Blick auf die Altstadt von Prato in Italien.

Prato: Tipps für eine faszinierende Stadt in Italien

Prato in Italien ist vor allem für seine Textilindustrie bekannt. In den letzten Jahren war viel davon zu hören, wie chinesische Einwanderer in der Toskana das Geschäftsmodell der Pronta Moda umgekrempelt haben. Dabei hat Prato noch viel mehr zu bieten als Textilien: mittelalterliches Flair, moderne Kunst und richtig leckere Cantuccini.
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Inhalt

Prato in Italien: Mode & Multikulti

Der Name Prato wird in Deutschland vor allem mit Taschen assoziiert, die auf so merkwürdige Namen wie Olivia, Hermine oder Lina hören. Das ist schade! Denn hinter den Taschen verschwindet die äußerst interessante Stadt Prato in Italien, die schon seit vielen Jahrhunderten ein bedeutendes Zentrum der Mode- Textilproduktion in der Toskana ist. 

Prato liegt dicht bei Florenz. Der kunstgeschichtliche Glanz der berühmten Arno-Metropole überstrahlt ganz und gar die Bedeutung der kleineren Stadt weiter westlich. Auch der Fluss Bisenzio, ein Nebenfluss des Arno, der sich mitten durch das Zentrum Pratos schlingert, ist den meisten kein Begriff.

Wenn in Deutschland über die Stadt Prato gesprochen wird, dann meist unter dem Gesichtspunkt der Einwanderung von Chinesen nach Europa. Denn in Prato hat sich vor gut 25 Jahren eine Enklave der chinesischen Textilindustrie in Italien etabliert. Im Industriegebiet von Prato nähen und bügeln chinesische Arbeiter*innen mit heißer Nadel Kollektionen der Pronta Moda für ganz Europa. Produziert wird in der Toskana nach dem Motto: billig wie in Asien herstellen, aber teuer wie “made in Italy” verkaufen. Dieses just-in-time Geschäftsmodell für preiswerte Mode scheint sich zu lohnen. Denn von den gut 195.000 Einwohnern Pratos sind 35.000 Chinesen. Im Jahr 2019 waren in der Stadt 5850 chinesische Firmen registriert davon 4280 in der Textilindustrie. Ein Artikel im Le Monde diplomatique beschreibt diese Situation eindrücklich.

Dass die chinesischen Einwanderer nach Italien inzwischen zu Prato gehören, zeigt die Wahl von Teresa Lin und Marco Wong in den Stadtrat im Jahr 2019. Außerdem hat die an Sehenswürdigkeiten nicht arme Stadt mit dem buddhistischen Tempel Pu Hua Si eine weitere schillernde Attraktion bekommen.

Porträt des Kaufmanns Francesco Datinis aus Prato in Italien.
Francesco Datini, 1335 – 1410. Das idealisierte Porträt des berühmten Kaufmanns aus Prato malte Ludovico Buti 1588

Ein Selfmademan aus Prato

Mehr als diese Berichte aus der chinesischen Diaspora sind mir auch nicht bekannt, als ich nach Prato komme. Ich weiß, dass der Ort der Geburtsort des fantastischen Renaissance-Malers Filippino Lippi ist. Außerdem war hier Francesco Datini der berühmteste Kaufmann der beginnenden Neuzeit zuhause. Iris Origo hat ein großartiges Buch über den Selfmademan aus Prato geschrieben.

Im Namen Gottes und des Geschäfts“ ist ganz besonders deswegen lesenswert, weil sich Origo in ihrem Werk auf über 11.000 Briefe Datinis beziehen kann. Der emsige Briefschreiber wurde im Verlauf seines langen Lebens nie müde pedantische Anweisungen an Geschäftspartner und die Ehefrau Margherita zu diktieren, denn die meiste Zeit verbrachte Francesco außerhalb von Prato auf Reisen durch Italien oder das Mittelmeer. Diese Briefe bilden das Fundament für die außerordentlich facettenreiches Beschreibung des Lebens eines toskanischen Kaufmanns. Erstaunlicherweise treibt Datini neben dem Sinn für gute Geschäft und das große Geld die besonders die Angst vor Verlust und vor der Hölle um. Eine tolle Lektüre!

