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Was machen in Parma? 6 interessante Reisetipps

Parma ist ein schönes Reiseziel, dachte ich mir, da kommt ja gutes Essen her. Aber kurz vor der Reise fragte ich mich dann doch: was machen in Parma? Außer eben essen. 6 Antworten auf diese interessante Frage findest Du hier.

Was fällt mir zu Parma ein?

Gutes Essen!
Prosciutto di Parma!
Parmesan!

DER italienische Edelkäse, ohne den ein deutsches Leben ja nur halb so schön und einfach wäre. Denn ein herrliches Stück Parmesan verwandelt sogar schlichte Nudeln – solange die nicht von Barilla kommen, übrigens auch aus Parma – mit Olio d’Oliva in das sprichwörtlich kulinarische Gedicht. Dafür muss man noch nicht mal richtig kochen können.

Rund um den modernen Markt auf der Piazza Ghiaia sollen die Straßen und Gassen überlaufen von Schinken, Käse und anderen köstlichsten Leckereien, die in der Po-Ebene rund um Parma oder in den nahegelegenen Hügeln der Apenninen hergestellt werden. Sollte ich mir anschauen.

Auf die Frage, was machen in Parma? Muss also eine Antwort lauten, richtig gut essen! Das nehme ich mir für die Mittagspause vor. Ein schönes italienisches Mittagessen in einem schnuckeligen Ristorante mitten in der Altstadt von Parma. Wird bestimmt ein Vergnügen. Aber reicht das für einen Tagesausflug? Vielleicht eher nein.

Ein Schaufenster in Parma, auf der rechten Seite stehen zwei Globen, auf der linken Seite ist ein Buch aufgeschlagen, das ein Porträt des Komponisten zeigt. Im Zentrum ist eine Büste Verdis aufgestellt.

Giuseppe Verdis Blick kann man sich in Parma nicht entziehen

Mehrere Säle im Palazzo Pilotta in Parma, in welchen die Gemäldegalerie untergebracht ist. Die Wände sind in einem leichten Grau gestrichen. Die einzelnen Säle sind durch hohe Bögen voneinander getrennt.

Ziemlich erhaben. Die Säle der Galeria Nazionale in Parma

Was machen in Parma?

Also gehe ich der Frage, was machen in Parma? mal so richtig auf den Grund. Dabei finde ich heraus, dass Parma die Heimat zweier fantastischer Künstler der italienischen Renaissance ist, Antonio da Correggio und Parmigianino, die ich beide bewundere. In Kirchen und Museen haben sich einige ihrer Werke bewahrt. Auf die Frage, was machen in Parma? muss also eine weitere Antwort heißen, Bilder von Correggio und Parmigianino anschauen.

Sehr praktisch ist, dass das Kunstmuseum, die Galleria Nazionale, das Gemälde von Correggio und Parmigianino ausstellt, sich im Palazzo Pilotta am Rande der Altstadt von Parma befindet. Im Palazzo Pilotta gibt es nämlich eine weitere Parma Sehenswürdigkeit zu bewundern. Das Teatro Farnese. Ein hölzernes Theater aus dem 16. Jahrhundert, dem möchte ich natürlich einen Besuch abstatten. Also, was machen in Parma? Natürlich den monumentalen Palazzo Pilotta besichtigen!

Außerdem lässt sich mitten in der Altstadt eine romanische Kathedrale mit dazugehörigem Baptisterium bewundern. Darüberhinaus hat der Opern-Komponist Giuseppe Verdi seine Spuren in der Stadt hinterlassen, überall lässt sich sein Porträt mit diesem verschmitzten, wissenden Lächeln und sogar ein berühmtes Opernhaus finden.

Von Bologna nach Parma

Ich fahre am frühen Morgen mit dem Zug von Bologna nach Parma. Die Fahrt dauert anderthalb Stunden und geht durch die nebelige, etwas eintönige aber fruchtbare Ebene der Emilia Romagna. Grüne Felder, üppige Obsthaine, ab und zu sogar Wein. Die Einfahrt in den Bahnhof von Parma ist ziemlich eindrücklich, denn sie führt vorbei an riesigen verrostete Lagerhallen und verwaisten Produktionsanlagen, die von einer ehemaligen Wirtschaftskraft der Region künden, heute aber den industriellen Niedergang dokumentieren. Die Peripherie wirkt sogar ein bisschen gespenstisch und so menschenleer geradezu postapokalyptisch.

Den Weg vom Bahnhof in die Altstadt von Parma kann ich in kürzester Zeit erledigen. Irgendwie geht es nur geradeaus und schon stehe ich vor dem Palazzo Pilotta, so riesig, der ist tatsächlich nicht zu übersehen. Über den Dächern linker Hand entdecke ich einen hohen Kirchturm. Das muss der Turm der Kathedrale sein.

