Norderney_Dünenlandschaft (Unicode-Codierungskonflikt)

Dünenwandern, das

Mit den nackten Füßen in Dünen und Sand – für viele der Inbegriff von Freiheit. Am Meer gewinnt dieser Wohlfühlfaktor noch eine zusätzliche Komponente. Wir atmen klare, an der Nordsee sogar jodhaltige, salzige Luft. Wo und wie geht das besonders gut? 

Wandern gehört zu den beliebtesten Freizeitvergnügungen der Deutschen. Anscheinend befreit das Laufen über Stock und Stein, durch Wald und Wiesen den Geist und tut dem Körper wohl. Es müssen aber nicht immer Wald und Berge sein. In Deutschland Lebende, die gerne wandern, können sich auch auf Sand begeben. Aufgrund der ganzheitlichen Wirkung auf den Organismus sind lange Spaziergänge am Sandstrand und querfeldein durch Dünen auch eine tolle Alternative für Wander-Lustige.

Dünen. Wandern als ultimative aktive Erholung

„Wandern ist eine mit Naturerleben verbundene, gemäßigte Sportart und ein zentraler Wirtschaftsfaktor des Sommertourismus.“, sagt Wikipedia. Ich sage: Und eine umweltschonende noch dazu. Vorausgesetzt, man nähert sich den Wanderzielen mit der Bahn oder dem Fahrrad. Die gesamte dänische, deutsche und niederländische Nordseeküste, von Jütland bis nach Holland, hält viele Orte bereit, die Geist, Herz und Füße befreien. Und die mit öffentlichem Nah- und Fernverkehr gut zu erreichen sind.

Wandern ist eine Form weiten Gehens von mehreren Stunden. Früher eine häufige Art des Reisens, stellt es heute vorwiegend eine Freizeitbeschäftigung und Sportart dar.

Quelle: Wikipedia

Primärdünen, Weißdünen, Graudünen, Wanderdünen? Mir grad egal, in jedem Fall voll schöne Dünen. Hier der Blick auf den Kniepsand aus knapp 40m Höhe, vom Leuchtturm Amrum aus.

Von den Nordfriesischen Inseln ist der Kniepsand vor Amrum in seiner Weite am bekanntesten. Die circa 10 km² Sandfläche ist kein Teil der Insel, auch wenn es so aussieht. Vielmehr handelt es sich beim Kniepsand um eine langsam wandernde Sandbank in der Nordsee. Wer auf Amrum mit dem Fahrrad unterwegs ist, hält sich westlich und fährt automatisch in Richtung des Kniepsandes.

Bei der Fahrt durch den Wald füllen sich die Lungenflügel schon mit würziger Luft. Kaum ist der Sand in Sicht, hat das Fahrrad Pause, denn jetzt geht es zu Fuß weiter. Je nach Tageszeit und Windrichtung wählt der Genuss-Wanderer seine Startrichtung und mäandert zwischen der Wasserlinie und dem landzugewandten Teil hinterher.

Dänische Dünen. Rauer Zauber in Jütland

Richtig tiefe und breite Dünengürtel gibt es zum Beispiel in Hennestrand und Børsmose, Blåvand oder Vejers Strand, alles kleine Ortschaften in der Kommune Varde (Region Syddamark) im dänischen Jütland. Die Dünen bei Henne Strand sind bis zu 25 Meter hoch, hier können Flachlandtiroler nach einer Dünenwanderung ihre Wadenmuskeln singen hören. Jeder, der schonmal Beachvolleyball gespielt hat, weiß es: Das Laufen im tiefen Sand ist ganz schön anstrengend.

Hier geht es zudem noch hoch und runter geht es, dann wieder hoch – und wieder runter. Manchmal ist das Wasser in der Ferne zu sehen, manchmal scheint man komplett umgeben von Dünensand und Dünengras. Da die Netzversorgung durchaus mal wackeln kann, empfiehlt sich zumindest eine grundlegende Fähigkeit, sich anhand der Uhrzeit und dem Stand der Sonne zu orientieren.