Prato hat dem erfolgreichen Kaufmann Fancesco Datini viel zu verdanken. Denn der hatte wegen seiner Seelenqualen das Riesenvermögen einer frommen Stiftung vermacht. Eine Geste von der die Stadt noch heute profitiert. Auch nach 600 Jahren lebt das Erbe Datinis in der wohltätigen Fondazione Casa Pia Dei Ceppi fort. In dem repräsentativen Stadtpalast, den Datini sich in Prato errichten ließ, ist heute die Stiftung und ein Museum untergebracht.

Der Dom und die Altstadt von Prato in der Toskana.
An einem trüben Januar Vormittag in der Toskana, der Dom von Prato

Der Dom Santo Stefano

Prato ist eine der uralten Städte in der Toskana, denen es gelungen ist, unabhängig vom Tourismus auf eigenen wirtschaftlichen Beinen zu stehen. Ganz anders als Florenz oder San Gimignano, die stromlinienförmig auf die Bedürfnisse der internationalen Reisenden zugeschnitten sind. Doch auch in der geschäftigen Textil- und Industriestadt gibt es Sehenswertes und Besonderes zu entdecken.

An einem großen Platz in der Altstadt steht der ehrwürdige, romanischen Dom San Stefano. Als ich nach Prato komme, wird an der Kirche gerade kräftig renoviert. Schade, aber nach über 800 Jahren ist einfach mal ein Facelifting dran. Ganz typisch für die Toskana sind die weißen und grünen Streifen an der Fassade. Besonders auffällig aber ist die berühmte Außenkanzel des Künstlerduos Donatello und Michelozzo. Dort wird zu hohen Feiertagen, die berühmteste Reliquie der Stadt Prato ausgestellt, der Gürtel der Mutter Maria, die Sacra Cintola.

Natürlich weiß heute niemand mehr so genau, wie viele Gürtel die Mutter Maria während ihrer Schwangerschaft aus Kamelhaar webte. Aber es müssen mehr als drei gewesen sein. Denn neben Prato besaßen ein Kloster auf dem Berg Athos, eine Kirche im heutigen Istanbul so einen Gürtel. Darüberhinaus Santa Maria Maggiore in Rom, der Kölner Dom, das Kloster Andechs und, und, und …

Kapelle im Dom von Prato in der Toskana.
Die Kapelle im Dom von Prato, in der der Gürtel der Mutter Maria verwahrt wird

Der Gürtel der Madonna

Bei der Sacra Cintola im Dom von Prato handelt sich um einen schmalen Streifen aus hauchdünner Wolle, der mit Goldfäden durchwirkt ist. Die Geschichte des heiligen Gürtels ist natürlich ein fesselndes Geflecht aus Wahrheit und Volksglauben, Kunst und Frömmigkeit.

Der Legende nach überreichte die Mutter Maria diesen Gürtel nach ihrer erfolgreichen Himmelfahrt dem ungläubigen Thomas. Dieser Querdenker hatte nämlich ihre Aufnahme in den Himmel anzweifelte. Im Jahr 1141 brachte der Kaufmann Michele diesen wertvollen Gürtel als Mitgift seiner Frau aus dem Heiligen Land nach Prato. Erst auf dem Sterbebett konnte Michele sich von der kostbaren Reliquie trennen und schenkt sie der Kirche Santo Stefano. Die Sacra Cintola ist eine so bedeutende Reliquie, weil wegen der Himmelfahrt der Mutter Maria keine Reliquien ihres Körpers existieren. Denn dem konnten nach der Himmelfahrt keine Reliquien entnommen werden. Es gibt also weder Gebeine noch Haare oder Arme, die Gegenstand inbrünstiger Verehrung hätten werden können.

Es scheint so, dass die Kaufleute in Prato nur darauf gewartet haben, in den Besitz eines so prominenten Stückchens Stoffs zu gelangen. Glücklicherweise hatte die Mutter Maria schon solche Stoffe gewebt, wie es die Tuchmacher in Prato ihr später nachmachten. Denn so konnte die Madonna zu einer Art Markenbotschafterin für Stoffe made in Prato werden.