Wenn man sich schon fragt: was machen in Parma?, dann ist der Besuch dieser romanischen Kirche sicherlich eine gute Idee. Also biege ich links in eine belebte Straße, ignoriere die einladenden Kaffeehaus-Stühle auf dem Trottoir, steuere direkt auf die Kathedrale zu und lande auf dem menschenleeren Platz vor dem Dom. So ausgestorben, dass mich schon wieder postapokalyptische Gedanken beschleichen. Aber dann strömt aus den Kirchenpforten eine lärmende Schulklasse auf den Platz hinaus und mein schwermütiges Grübeln findet sofort ein Ende.

Ein dunkler romanischer Kirchenraum. Die Wände werden von Bögen und Pfeilern gegliedert.

Das etwas düstere Hauptschiff der Kathedrale von Parma

Blick in die Kuppel der Kathedrale von Parma. Im Zentrum ist ein goldenes Licht gemalt, aus dem Christus hinunter schwebt. Auf der rechten Seite fliegt die Mutter Maria in den Himmel hinauf.

Himmelfahrt der Mutter Maria. Dieses Kuppelfresko in Parma begründet Correggios Ruhm

1. Romanik pur – Die Kathedrale in Parma

Ein Tourist darf die Kathedrale von Parma nicht einfach so betreten, ein Ticket wird benötigt. Das erwerbe ich bei einer freundlichen Dame im Dom-Museum einmal quer über den Platz. 2 Euro kostet der Eintritt in die Kirche, 6 Euro sind für das Baptisterium zu berappen. Eine lohnende Investition.

Der Dom Santa Maria Assunta ist ein stattlicher romanischer Bau mit einer ganz und gar außergewöhnlichen Fassade. Bei genauerer Betrachtung der Außenmauern lässt sich ablesen, wie der Bau seit dem 11. Jahrhundert verändert und erweitert worden ist. Der dunkele Innenraum hält eine Überraschung bereit, die mich fast erschlägt, er ist ganz und gar ausgemalt mit bunten, bewegten Bildern aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die dramatisch und verspielt das Leben Christi präsentieren.

Für den Höhepunkt der Besichtigung muss ich meinen Kopf leider ziemlich verdrehen. Denn die Ausmalung der Kuppel durch den fantastischen Malers Antonio da Correggio möchte ich ganz besonders genau inspizieren. Es ist schon irre toll, wie graue Gewitterwolken aus den Ritzen des Mauerwerks herausquellen, sich auftürmen, um letztendlich aufzureißen und ein göttliches Licht aus den Höhen der Kuppel in die Kirche hinein strömen zu lassen. Aus diesen lichten Höhen schwebt Christus – gemalt in einer spektakulären Untersicht – seiner Mutter Maria entgegen, um sie in den Himmel aufzunehmen. Ein echtes Wunder! Unten am Kuppelfuß haben sich die Apostel – um das Grab versammelt – und schauen staunend diesem erhabenen Schauspiel zu. Correggio beweist sich in Parma als ein Meister der Illusion.

Eine große Frau in einem blauen Gewand hält einen Knaben im Schoß. Auf der linken Seite nähern sich drei Männer mit Kronen andächtig. Auf den linken Seite erzählt ein fliegendes Wesen einem Mann eine Geschichte. Der Realismus in der Darstellung dieser Szenen durch Giuseppe Antelami ist bewundernswert.

Ziemlich streng. Die Anbetung der Könige von Giuseppe Antelami

Das Kuppelgewölbe des Baptisteriums

2. Die Taufkapelle von Benedetto Antelami

Ganz anders dagegen die Taufkapelle auf der Piazza. Der Bildhauer Benedetto Antelami hat das achteckige Baptisterium entworfen und mit realistischen Skulpturen geschmückt. Eine strenge Mutter Maria schaut mich aus weit aufgerissenen Augen an. Der indische Prinz Josaphat ist in einen Baum geklettert, um Honig aus einem Bienenkorb zu schlecken. Der Erlöser Christus thront umgeben von den Werkzeugen seines Martyriums. Unterhalb des Erlösers sind die 7 Taten der Barmherzigkeit dargestellt. Ich habe Schwierigkeiten die zusammen zu bekommen, wer denkt heute noch an Barmherzigkeit?. Doch Antelami hat die milden Werke so lebendig dargestellt, dass ich einige einfach erkennen kann: Hungrige speisen, Durstige tränken, Nackte bekleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen … aber wie weiter?

