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Düne mit Specktorpedos. Helgoland im Herbst

Weißer Sand und kristallklares Wasser. Im Sommer präsentiert sich die Düne von Helgoland als traumhaftes Badeparadies mitten in der Nordsee. Im Herbst dominiert auf Deutschlands einziger Hochseeinsel ein herber Charme mit dramatischen Himmeln, der Nordsee-Freunden und Kegelrobben-Fans das Herz wärmt.

Helgoland im Herbst ist ein Traum. Einer, den ich mir nach diversen sommerlichen Tagestrips mit einem Ausflugsschiff endlich einmal erfüllen will. Mit Übernachtung auf Helgoland. Nicht nur als Tagesgast. Ein ausgedehnter Besuch auf der Düne soll diesmal dabei sein. Die Düne ist Helgolands 1.000 Meter langes und 700 Meter breites Naherholungs- und Badeparadies mit zwei Traumstränden. Und einer Schar tierischer Bewohner, die zur Robben-Beobachtung anrücken.

Robben-Rekorde: Die Zahlen steigen kontinuierlich. In der Wurfzeit 2016/2017 gab es mit 354 Kegelrobbenbabys einen neuen Höchststand. Bereits 2015/2016 verzeichnete man angesichts 317 neugeborenen Tieren ein Rekordjahr. (aus: Wibke Kramp, Helgoland. Reisereif für die Insel.)

Vor der Düne kommt die Dünung

Das Abenteuer beginnt schon Tage vor der Anreise. Werden wir überhaupt ablegen? Wer im Herbst eine Fahrt nach Helgoland plant, begibt sich komplett in Wetter’s Hand. An 4 von 5 Tagen fallen zu unserer Zeit die Fähren am Büsumer Hafen aus. Manchmal fährt nur ein Anbieter nicht, einmal bleiben beide Schiffe im Hafen. „Unser Tag“ kommt, wir haben eine Übernachtung fest gebucht, kein Storno möglich. Und sin gespannt. Von Büsum aus nach Cuxhaven zu fahren und zu hoffen, von dort aus überzusetzen, wäre ein Riesenakt.

Wir haben Glück. Oder auch nicht? Das Schiff fährt, aber der Wellengang ist amtlich. Nach kürzester Zeit färben sich die Gesichter vieler Mitreisender grün, verstohlen bis offensiv kreisen die Kotztüten. Die Besatzung juckt das nicht. Souverän und entspannt schlingert sie über das Schiff und muntert die rückwärts Frühstückenden auf durchzuhalten. Die Jungs und Mädels sind seefest, so viel ist sicher.

Eine Überfahrt bei Seegang ist für Empfindliche maybe not so funny. Doch am Ende der hohen Wellen werden die Herbsturlauber mit Sonnenschein belohnt.

Mein Tipp, um eine Fahrt mit Boot oder Fähre auch bei Seegang gut zu überstehen: Am Abend vorher möglichst keinen Alkohol trinken. Am Morgen vor Aufbruch auch keinen Kaffee, denn beides reizt den Magen. Möglichst trocknes Brot frühstücken mit Ei, generell nicht zu fett essen, und die Tabletten gegen Seekrankheit (neudeutsch: Motion Sickness) mit einem schönen Tee runterspülen. Am besten ist es, wenn du auch während der Überfahrt weiter frischen Ingwer kaust. Einfach ein paar Scheibchen einpacken und ab in den Mund damit. Hilfreich ist auch draußen zu sitzen und auf den Horizont zu gucken. Es sei denn, dort stehen ebenfalls Leute herum und spucken sich die Seele aus dem Leib. Das könnte ansteckend wirken.

Mit der Witte Kliff nach Düne

Was ich dieses Mal auf Helgolands Hauptinsel erlebt habe, erzähle ich in einem anderen Beitrag. Heute dreht sich alles um die Düne. Noch nicht ganz wach, sehe ich die ersten Specktorpedos, wie ich Kegelrobben immer nenne, bereits zum Sonnenaufgang. Sie drehen im Schutz des schmalen Wasserstreifens zwischen den Landungsbrücken und der Düne ihre morgendlichen Schwimmrunden. Mir ist das Wasser definitiv zu kalt zum Baden, den ersten Kaffee schlürfend genieße ich den Beginn eines neuen Tages. Und beobachte die Witte Kliff. Der Name der kleinen Fähre bedeutet Weißes Kliff und bezieht sich auf den Muschelkalk-Felsen, der einst prominent aus dem Wasser ragte und die kleine Düne mit der Hauptinsel verband. Eifriger Abbau des unter anderem für die Porzellanherstellung begehrten Muschelkalks sorgte dafür, dass das Verbindungsstück in der Silvesternacht 1720/21 einstürzte.

Irgendwann sind auch wir mit an Bord. 5 Euro kostet der Spaß – hin und zurück. Klar, was soll man mit ner Einzelfahrt, früher oder später muss jeder wieder zurück. Gleich, nachdem wir von Bord gehen, sehen wir die erste Robbenkolonie. Zwischen dem Seetang und den Steinen fallen die grau-braunen Leiber anfangs gar nicht so auf. Männchen erkennt man – wenn ich es richtig in Erinnerung habe – an dem dunklen Fell mit hellen Flecken. Die Weibchen sind heller mit dunklen Flecken. So viele Tiere sieht man nicht aller Tage. Die Düne ist ein wahres Kegelrobbenparadies.

Mitten in der Nordsee, auf einem kleinen roten Felsen einen Tag begrüßen. Und mit der Witte Kliff zur Düne übersetzen. Für einen erholsamen und aufregenden Tag mit Kegelrobben.