  • Über die Bedeutung des Gürtel der Mutter Maria kannst Du mehr im Dom Museum erfahren. Museo dell’Opera del Duomo: Piazza del Duomo, 49, 59100 Prato PO, Italien
  • Das bedeutende Textilmuseum präsentiert die Geschichte der Stoffproduktion in Prato und in der Toskana. Museo del Tesuto: Via Puccetti, 3, 59100 Prato PO, Italien
Gemälde von Alessandro Franchi.
Grablegung des heiligen Stefan, Jugendwerk von Alessandro Franchi

Filippo Lippi und das Zölibat

Ein Besuch des Dom Museums in Prato lohnt sich aber vor allem, um die erstaunlichen Malereien im Dom Santo Stefano zu bewundern. Mitte des 15. Jahrhunderts hat der Maler und Mönch Fra Filippo Lippi mit der Ausmalung des Chorraumes begonnen. Innerhalb von langen zwölf Jahren malte er verschiedene Szenen aus dem Leben des Heiligen Stefan und Johannes des Täufers. Die lange Arbeitszeit erklärt sich wahrscheinlich mit der unbekümmerten Lebensfreude des Mönchs Filippo, der mit der Nonne Lucrezia Buti in wilder Ehe zusammenlebte und Kinder zeugte. Gottseidank war Filippo das Zölibat und Lucrezia das Gelübde schnurzegal! Denn was wäre die Kunstgeschichte ohne deren begnadeten Sohn, Filippino Lippi?

Aufmerksamkeit erregen im Dom aber besonders die Geschichten aus dem Alten Testament, die der Maler Alessandro Franchi um 1875 in einer Kapelle des Domes malte. Die bunten Farben und der aufdringliche Realismus dieser Malerei lassen sich wahrscheinlich nur damit erklären, dass der Orientalismus und die ersten Erkenntnisse der biblischen Archäologie dem Künstler in die Pinsel gefahren waren. Geradezu faszinierend obszön ist das Vergnügen, mit dem der 21 jährige Tod und Schönheit in der Translatio des heiligen Stefan im Dom Museum verschmilzt.

Und dann gibt es noch die grässlichen Dämonen, die der Meister von Cabestany, ein Bildhauer aus den Pyrenäen, auf Durchreise durch die Toskana in Prato hinterließ. Diese gefräßigen Löwen im Kreuzgang von Santo Stefano haben mich ganz besonders verzaubert.

Kapitelle im Kreuzgangs der Doms Santo Stefano.
Faszinierende Kapitelle aus der Hand des Meisters von Cabestany im Kreuzgang des Doms von Prato
Mittelalterlicher Ratspalast in Prato.
Der Palazzo Pretorio in Prato ist ein typischer Ratspalast für die Toskana

Die Galleria Comunale von Prato

In Florenz ist das berühmte Bargello Museum in einem ehemaligen Stadtpalast untergebracht. In Prato ist es dagegen die Gemäldegalerie. Der Palazzo Pretorio ist ein mittelalterlicher Stadtpalast, wie er im Norden Italiens in vielen Orten zu finden ist. Der turmartige Bau sieht aus wie eine uneinnehmbare Festung mitten in der Stadt. Mit solchen Bauwerken wollten die mittelalterlichen Stadtstaaten in der Toskana ihre politische und ökonomische Unabhängigkeit demonstrieren.

Die kostbaren Schätze des städtischen Museums kommen im wesentlichen aus Kirchen und Klöstern, die im Verlauf der Säkularisierung kirchlichen Besitzes 1798 und 1866 aufgelöst worden sind. Besonders prächtig sind die goldgrundigen mittelalterlichen Malereien mit ihren leuchtenden Farben. Sie erzählen davon, wie der Gürtel der Mutter Maria nach Prato gekommen ist, oder zeigen drastisch wie grausam die Martern waren, die die christlichen Märtyrer zu erleiden hatten.