Meine schönsten Erinnerungen aus Kinderzeiten spielen in den Dünen von Jütland, Blindschleichen inklusive. Für uns freilaufende Kinder der 1970er Jahre ein einziges Abenteuer, das Paradies. Anette, Agnes und ich waren ständig unterwegs, immer barfuß, meistens nackig. Brachten von unseren Erkundungstouren leckere Quallen und Seesterne, Fischchen und Nordseekrabben mit.

Schon damals gehörte die Sonnencreme zur Grundausstattung, heute ist ausreichender Schutz noch wichtiger. Denn gerade am Meer hat die Sonne viel Brennkraft, während uns der Wind auf der Haut Kühle suggeriert. Eine Mischung, die zu unterschätzen zu üblen Sonnenbränden führt.

Dünengras hat ja neben gut aussehen auch ne verantwortungsvolle Aufgabe, nämlich die Düne bei ihren Wanderungen im Zaum zu halten. Wie hier, in Dänemark.

Sankt-Peter-Ording und die Halbinsel Eiderstedt

Auch auf der Halbinsel Eiderstedt, die den Übergang von Dithmarschen zu Nordfriesland markiert, äußert sich das Ringen zwischen Meer und Landfläche in einer abwechslungsreichen, schlammig-sandigen Patchwork-Landschaft aus Weideflächen und Salzwiesen. Urlauber, die ohne Auto unterwegs sind, sollten ein geländegängiges Fahrrad haben und gut zu Fuß sein.

Jetzt steht dem entschleunigten Einfach-so-Sein mit Blick auf Strand und Dünen nichts mehr im Wege. Ein Schritt vor den anderen, erst zaghaft noch, dann immer selbstbewusster, drückt sich der Fuß in den Boden, drückt sich ab, nimmt kleine Muscheln, Steinchen und andere Hubbel wahr. Man atmet sich frei, ist einfach da.

Eine Düne ist eine Erhebung aus Sand, der vom Wind angeweht und abgelagert wird. Die Bildung von Dünen setzt das Vorhandensein von Sand und das Fehlen von Wasser oder einer geschlossenen Pflanzendecke voraus.

Entlang des Dünengürtels von Eiderstedt gibt es gut ausgebaute Radwege. Radtouren machen hier auch großen Spaß. Abends fühle ich mich selbst als gebürtiges Küstenkind in den ersten Tagen richtig benebelt vor lauter Meeresluft, Wind und Sonne. Auch die Temperaturen können stark schwanken, was sich auch auf den Kreislauf auswirkt und den Organismus stark stimululiert.

Dünengras ist ganz schön stabil. In der sanften Bewegung verdeckt und zeigt es die Schönheit der Weite.

Einfach mal durchatmen und ’nen Gang zurückschalten

Gerade in der Großstadt mit ihrem Feinstaub und anderen urbanen Reizen leide ich mitunter unter diffusen Allergiebeschwerden. Am Meer geht es immer auffällig besser. Wieso ist das so? Allergene wie Pollen oder Gräser haben bei leichter Meeresbrise keine Chance. Die Luft ist permanent in Bewegung und sorgt so für stetig frischen und überdurchschnittlich sauberen Sauerstoff. In den Herbst- und Wintermonaten ist die Luft am reinsten, das habe ich auch im Oktober auf Düne (Helgoland) festgestellt. Die eigentliche Kraft liegt in dem maritimen Aerosol.

Ausgedehnte Dünenwanderungen und Strandspaziergänge sind Mini-Kuren für Haut, Lungen und Seele. (Foto mit der freundlichen Genehmigung der Helgoland Touristik)

Einatmen – Ausatmen. Ein Schritt vor den anderen. Die Dünen im Rücken, das Meer vor der Nase. Maritime Aerosole im System. So schön kann gehen gehen.