Der großartige Innenraum des Baptisteriums verdeutlicht, wie bedeutsam das Ritual der christlichen Taufe im Mittelalter gewesen sein muss. Der schachtartige Raum wird von einer ausgemalten Kuppel überspannt. Mir spukt noch die überwältigende Himmelfahrt Mariens aus der Domkuppel im Kopf herum, deswegen kommt mir dieser aufgeräumte Himmel, bevölkert von sauber aufgereihten Heiligen reichlich komisch vor. Ein völlig unheiliger Gedanke schießt mir plötzlich durch den Kopf: Essen gehen! Also ganz schnell mein Restaurant in der Altstadt von Parma finden.

Außen rösch und innen saftig, dazu ein leichtes Anis-Aroma. So geht Weißbrot

Gnocchi di Ricotta auf Stengelkohl-Mus mit getrockneten Tomaten und kandierter Zitrone

3. Fantastisch essen in Parma

Auf meinem Weg zu dem Ristorante in Parma, das mir als absoluter Geheimtipp empfohlen wurde, stolpere ich zufällig über das Bistro Cortex. Modernes, schlichtes Design, welches nach den üppigen Eindrücken des Vormittags Ruhe für den Geist und für die Augen verspricht. Die übersichtliche Karte macht die Bestellung einfach, auch deswegen, weil die freundliche Bedienung die Spezialtäten auf der Speisekarte ausführlich erklärt.

Das Brot mit einer Prise Anis ist schon mal eine Wucht. Super rösch außen, ganz weich innen. Bei so einem Weißbrot kann mir das deutsche Vollkorn mal gestohlen bleiben. Als Wein gibt es einen fruchtigen Pinot Nero aus der Gegend um Pavia. Und dann kommt die Pasta, Gnocchi di Ricotta con Puree di Cime di Rape e Pomodori secchi.

Für eine Nudelspeise ist das ein ziemlich pompöser Name. Aber absolut gerechtfertigt. Denn diese Gnocchi di Ricotta, also eigentlich kleine Käseknödel, machen mich staunen. Ich habe Nudeln in 1000 Formen und gefühlten 7 Millionen Soßenvariationen verputzt. Aber so ein erstaunliches Gericht ist mir noch nicht untergekommen. Ich weiß nicht, was mich mehr verwundert die Luftigkeit der Gnocchi, die orientalische Räuchernote des Puree di Cime di Rape – Stengelkohl – oder die reife Süße der getrockneten Tomaten.

Der Brasato – Rinderbraten – als Hauptgericht ist ordentlich und auch das Dessert, ein warmes Apfeltörtchen, muss sich nicht verstecken Was machen in Parma? Einmal im Bistro Cortex vergnüglich speisen.

Der Torso eines Herkules. Mehr ist von der berühmten Sammlung Farnese in Parma nicht geblieben

4. Der Palazzo Pilotta

Nach dem erfreulichen Mittagessen schlendere ich entspannt durch die Stadt. Parma besitzt wirklich eine zauberhafte Altstadt. Belebte Straßen, großzügige Plätze, elegante Cafes und appetitliche Schaufensterauslagen. Ich trinke noch schnell einen Caffé und schon stehe ich wieder vor dem düsteren Palzzo Pilotta.

Der Palazzo Pilotta ist eines der erstaunlichsten Bauwerke, die ich jemals gesehen habe. Grau, düster, monströs wirkt der Palast wie eine eigene Stadt oder wie eine bedrohliche Festung. In schauerlichen Historienfilmen könnte dieses Schloss als Kulisse für die Residenz eines despotischen, grausamen Herrschers dienen. Tempi Passati. Heute ist der Palast ein riesiges Museum. Hier gibt es nochmal Bilder von Correggio aber auch von Parmigianino zu bewundern, außerdem das hochberühmte, frühbarocke Teatro Farnese.

Breite Marmorstufen führen hinauf in das zweite Obergeschoss des Palastes, in dem sich die Galleria Nazionale und das Teatro Farnese befinden. Nachdem ich die erklommen habe, stehe ich vor einem prächtigen geschnitzten Portal, das den Eingang in das Teatro Farnese markiert. Allerdings lässt sich von hier nur ein schlechter Überblick über dieses Theater ganz aus Holz gewinnen, denn die Feuerpolizei hat den Eintritt wegen Brandgefahr streng reglementiert.

Blick in den dunklen Zuschauerraum des Teatro Farnese im Palazzo Pilotta. Die Zuschauertribünen sind im Teatro Farnese wie in einem römischen Theater aufgebaut. Allerdings nicht aus Stein sondern aus Holz. Hinter den Zuschauerränge sind Bögen augerichtet

Der Zuschauerraum des Teatro Farnese im Palazzo Pilotta in Parma

Ein kleines Modell aus Holz und Gips unter einem Glaskasten, das den Eingang in das Teatro Farnese zeigt, der von einem Bogen eingefasst ist.