Einige schöne Bilder Filippino Lippis sind zu sehen. Besonders überraschend ist der attraktive Christus als Gärtner von Baptistello Caracciolo einem Nachfolger von Caravaggio in Neapel. Zum Schluss der Besichtigung lohnt es sich auf das Dach des Palazzo Pretorio zu steigen. Denn einen schöneren Panoramablick auf Prato und die sanfte Landschaft der Toskana lässt sich so leicht nicht wieder finden.

  • Auf der Website des Palazzo Pretorio und der Galleria Comunale findest Du die wichtigsten Informationen, um Deinen Besuch vorzubereiten. Adresse: Piazza del Comune, 2, 59100 Prato PO, Italien
  • Im Zentrum der Piazza del Comune steht ein Denkmal für Francesco Datini
  • Im Palazzo Pretorio hat auch die Tourist Info ihren Sitz. Hier gibt es Stadtpläne und prima Tipps für einen erlebnisreichen Tag in Prato
Gemälde des neapolitanischen Maler Caracciolo in der Galleria Comunale.
Baptistello Caracciolo, Christus als Gärtner
Panorama von Prato mit Landschaft der Toskana im Hintergrund.
Panoramablick vom Palazzo Pretorio auf Prato und die Landschaft der Toskana

Castello dell‘ Imperatore & Santa Maria delle Carceri

Wie in den meisten Städten in Toskana ist das Stadtbild von Prato durch beeindruckenden mittelalterliche Bauwerke geprägt. Und das obwohl die Toskana ja als Wiege der Renaissance gilt. In Prato dominiert neben dem Palazzo Pretorio und vielen gotischen Kirchen das Castello dell‘ Imperatore das historische Zentrum der Stadt.

Das Castello dell‘ Imperatore ist alleine deswegen eine bemerkenswerte Burg, weil es vom Stauferkaiser Friedrich II errichtet wurde. Auch wenn es auf einem quadratischen Grundriss gebaut wurde, hat es mit seinen 8 Türmen eine gewisse Ähnlichkeit mit Castel del Monte in Apulien. In der weltbewegende Auseinandersetzung zwischen Kaiser- und Papsttum, die um 1250 ganz Italien in kriegerische Auseinandersetzungen stürzte, hatte Prato sich – ganz genauso wie Pisa – auf die Seite Friedrich II geschlagen. Der Staufer zeichnete Prato darauf mit seiner wichtigsten Festung im Norden Italiens aus.

Das jetzige Erscheinungsbild des Castello dell‘ Imperatore ist einer Restaurierung der 1930er Jahre zu verdanken, bei der alle Gebäude abgerissen wurden, die über die Jahrhunderte in und um die Festung entstanden waren. Vom Kastell sind dabei nur die Außenmauern und Türme übrig geblieben. Es ist möglich, die Türme besteigen und von dort oben einen Blick in die weite Landschaft der Toskana genießen.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur mittelalterlichen Festung kannst Du die Renaissance-Kirche Santa Maria delle Carceri bewundern. Der Architekt Giuliano Sagnallo hat die Kirche als einen Zentralbau über einem griechischen Kreuz entworfen und damit ein Meisterwerk der Proportion und Symmetrie geschaffen. Allerdings ist der Bau nie vollendete worden. Doch erzeugt gerade die unfertige Fassade des Gebäudes einen reizvollen Kontrast zwischen dem Ideal des Architekten und der schnöden Wirklichkeit. Der Innenraum wirkt leider ziemlich unterkühlt. Interessanterweise hat Prato nicht nur einen Bezug zur Vergangenheit, anders als die meisten Städte in Italien, sorgt man sich hier nicht nur um die Konservierung der Vergangenheit. Prato blickt im Centro Luigi Pecci aufgeschlossen Richtung Zukunft der Künste.