Das bezeichnet den hohen Gehalt an Salz, Jod, Magnesium und Spurenelementen in der Atmosphäre. Das Faszinierende: die Aerosole dringen in Form von mikroskopisch kleinen Tröpfchen bis in unsere Lungenbläschen ein. Das Salzgemisch wirkt dort unter anderem schleimlösend, was sich bei Menschen mit chronischer Bronchitis oder Asthma wohltuend auswirkt. Weil sich Aerosol als feiner Film auch auf der Haut ablagert, helfen ausgedehnte Aufenthalte an der See auch bei Juckreiz, Neurodermitis und Schuppenflechte. Je näher man sich an der Brandung aufhält, desto mehr Aerosol liegt in der Luft.

Thalasso in den Dünen

Ob wir jetzt schlendern, flanieren, walken oder sporteln, der Effekt auf unsere Lunge ist enorm. Touristiker und Destinationsmanager werben hier gern mit Thalasso pur. Thalasso bezeichnet die Behandlung von Krankheiten mit Meerwasser, Meeresluft, Algen, Schlick und Sand. Das kann man für viel Geld in Form von Anwendungen, Packungen und Massagen genießen. Thalassotherapien boomen. Nicht nur an den Nord- und Ostseeküsten Deutschlands, wo Norderney das größte Thalasso-Zentrum bildet. Auch  Frankreich und Tunesien zählen jährlich über eine halbe Million Thalasso-Kunden.

Eine Basis-Variante dieses Natur Pur Erlebnisses ist schon für umsonst zu bekommen. Gut, die – bitte möglichst CO2-schonende – Anreise hin zu den Dünen, hin zum Sand, hin zum Strand ist nicht für Null Euro zu haben. Doch die Gäste kommen. In den Herbst- und Wintermonaten stiefeln Frischluft-Freunde dick eingemummelt durch die Dünen. In den Sommermonaten häufen sich die Barfuß-Spuren im Sand. Wir empfehlen so wenig Schuhwerk wie möglich. Abgesehen davon, dass sonnengebräunte Füße wirklich jeden schmücken, hat das Barfußlaufen noch andere positive Effekte. Ein interessantes Phänomen rund ums Barfußlaufen ist als Earthing oder Grounding beschrieben.

Grounding: So geraten Elektronen in den Dünen in Schwingung

Unsere Lebenserwartung ist im Laufe des letzten Jahrhunderts immer weiter gestiegen, gleichzeitig nehmen Zivilisationskrankheiten und vorzeitige Zell-Alterungsprozesse immer weiter zu. Viele davon hängen mit dem vermehrten Vorhandensein von „Freien Radikalen“ zusammen, für die wir in unserer modernen Gesellschaft kein Ventil haben. Zellen, die, salopp gesagt, aufgrund ungeregelter Stoffwechselprozesse, welche durch Stress, schlechte Luft und unausgewogene Ernährung begünstigt werden, durchdrehen. Um nicht zu sagen „frei drehen“. Die Erde ist voller freier negativ geladener Elektronen.

Grounding oder Earthing kann man auch beim Dünenwandern auf der sogenannten „Thalasso-Insel“ Norderney erleben. Die beliebte Urlaubsinsel profitiert von dem, was die Natur bereit hält. Und die Urlauber kommen gern, um zu Fuß oder mit dem Fahrrad die äußersten Winkel des Eilandes zu erkunden.

Das ist vergleichbar mit dem Minus-Pol einer Batterie. Hat man nun einen direkten und vor allem elektrisch leitfähigen Kontakt zur Erde, kann der Körper die so heilsamen freien Elektronen der Erde aufnehmen. Das bedeutet schlicht, dass die Erde für uns die Lösung gegen freie Radikale bereithält. Sie versorgt unsere Körper beim Barfußlaufen mit einer Vielzahl an ungebundenen Elektronen. Die freien Radikale können sich nun an diesen Elektronen bedienen ohne unsere Zellen zu beschädigen und werden dadurch neutralisiert, also unschädlich gemacht. Mehr über diesen besonderen Nebeneffekt des Barfußlaufens könnt ihr unter anderem im Beitrag über den Barfußpark Beelitz nachlesen.

Wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich muss meine Sachen packen. Es geht nach Hennestrand, in die Dünen. Und ratet mal, was ich dort ausgiebig tun werde…