand auch auf, dass die Maori-Kultur eine kriegerische Kultur gewesen sein muss.

Ganz in der Nähe des Kanus gibt es ein Café, praktisch, denn nach den vielen intensiven Eindrücken in Waitangi ist erstmal chillen angesagt. Außerdem sind die Brownies und der Flat White wirklich spitze.  Nach etwas Erholen, lassen sich auch wieder neue Pläne schmieden.

Das Bild zeigt in der Ferne einen Wald aus niedrig wachsenden Bäumen, die von Wasser umgeben sind.

Der Mangroven-Wald an den Ufer des Haruru River.

Wanderung zu den Haruru Falls

Da das Naturerlebnis an der Bay of Islands so eindrücklich ist, lohnt sich eine kurze Wanderung von Waitangi zu den Haruru Wasserfällen. Der Weg beginnt etwas versteckt hinter dem Golfplatz von Waitangi und folgt dem Haruru Fluss. Haruru bedeutet übrigens „großer Lärm“. Da der Weg rutschig sein kann, sind feste Schuhe empfehlenswert. Für den 6 km langen Weg sollten ungefähr 2,5 Stunden eingeplant werden.

Die Wanderung führt mitten durch einen Mangroven-Wald, super interessant. Aber schon merkwürdig, dass es sich Bäume auch im Salzwasser gemütlich machen können. Mich faszinieren aber auch die Kormorane, die auf Baumstümpfen hocken und ihre Flügel spreizen.

Wie der Name schon verrät, kündigen sich die Haruru Wasserfälle mit einem kräftigen Rauschen an. Es gibt spektakulärere Wasserfälle in Neuseeland. Aber die Wanderung hat sich auf jeden Fall gelohnt. Mit dem Taxi fahre ich hinunter nach Pahia. Ich bin nach der Wanderung ziemlich verschwitzt. Also rein in die Badehose und ab in das Karibik-Blau der Bay of Islands. Tolle Erfrischung und ein entspanntes Ende für einen super spannenden Tag an der Bay of Islands!