  • Castello dell‘ Imperatore, Adresse: Piazza Santa Maria delle Carceri, 59100 Prato PO, Italien
  • Auf der Piazza Santa Maria delle Carceri steht auch die gleichnamige Kirche. Auf dieser Website findest Du Infos zur Geschichte und den Öffnungszeiten
Eine mittelalterliche Burg mit rechteckigen Türmen.
Castello dell‘ Imperatore in Prato, die Burg hat Ähnlichkeit mit Castel del Monte in Apulien
Ungewöhnlich für Italien dieser futuristischer Museumsbau für Kunst der Gegenwart in Prato.
Das Centro Pecci an der Peripherie von Prato ist ein bedeutendes Museum für Gegenwartskunst in Italien

Centro Luigi Pecci – Gegenwartskunst in Prato

Der Besuch des Centro per l’arte contemporanea Luigi Pecci lohnt sich alleine schon wegen der kühnen Architektur dieses Museums, die das niederländische Architektenbüro NIO entworfen hat. An der Peripherie Pratos, ganz nah an der Ausfahrt zur Autobahn, funkelt tatsächlich ein goldener Ring: das Centro Luigi Pecci!

Die Erscheinung dieses schwebende Gebäudes ist für Italien sowieso schon ungewöhnlich, noch ungewöhnlicher aber ist der Umstand, dass Prato ein Museum für Kunst der Gegenwart aufbieten kann. Denn Gegenwart ist in der Kulturlandschaft Italiens, in der fast alle Ressourcen und alles Geld in den Erhalt des Historischen und Vergangenen fließt, wirklich Mangelware.

Das Centro Pecci ist berühmt für seine große Sammlung zeitgenössischer Kunst. Aber seine herausragende Bedeutung verdankt das Museum vor allem den vielen Ausstellungen, die dort gezeigt werden. Nach über 250 Ausstellungsprojekten in den letzten 25 Jahren hat sich das Museum – dem eigenen Selbstverständnis nach – zu einem Laboratorium der künstlerischen Forschung entwickelt, das kritische Räume schafft, in denen über Relevanz künstlerischer Produktion nachgedacht werden kann. Das ist spannend, weil aktuelle Kunst uns hilft über die schwer verständliche Welt nachzudenken, in der wir leben.

  • Auf der Website des Centro Pecci findest Du Informationen zu Öffnungszeiten, Ausstellungen und Eintrittspreisen. Adresse: Viale della Repubblica, 277, 59100 Prato PO, Italien
  • Das Centro Pecci ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unkompliziert zu erreichen. Von der der Stazione Centrale, dem Hauptbahnhof, fährst Du mit dem Bus “Lam Blue“. Schon nach 10 Minuten Busfahrt erreichst Du das Museum (Stand 02/22)

Mehr interessante Reisegeschichten findest Du hier:

Cantuccini aus Prato typisch Toskana

Prato ist eine mittelgroße Industriestadt in Italien. Deren wichtigste Branche, die Textilindustrie, durchläuft seit Jahren eine komplizierte Veränderung. Dennoch hat die Stadt ihren Besuchern ziemlich viel zu bieten. Klar, dort wo die Geschichte eines Ortes 2000 Jahre und mehr zurückreicht, gibt es immer was zu sehen. Deswegen lässt sich in Prato vom Dom Santo Stefano über das Castello dell‘ Imperatore bis zum Centro Luigi Pecci ganz unkompliziert ein großer kultureller und historischer Bogen spannen.

Aber natürlich bietet Prato auch ganz andere, weltlichere Genüsse, typisch Italien eben. Bei meinem Spaziergang durch die Altstadt schlendere ich am Biscottificio Antonio Mattei vorbei. Was für ein Name!

Seit 1853 werden dort Spezialitäten aus der Toskana gebacken. Zum Beispiel diese verführerisch leckeren Cantuccini. Häufig sind Cantuccini ein hartes Gebäck, an dem man sich – auch wenn sie in Süßwein eingeweicht sind – die Zähne ausbeißt. Ganz anders dagegen die Mandelkekse aus dem Hause Mattei. Die sind herrlich und butterweich. Ich kaufe gleich kiloweise ein, um sie daheim als Mitbringsel zu verschenken. Und dann setze ich mich glücklich und abgefüllt mit neuen Eindrücken in den Zug nach Florenz. Aber versprochen, ich fahre bald wieder nach Prato der ungewöhnliche Industriestadt in der Toskana.