Dieses Model zeigt den monumentalen Eingang in das Teatro Farnese

Ein kleiner weißer Engel aus Stuck sitzt in einer Holzkiste unterhalb der Zuschauertribüne des Teatro Farnese.

Im 2. Weltkrieg wurde der Palazzo Pilotta von einer alliierten Bombe getroffen. Das Teatro Farnes brannte aus. Dieser kleine Putto ist der Rest der Originaldekoration des Theaters

5. Das Teatro Farnese

Aber immerhin kann ich mir die irre Konstruktion aus 100en Holzstämmen anschauen, mit der die Zuschauerränge im Teatro Farnese aufgebockt sind. Ganz in der Ecke erinnert eine verstümmelte Stuckplastik an die ehemalige Pracht des Theaters, das während eines Luftangriffs im 2. Weltkrieg im Feuer unterging. Nach dem Weltkrieg ist dieses Kleinod mühsam rekonstruiert worden.

Um die Bühne des Teatro Farnese zu betreten, muss ich einmal quer durch den Palazzo Pilotta hetzen. Die Nähe der Theaterbühne kann ich dann tatsächlich erschnuppern, denn trockenes Holz hat diesen sehr besonderen, irgendwie staubigen Geruch. Von einer Bühne in den Zuschauerraum zu schauen, ist immer wieder ein tolles Erlebnis. Auch hier im Teatro Farnese verwandelt die Bühne den Besucher in einen Star, der allerdings in einen gähnend leeren Zuschauerraum vor sich hat. Schade! Dennoch ist der Ausblick ziemlich imposant.

Mich verwundert, dass dieses Theater nur 9 Mal bespielt worden sein soll. Das muss daran gelegen haben, dass ein barockes Theaterspektakel mit heutigen Theateraufführungen wenig gemeinsam hatte. Reiterturniere, sogar Seeschlachten sollen im Teatro Farnese inszeniert worden sein. Ziemlich aufwändig, wahrscheinlich war deswegen der regelmäßige Betrieb des Theaters einfach viel zu kostspielig.

Nackte Putten verspielt in einer Pergola. Detail eines Deckenfreskos von Correggio

Eine Dame mit Turban, Porträt eine unbekannten Dame von Parmigianino

6. Correggio und Parmigianino

Das Teatro Farnese beeindruckt mich sehr. Ein paar Ecken weiter warten aber noch Gemälde Correggios und Parmigianinos. Also schleiche ich mich davon. Correggios Bilder eröffnen tatsächlich noch mal eine ganz andere Dimension. Diese Bilder sind der lebendigen Welt vollständig entrückt. So schöne Farben, so mildes Licht, so schöne Linien, so bezaubernde Ruhe und Ausgewogenheit, so angenehm der Weichzeichner, den Correggio als Sfumato über seine Bilder gießt. Ein gemaltes Paradies.

Das bleibt mir allerdings fremd und manchmal finde ich das Süßliche, das unterdrückt Erotische dieser religiösen Bilder unangenehm. Verstehe ich selber nicht so genau. Vielleicht ist das Erotische ja gar nicht unterdrückt, vielleicht ist es ja genauso in die Bilder hineingemalt. Und mir als Mensch des 21. Jahrhunderts ist diese Ambivalenz einfach nicht mehr zugänglich.

Auch die junge Frau mit dem Turban, gemalt von Parmigianino, ist ein doppelbödiges Bild. Bei diesem Porträt weiß der Betrachter noch nicht einmal genau wie nah er herantreten soll. Denn Parmigianino hat in seinem Gemälde winzige Details mit haarfeinen Pinseln pingelig genau ausgearbeitet. Da ist zum Beispiel die eigenartigen Kopfbedeckung der Dame, kein Turban sondern ein Balzo, der im 16. Jahrhundert von adeligen Damen in Italien gerne aufgesetzt wurde. Wie reich die Struktur dessen Goldbrokats ist oder wie raffiniert die Gemme mit dem Pegasus gearbeitet ist, erschließt sich nur, wenn der Betrachter sich am Glas vor dem Bild fast die Nase platt drückt. Will ich jetzt nicht machen.

Was habe ich in Parma gemacht?

Vor allem habe ich einen schönen und abwechslungsreichen Tag verbracht. Die Kathedrale und das Baptisterium habe ich mir gerne angeschaut. Ich mag romanische Architektur. Das super leckere Mittagessen im Bistro Cortex werde ich bestimmt nicht so schnell vergessen.

Den Nachmittag habe ich leider im Suppenkoma ein wenig verdöst. Dennoch die Begegnung mit Parmigianinos Frau mit dem Turban möchte ich nicht missen. Jetzt heißt es aber: „Auf wiedersehen Parma, ich komme wieder, ganz bestimmt!“