Mit meiner zauberhaften Reisebegleitung geht es im Uhrzeigersinn über den Nordstrand zum Südstrand, einmal rund um das Mini-Eiland. Zwischendurch sitzen wir in gebührendem Abstand zu den Tieren im Sand und beobachten die Kegelrobben beim Kegelrobben sein. Keine Ahnung, wieso dieses Naturschauspiel so tief befriedigend ist. Ein Spektakel, das nur noch krasser wird, wenn die Raubtiere in der kältesten Jahreszeit ihre Jungen zur Welt bringen.

Dann robben sich hier 10 Kilogramm zarte, schwimmunfähige Mini-Torpedos mit weißem Fell und schwarzen Knopfaugen durch die Gegend. Oftmals harren die Kleinen stundenlang alleine am Strand aus, bis das Muttertier mit der nächsten Mahlzeit anrückt. Was für ein Krimi. Wer macht sowas? Ist das Leben nicht schon hart genug? Ein paar Waisen bleiben jedes Jahr zurück, aufgepäppelt werden sie in der Seehund Aufzuchtsstation in Friedrichskoog.

Das kleine Glück auf der Düne von Helgoland. Im Sand sitzen und Kegelrobben beobachten. Geht im Herbst besonders gut.

Ob mit dem Uhrzeigersinn oder counter clockwise, oder auch mitten durch. Egal welchen Weg du einschlägt, am Ende landest du wie auf Schienen im Dünenrestaurant, Postanschrift „Düne 1“. Mit Sonnenterrasse und großen Fenstern einfach kuschelig mit Aussicht. Wer hier nicht die Kniepersuppe bestellt, ist selbst schuld. Die Scheren des Taschenkrebs, Knieper genannt, sind eine Helgoländer Spezialität. Unbedingt probieren!

Angespülter Seetang am Nordstrand der Düne bei Helgoland. In ihm gehen Spaziergänger mit gesenktem Blick. Sie suchen den Boden nach seltenen Steinen und besonders schönen Muscheln ab.

Viele Strandspaziergänger trifft man mit gesenktem Kopf an. Heute suchen die Leute hier Pyrit, auch Katzengold genannt. Oder Roten Flint, einen besonderen Feuerstein, der nur hier zu finden sein soll. Unser Blick schweift in die Gegend, wir halten nach Kegelrobben Ausschau.

Am Südstrand steht ein Biologe und Naturschützer dick eingepackt mit Schubkarre und überdimensionierter Garnrolle – was macht der denn hier? Ah, verstehe. Am Südstrand, glech neben dem Leuchtturm, liegen die grandiosen Specktorpedos dicht an dicht. Ohne Absperrung würden die Besucher auf Inselumrundungskurs wahrscheinlich gar keinen Abstand halten. Da sich einzelne Tiere immer wieder bewegen und die restliche Kolonie ihnen dann nachfolgt, folgt der Naturschützer in (un)regelmäßigen Abständen diesen Bewegungswellen, zieht den Pflock aus der Erde und schlägt ihn einige Meter weiter wieder neu ein. Mindestens 30 Meter Abstand sollte es gern sein zwischen den Raubtieren und den neugierigen Urlaubern.

Eine Gruppe Kegelrobben liegt am Südstrand der Düne bei Helgoland. Im Hintergrund ein herbstlich aufgewühlter Himmel.

Specktorpedos galore – Die großen Stars der kleinen Düne von Helgoland

So planst du deinen Besuch auf der Düne

Die Fähre nach Düne fährt je nach Wetterlage vom Nord-Ost Hafen oder von den Landungsbrücken. Aushänge vor Ort informieren stets aktuell. Nach Helgoland kommst du mit der Fähre von Büsum, von Hamburg oder von Cuxhaven. Auch einen kleinen Inselflieger gibt es, der landet kurioserweise direkt auf der Düne, nicht auf der Hauptinsel.

Erholung geht hier mitten in der Nordsee wirklich super. Die Luft ist spektakulär sauber und ein richtiger Energie-Booster. Das macht tagsüber extrem wach und sorgt am Abend für einen auffällig tiefen, erholsamen Schlaf. Wer gern badet (Sommer) oder ebenso gern Kegelrobben beim Kegelrobbe sein beglotzt wie ich, kann es hier gut länger aushalten als nur einen Tag.

Unterkünfte zeitig buchen, der Platz auf dem kleinen Sandhaufen ist begrenzt. Kitesurfer, Lenkdrachen-Fans und ähnliche Sportsfreunde lassen ihr Equipment besser zuhause. Auf der Düne sind diese Freizeitaktivitäten aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt.

Sand gibts auf Helgolands Düne zuhauf. Im Hintergrund das Bungalowdorf mit seinen farbigen Holzhäusern im skandinavischen Stil. Hier übernachten echte Dünenurlauber.

Verhaltenkodex fürs Kegelrobben Gucken auf der Düne

So geht Robben-Beobachtung richtig: Umsichtiges Verhalten gegenüber den Robben ist das A und O. Nur so wird sichergestellt, dass die Tiere die Düne weiter nutzen – und wir sie weiter beobachten können.

Robben sehen vielleicht niedlich aus, aber sie sind ernstzunehmende, wilde Raubtiere. Auch deshalb gilt: Mindestens 30 Meter Abstand halten und nicht stören! Und, du hast es dir sicher schon gedacht: Streicheln geht gar nicht.

So schön es auf Düne ist, früher oder später müssen alle Besucher der Düne wieder zurück auf den roten Felsen, Helgoland, Deutschlands einzige Hochseeinsel. Und was man da Tolles machen kann, ist schon bald nachzulesen. Hier, auf Sirenen & Heuler.